Posted by: decalcification | Mai 16, 2008

Enjoy: Demetri Martin

Ich mag Demetri Martin. Er ist der gegenwärtig originellste Comedian und noch dazu einer, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Hab längere Zeit nicht mehr bei youtube gestöbert, aber vorhin ein komplettes (älteres) Set in 1a-Qualität entdeckt, das ich hier mal teilen muss. Es besticht durch den entlang des Showthemas entsponnenen biographischen Faden und Menschen, die sich auf so origenelle Art und Weise reflektieren und dabei noch auf ansprechendem Niveau unterhalten, verdienen alle Lobhudelei, zumindest aber ein Feature. Also, wenns passt, nimm dir eine gute 3/4h Zeit und genieße die Kunst von Demetri Martin ! Off you go:

schönen Tag !

dfn

post scriptum: es gibt eine sehr nette CD/DVD-Box von ihm und zwar schon sehr günstig, schaue einfach mal hier vorbei !

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Posted by: decalcification | Mai 15, 2008

Butterhörnchen und Joghurt - eine Parabel

Es war einmal ein junger Fuchs, den die Natur mit einem anfälligen Zahnwerk ausgestattet hatte. Zur Erhaltung der Substanz trug er aus jugendlicher Unbekümmertheit wenig bei, denn seine Beute konnte er problemlos reißen und Schmerzen tauchten nur dann und wann auf. Bei einer dieser Gelegenheiten suchte er Rat bei einem reisenden Doktor, der ihn warnte: “Füchslein, wenn du so weitermachst, hast du in einigen Jahren keinen einzigen Zahn mehr !” Das erschien dem Fuchs als dezente Übertreibung, aequo animo nahm er diese Ansage zur Kenntnis und zog weiter. Die nächsten Jahre schienen ihm Recht zu geben: keine Schmerzen, keine Zahnausfälle. Die beständigen Warnungen seiner Eltern, doch mal präventiv zu handeln, schlug er in den Wind.

Als er nun erwachsen war, änderte sich dies. Erneut suchte er einen Doktor auf, der ihm in aller Klarheit die Tatsachen offenbarte: “Fuchs, dein Gebiss ist ein einziges Trümmerfeld ! Erstaunlich, wie du damit so lange Zeit deine Häschen vernaschen konntest.” Es folgte eine lange Phase der Restauration. Insgesamt zwanzig Füllungen mussten gemacht oder erneuert werden, es war soviel Arbeit, dass der Doktor machnmal gleich vier oder fünf Zähne auf einmal sanierte. An diesen Tagen konnte der Fuchs nichts essen. Eine Gesichtshälfte war gelähmt und beim Trinken tröpfelte ihm das Wasser auf der betäubten Seite des Mundes wieder heraus. Doch damit nicht genug. Einige Jahre später mussten ganze Zähne ersetzt werden. Der Fuchs kratzte sein Erspartes zusammen, lieh sich Geld von Freunden und investierte Tausende in die Erhaltung seines Gebisses. Einen richtigen Hasen gerissen hatte er schon lange nicht mehr, zu groß war seine Angst, irgendwo in seinem maladen Mundraum könnte etwas abbröckeln oder splittern. Stattdessen gabs Butterhörnchen und Joghurt.

Der Fuchs war alt geworden. Beim Streunen durch eine Wiese hörte er einige junge Füchse debattieren - ein besonders wortgewandter prahlte mit seiner Virilität und erklärte den Kumpanen die richtige Art und Weise Jungwild zu reißen. Der alte Fuchs lächelte müde. Ja, so ein unbekümmerter Kerl war auch er einmal gewesen. Dann schlich er weiter. Er hatte versprochen, den Enkeln seines besten Freundes ein paar alte Geschichten zu erzählen. Er würde, so sagte er sich in jenem Moment, wohl ein Kapitel über Gebisserhaltung einflechten.

dfn

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Posted by: decalcification | Mai 9, 2008

Friedensstiftende Religionen ? Ein Buchtipp

Religion und Frieden ? Bitte ? Sinds nicht die Fundis jeglicher Couleur, die dafür verantwortlich sind, dass die Welt so kriegerisch ist, wie an vielen Orten zu besichtigen ? Und geben diese Entwicklungen nicht Wasser auf die Mühlen von Atheistenfundis wie Dawkins, Hitchens et al., für die Religion Quelle allen Übels ist ?

Passen diese Begriffe also überhaupt zusammen ? Oh ja, das tun sie. Ich hatte vor einiger Zeit das Vergnügen, einen Sammelband zu rezensieren, dessen Beiträge dem “ob” und “wie” konstruktiv nachgehen - und dessen Verdienst es u.a. ist, der seit Huntingtons Thesen vom “Kampf der Kulturen” eher pessimistischen Einschätzung des Friedenspotenzials von Religion ein reflektiertes “Ein anderer Zugang ist möglich” entgegenzustellen. Sehr empfehlenswerte weil horizonterweiternde Lektüre ! Die Rezi gibts hier .

pax vobiscum :-)

dfn

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Posted by: decalcification | Mai 7, 2008

Rufus´ Riesenprügel

Auf Umwegen habe ich gerade gesehen, dass der liebe Rufus mir ein dezentes Monsterstöckchen hinterlassen hat. Ich hatte ihn zuvor als Bloggernewbie gefragt, was es mit der Stöckchenkultur auf sich hat und wie sie funktioniert und das ist seine Antwort: eine pädagogisch wertvolle (bei 90 Fragen kommt man gut ins Thema) Einladung, die gleichsam als Initiationsritual fungiert - herzlichen Dank :-) . Nun gut. Implizit habe ich den Löffel ja irgendwie provoziert und daher gehts nun an den Teller:

1. Wie spät ist es?

Exakt 10.01

2. Wie lautet dein Name, so wie er in deiner Geburtsurkunde erscheint?

“Er wird mal ein Pseudonym benutzen”

3. Wie lautet/n dein/e Kosenamen?

Kindheitsname: Itzibert, später hab ich es untersagt

4. Wann hast du Geburtstag?

Wenns nach mir ginge - jeden Tag. Tuts aber nicht, also: im Oktober

5. Geburtsort?

Lich

6. Welche Farbe hat die Hose, die du gerade trägst?

grau-meliert

7. Dein momentaner Lieblingssong?

California Burrito (Chuck Ragan)

8. Was hörst du gerade?

Die Lüftung des Rechenknechtes

9. Lieblingsessen?

Vegetarische Gemüsepfanne “Garam Masala”

10. Was ist das Letzte, das Du gegessen hast?

Entrecote mit angebratenem Gemüse und Olivenpürree gestern beim Griechen, hm :-)

11. Hast du ein Lieblingstier?

Ich mag Katzen ganz gerne

12. Wenn Du ein Buntstift wärst, welche Farbe wärst du?

Ich bin ein Stabilo

13. Wo willst du in Deinen Flitterwochen hin

überleg ich noch

14. Wie ist das Wetter gerade?

sehr fein - mild warm, blauer Himmel (ideal um vorm Rechner sitzend nix davon mitzukriegen)

15. Wer ist die letzte Person, mit der du telefoniert hast?

Mein Bruder

16. Auf was schaust du als erstes beim anderen Geschlecht?

Den Haaransatz

17. Wie geht es dir heute?

gut !

18. Was ist dein Lieblingsgetränk?

Tonic Water

19. Lieblings-alkoholisches-Getränk?

Molinari Sambuca Caffé

20. Bist du gepierct?

nee, nur noch durchlöchert

21. Hast du ein Tattoo?

aller Guten Dinge sind vier

22. Wie isst du ein Hanuta?

Ich mag kein Hanuta

23. Lieblingssport zum zuschauen?

Ich muss zocken, nicht gucken

24. a. Welche CD wirst du dir als nächstes kaufen?

hab ich schon gemacht - Jade Tree Compilation “Location is Everything no 1″

24. b. Welche CD hast Du Dir als letztes gekauft?

ist erst mal Ebbe in der Kasse

25. Welche Augenfarbe hast Du?

strahlendes Blau (wenn ich angestrahlt werde)

26. Trägst du Kontaktlinsen?

nope

27. Geschwister und Alter?

zweimal jünger

28. Letzter Film, den Du geschaut hast?

Last King of Scotland

29. Lieblingstag im ganzen Jahr?

jibbet nich - tendenziell aber Sonntage

30. Bist du zu schüchtern, jemand zum Essen einladen?

nein

31. Schon mal einen Autounfall gehabt?

mehrere kleine

32. Magst du lieber lustige oder gruselige Filme?

lustige

33. Dein Lieblingsfilm?

Mit Fantasie ists auch ein Film: die erste Season von “Flight of the Conchords”

34. Sommer oder Winter?

Sommer

35. Dein liebster Ferienort?

wo ich bin, sind Ferien

36. Umarmung oder Küsse?

eins führt zum anderen

37. Beziehung oder One night stand?

Beziehung - ich mag Substanz

38. a. Warst du schon mal verliebt?

bins gerade sehr ;) .

38. b. Hast du jemals einen Menschen so sehr geliebt, dass er dich zum Weinen gebracht hat?

auch eine aktuelle Erfahrung

39. An welchem Ort möchtest du gerne mal geküsst werden?

alle schon erkundet

40. Dein Lieblings Fast Food Restaurant?

gelegentlich Burger King - gelegentlich !

41. Deine Lieblings-Disco/Kneipe?

bin nicht ortsgebunden: ist Gesellschaft, Mucke und Ambiente gut ists egal wo

42. Wie oft bist du durch die Führerscheinprüpfung gefallen?

NIE

43. Wo siehst du dich in zehn Jahren

als Geschichts- und Politiklehrer mit Visionen für den Ruhestand :-)

44. Von wem war die letzte E-Mail, die du bekommen hast?

habe bei Amazon gerade wieder ein Buch verkauft

45. Bist du jemals für ein Verbrechen bestraft worden?

bin so rechtschaffen - für mich wurde dieses Wort erfunden !

46. Was machst du, wenn du gelangweilt bist?

Langeweile ist nicht meins

47. Welche Phasen sind Typisch für dich?

alle - tagesformabhängig - tendenziell aber: entspannt und wohlgemut

48. Welcher Freund/in wohnt am weitesten entfernt?

im Ausland ist glaub ich keiner - die anderen können mit Tagesreisen erreicht werden

49. Was wäre das Schlimmste, was dir passieren könnte?

mag ich gar nicht drüber nachdenken !

50. Wann ist deine Zu-Bett-Geh-Zeit?

meist so zwölf

51. Was ist im Moment das Beste in deinem Leben für dich?

meine Liebste

52. Schokolade oder Vanille

Karamel !

53. Wie sehr liebst du deinen Job?

Ich respektiere ihn

54. Möchtest du, dass deine Freunde dir antworten?

Jep.

55. In welchem Geschäft würdest du deine Kreditkarte bis aufs Maximum ausreizen?

Buch- und Plattenladen

56. Wer wird am wahrscheinlichsten nicht antworten?

solche Wüstlinge schreibe ich erst gar nicht an

57. Wer wird zuerst eine Antwort auf diese Mail schicken?

ich glaub das Stöckchen bleibt eine Zwei-Mann-Angelegenheit - obwohl…

58. Was machst du gerne?

Leben, Lieben, Lernen

59. Magst Du die Person, die Dir diese Mail geschickt hat?

Frage ich mich mittlerweile (59 !) auch gerade

60. Lieblings-Fernsehprogramm?

Hab keinen Fernseher

61. Wie sieht dein Mousepad aus?

Hab auch kein Mausepad

62. Lieblingsspiel?

uff, Abalone

63. Lieblingszeitung/Zeitschrift?

Frankfurter Rundschau, gelegentlich: Cicero + Rheinischer Merkur

64. Lieblingsduft?

Ich im Sommer

65. Das schlechteste Gefühl?

Angst

66. Das beste Gefühl?

Entspanntheit

67. Lieblingsmusik?

Gitarrenmucke laut und leise (also von Swing Kids über Holly Golightly bis zu Kings of Convenience)

68. Dein erster Gedanke, wenn du am Morgen erwachst?

Ich will nicht Wäsche aufhängen

69. Würdest du in den Big-Brother Container gehen?

Nein.

70. Berg- und Talbahn: Spass oder abscheulich?

Nett.

71. Lebensmotto?

Nö.

72. Welches Buch hast Du zuletzt gelesen?

Robert Misik: Das Kult-Buch. Glanz und Elend der Kommerzkultur

73. Wie würdest du deinen Sohn nennen?

Ambrosius

74. Wie deine Tochter?

Snu

75. Gewitter und Sturm: spannend oder schrecklich?

Im Sommer mitten drin: sehr geil. Im Winter: unnötig

76. Dein erstes Auto?

VW Bully (T2) - mit Freund geteilt (wohnten in derselben Straße)

77. Wenn du jemanden treffen könntest, lebendig oder tot… Wer wäre das?

die Menschen die ich mag, leben alle

78. Lieblingsgedicht?

Kaschmirkrawatte

79. Jungs: Würdest du Ihr deine Jacke geben wenn es kalt ist?

aber natürlich

80. Mädchen: Würdest du seine Jacke nehmen??

klar, wollte immer schon im Gehen Zelten

81. Wenn du die Wahl hättest zu arbeiten, was du willst, was wäre das?

bezahltes Schreiben

82. Was hast du an der Wand in deinem Schlafzimmer?

Buchregale

83. Pepsi oder Coke?

fraglos Pepsi

84. Links- oder Rechtshänder?

Der Arm hängt links

85. Hast du die richtige Fingerstellung?

was ist die richtige Fingerstellung ?

86. Wenn du ein Gartengerät wärst, was würdest du dann sein?

ein Whirlpool

87. Was hast du unter deinem Bett?

monströse Staubballen

88. Deine Glückszahl?

das als 88. Frage ? politisch brisant :-)

89. Dein Sternzeichen?

Waage - was immer das auch heißen mag

90. Lieblingssport?

Badminton, Rad fahren, Schwimmen und Fußball zocken

91. Wie spät ist es jetzt?

10:42 — 41 Minuten, wow - Rufus hat mich unterboten ! Hat aber Spaß gemacht.

Bis demnächst,

dfn

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Posted by: decalcification | Mai 6, 2008

Ein schöner Tag

Es gibt diese Tage, die einfach wundervoll sind, weil sie sich umfassend schön anfühlen und die Freude am Dasein in ungeahnte Dimensionen multiplizieren. Der Sonntag war so einer und weil hier die Sensibilität für das Gute gewertschätzt wird, eine Tagesberichterstattung.

Der Tag begann mit einem inspirierendem Gottesdienst, der inhaltlich die Thematik “Neid” umfasste. Klar, als Christ ist man eingeladen, nicht allzu verkrampft mit Materialismus umzugehen und doch machen die meisten Christen keine Ausnahme, wenn es um das Streben nach Wohlstand, Sicherheit und Konsumgütern geht. In welchem Maße der Konsum über die alltägliche Versorgung mit Gebrauchsgütern hinausgeht, ist ja allgemein bekannt und eingermaßen bewusst praktiziert noch nichts Schlechtes. Wenn aber der Konsum zur Konstitutierung von Identität missbraucht wird, liegen die Dinge im Argen. Zur Bewusstseinsschaffung oder - erweiterung [kleiner Einschub :-) ] sei daher an dieser Stelle jedem Interessierten die Lektüre der brillanten Analyse von Robert Misik ans Herz gelegt, die unter dem Titel “Das Kult-Buch. Glanz und Elend der Kommerzkultur” jüngst bei der Bundeszentrale für politische Bildung als günstige Lizenzausgabe erschien. Hier der Link dazu. Kommerzkultur und Neid befruchten einander ja trefflich. Warum also mitspielen ? Es verweist wahrscheinlich auf den Grad “geistlicher Reife” ob Christen primär damit beschäftigt sind, ein sorgenfreies Leben mit spirituellem Anstrich zu leben - und dabei neidvoll ihre Umwelt beäugen ob sie dabei auch “dem Standard” entsprechen- oder ob sie sich ihrem Glauben gemäß dem biblischen Imperativ verschreiben, (materielle) Dinge eben nur als temporäre Gebrauchsgüter anzusehen. In letzterem liegt auch die Chance, Identität nicht von Dingen und Praktiken abhängig zu machen, die mitunter sklavische Verhaltensweisen forcieren (”ich brauche diesen Ipod aber unbedingt !”). Inspirierender und vor allem sinnvoller ist für mich das Angebot des christlichen Glaubens, Identität immateriell zu konstituieren, auch wenn die Herausforderung besteht, sich unter Umständen jeden Tag neu dafür entscheiden zu müssen.

Derart inspiriert :-) und weil das Wetter wirklich sehr geil war, machten wir danach eine Radtour zu einem der Seen im Umland, ein schöner Wiesenplatz war flugs ausgeguckt und die Decke ausgebreitet. Sehr schön, so dem kommenden Sommer entgegenzublicken, die Liebste im Arm bzw. ich in ihrem, ein Schokokeks in der Hand und ein auszulesendes Buch vor der Nase. Das letzte Kapitel behandelte Fragen der Eschatologie (hey, es ist Sonntag :-) ) und Berger wartete mit einem netten Luther-Zitat auf, dass er der Frage entgegenstellte, was Gott wohl in der Ewigkeit so den ganzen Tag machen würde. Die Antwort: “Gott sitzt unter einem Baum und schnitzt Ruten aus den Zweigen, um damit die Menschen zu verhauen, die sinnlose Fragen stellen” (S. 209). Unser Lachen lenkte die beiden Hunde die nebenan ein herrchengesteuertes Wettschwimmen veranstalteten (wer schnappt das Stöckchen zuerst ?) nur unwesentlich ab.

Da meine Liebste am nächsten Tag Geburtstag hatte, stand für den Abend ein Konzert an (Überraschung) und so machten wir uns am frühen Abend auf den Weg nach Frankfurt, wo im Jazzkeller das “On the Corner Trio” gastierte, an dem Drums mit Jimmy Cobb der ehemalige Drummer von Miles Davis. Es war schon beeindruckend mitzuerleben, mit welcher Fingerfertigkeit und Geschwindigkeit (damit kann man beim Jazz ja meist begeistern ;-) ) dieser fast 80jährige mit den Sticks zauberte. Die Stimmung war gut, der Laden nicht ganz gefüllt, die Band insgesamt nett, aber nicht überragend. Trotzdem ein schönes Konzert. Und das Timing passte: denn als wir wieder zu Hause ankamen, wars kurz vor Zwölf - noch Zeit genug, um den Geburtstagstisch zu gestalten (schönes Ritual ;-) ). Dem liebsten Menschen zum Geburtstag gratulieren zu können ist trotz aller Alltäglichkeit doch ein Privileg, das mit Kuchen und Saft lukullisch verstärkt und mit einigen Geschenken begleitet wurde. Glückselig, zufrieden (all meine Planungen waren gelungen :-) ) und geschafft schleppten wir uns ins Schlafgemach, aus dem wir vor elf auch nicht mehr erwachten.

dfn

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Posted by: decalcification | Mai 2, 2008

Subtil

Das Verhältnis zwischen Brüdern ist bekanntlich nicht immer frei von Spannungen - sie auszuhalten oder auszuagieren daher integraler Bestandteil einer jeden Geschwistersozialisation.

In den Tagen eines länger zurückliegenden Sommers machte ich diese Erfahrung auf charmante Weise. Mein Bruder und ich hatten uns wegen irgendwas gekäbbelt und die Stimmung war gereizt. Es galt, eindeutige Signale zu senden, um dem personalisierten Missfallen Ausdruck zu verleihen. Unser Verhältnis war grundsätzlich ein Gutes, wiewohl durch die klassische Dichotomie “älter - jünger” gekennzeichnet: ich war der Ältere, der gleichzeitig bewundert und verhasst war - folglich auch eine Reibungsfläche für präpubertares Identitätsfindungsgebahren.

Als Reaktion auf die Zwistigkeiten fand ich eines Morgens eine reichlich vergammelte Bananenschale unter meinem Kopfkissen - ohne Worte und auch ohne Ansprechpartner, denn mein Bruder war unterwegs, wahrscheinlich wohlweislich, denn nur so konnte er sich einem Spontan-Gericht entziehen. Dafür lag nun sein Zimmer in meiner Hand, ein kleiner Raum voller Möglichkeiten zur Revanche. Schnelle Blicke durchstreiften das Zimmer. Seine primäre Identifikationsressource war Skateboardfahren - wo sich in einer Ecke die Sammlung zershredderter Boards türmte, stapelten sich in einer anderen die Ausgaben des Trasher-Magazines, welches auch die Hauptquelle für die Poster war, die die Wände fast nahtlos bedeckten. Gesehen, gedacht, getan - flugs war die Bananenschale mit Stecknadeln (die ohne Kopf) befestigt, hinter einem seiner Lieblingsposter verschwunden. Hehe, es würde Tage, wenn nicht gar Wochen dauern, bis er dahinter kam, was in seiner Bettnähe so seltsame Düfte hervorrief.

Da keiner von uns in der alltäglichen Begegnung auch nur ein Wort über die Sache verlor, stieg die Spannung stetig an. Was kam als nächstes ? Wann würde er es merken ? Würde ich einen Gewaltschrei hören (er war sehr penibel was seine Poster und Hygiene anbetraf), gefolgt von einem handgreiflichen Irrwisch-Auftritt ? Jeden Abend suche ich mein Zimmer ab, doch ich fand nichts, was meine Befürchtungen bestätigte.

Ich hatte die Sache fast schon vergessen, als ich mal wieder eine meiner drei Cds hören wollte. Die kürzlich erworbene Stereoanlage war mein Heiligtum und gedankenverloren betätigte ich die musikgenussrelevanten Aktivierungsknöpfe. Der Auswurf des CD-Spielers öffnete sich langsam und präsentierte eine braun-bröselige Bananenschale, die in scheinbar mühevollster Kleinarbeit dem Fach angepasst worden war. Die geile Sau ! Ich musste lauthals loslachen. Er hatte gewonnen. Grinsend beglückwünschte ich ihn beim Abendbrot zum Sieg. Bananenschalen haben wir nie wieder verwendet.

dfn

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Posted by: decalcification | April 28, 2008

Kontraste

Ich hatte auf eine Kleinanzeige reagiert, weil ich mir ein gebrauchtes Notebook anschaffen wollte. Am Telefon schnell einig, traf ich mich mit dem Verkäufer und angekommen am Übergabeort bot sich mir ein skurriles Setting, das an klischeesicherer Dubiosität kaum zu überbieten war. Der Typ sah aus wie der Rapper Massiv, betrieb in einer Innenstadtklitsche ein Callcenter und seine Freundin war ein runtergehungertes Mäuschen, deren Gesamtumfang von einem seiner muskelbepumpten Arme locker verdeckt wurde. Auf ihrem Arm ein Bündel Schoßhund, in seinem Gesicht ein feistes Grinsen. “Ach du Scheiße”, dachte ich so bei mir, “was für Nummern !” Aber ich wollte hier ja nicht anbandeln, auch suchte ich keinen Job (obwohl er mir en passant einen schmackhaft machen wollte), also Vorurteile versenken und Sozialkompetenz beweisen.

Er warf die Maschine an, ich prüfte die Funktionen. Alles in Ordnung. Fast - der Akku war defekt, aber er hatte einen Neuen bestellt, den wir noch nur bei der lokalen UPS-Stelle abholen mussten. Ok, dachte ich, guter Deal, und schob ihm die Kohle rüber, ein wenig zögerlich (waren immerhin 1200,-) wohl, denn ein schallendes “Ach, kann er sisch net vom Fett trenne - komm, her damit !” kam mir entgegen. Grinsend verneinte ich und reichte ihm das Bündel.

Kurze Zeit später saßen wir in seinem Wagen und ich fühlte mich nicht gerade wohl dabei. Stilsicher fuhr der Typ ein ludengetuntes Mercedes-Cabrio. Spoiler überall da, wo sie sein können, Lederausstattung, die Schlappen waren so dick wie der Sound der Boxen, aus dem unorigineller R&B seierte. So cruisten wir durch die Stadt, beschallten unaufgefordert die vorbeitrabenden Passanten, die uns neugierige Blicke zuwarfen. Ein Fels und ein Strich (im Vergleich), er in weiß, ich in schwarz gekleidet. Wir kamen ins Gespräch, weil die Ärmellehne auf meiner Sitzseite aus der Verankerung gerissen war und da sich der Wagen sonst in ziemlich gelecktem Zustand befand, fragte ich nach dem Grund der Kalamität.

Sein Grinsen breitete sich nun vom einen Ende des gegelten Haaransatzes zum anderen aus. “Ach weiste, wenn du dein Girl mal so richtig von hinten nimmst und sie sich mit letzter Kraft an der Lehne festkrallt, kann auch die Wertarbeit von Mercedes nichts ausrichten. Ich mach denen kein Vorwurf !” Ein reaktionsheischender Blick traf mich, doch ich war abgelenkt: Irgendwie gruselte es mich bei dem Gedanken, mir das bildlich vorzustellen, denn der rein massenmäßig körperliche Kontrast zwischen ihm und seiner Freundin ließ sich - gelinde gesagt - mit dem zwischen einem Bobby-Car und einem Traktor vergleichen. Aber egal. “Ok, nett, haha..”, erwiderte ich daher nur kurz.

Die heitere Stimmung kippte etwas, als er mich fragte, wie es mir so gehe und was ich gerade so mache. Weil wenige Wochen zuvor meine Mutter verstorben war und ich gemeinsam mit meinen beiden Brüdern gerade damit beschäftigt, allerhand Formalitäten abzuwickeln, gab ich ihm die entsprechende Antwort. Er verstummte zunächst, dann aber konzentrierten wir uns auf den eigentlichen Grund unserer Begegnung, zumal wir mittlerweile angekommen waren.

Kurz darauf trennten sich unsere Wege, der Rechner war nur ein Stück Ware, denn was hängenblieb, war diese nett gerahmte Koinzidenz von Leben und Tod.

dfn

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Posted by: decalcification | April 23, 2008

Digitales Schlagloch

… ist der Begriff, der mir zu dieser charmanten Spammerfalle einfiel. Schöne Empfehlung für Websitenbetreiber und - wie ich an den tags gerade sehe - Auslöser für die Prägung einer neuen (nur leicht sinnfreien) Steigerungsform für Substantive :-) .

dfn

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Posted by: decalcification | April 19, 2008

Urlaubsmetapher

Mein Arbeitgeber machte kürzlich schon die Umfrage zur Urlaubsplanung für die Sommermonate, was mich hauptsächlich an mein besonderes Verhältnis zum Thema Urlaub erinnerte - denn da ich die letzten zehn Jahre jobbend in Ausbildungskontexten zugegen war, ist der für viele Menschen gängige Jahresurlaub (bzw. für die Privilegierten: die Mehrfachjahresurlaube) schlicht nicht mein Thema gewesen. Mehr oder minder kuriose Themen waren für mich andere :-) .

Aufgrund chronisch knapper Kasse habe ich eher das ganzjährige Einbinden von Wochenendtrips praktiziert und festgestellt: auch mit wenig Tschuckse lässt sich entspannen, etwas sehen und erleben und seien es - damals aufgrund Beihilfe zu einem Umzug - prickelnde Metropolen wie Wernigerode im Harz (schönes Städtchen by the way).

Für diesen Sommer bin ich noch planlos, außer Jack Johnson auf der Loreley steht noch nix an, was in die Richtung Sommergestaltung geht - das Wetter ist hierfür gerade auch nicht wirklich hilfreich, die Kasse schon gar nicht. Verzweiflung darüber ereilt mich nicht, eine Mischung aus Bescheidenheit und Vorfreude auf andere Zeiten trägt mich durch die Tage.

Das Vorfreudeprinzip operationalisiere ich seit einigen Jahren schon mit einer sehr netten Urlaubsmetapher, der Anblick erinnert mich daran, dass der Trip durch Skandinavien in einem alten 245er Volvo Station Wagon irgendwann Wirklichkeit werden wird (falls es im Jahre 3016 noch alte Volvo Kombis gibt). Hier das Bild:

Geschossen mit einer lausigen Polaroidkamera irgendwo in der Wetterau, ich glaub Rosbach wars, stand dieser Amicamper aus den späten 70er Jahren zum Verkauf. Dooferweise konnte ich die 8000,- Eus nicht aufbringen und begnügte mich daher mit den Aufnahmen. Innen mit Velourspolstern ausgeschlagen (leider keine Bilder davon gemacht), sehr gemütlich und wohnlich rüberkommend, das sehr spartanische Cockpit tat dem positiven Eindruck keinen Abbruch, denn äußerst unklobig und ästethisch wertvoll geschnitten (erinnert mich irgendwie an einen alten Datsun) kommt das Pick-Up-artige Gefährt daher.

Die beiden Bilder begleiteten mich durch die Wohnungen der letzten Jahre und stiften, sobald mein Blick sie streift, wohlige Eindrücke und herzenswärmende Vorfreudegedanken, darüberhinaus aber auch die mahnende Erinnerung, meinen Traum auch einmal zu realisieren - woran ich mehr oder weniger intensiv arbeite ;-) .

dfn

PS: Interessierte oder in ähnlicher Lage Vorfreude Praktizierende können diesen Post gerne als Einladung interpretieren, über ihre Strategien und Metaphern zu schreiben - würde mich sehr interessieren darüber zu lesen, ob und wie das andernorts gestaltet wird !

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Posted by: decalcification | April 15, 2008

Nischenblogger - eine Selbstverortung

Vor knapp vier Wochen bin ich ernsthaft in die Blogosphäre eingetaucht (ein vor Jahren bei der Konkurrenz von blogspot unternommener Versuch, der aufgrund ausgeprägter Konzeptlosigkeit aber bald endete, zählt nicht). Zeit also für eine zeitnahe Rückschau und Selbstanalyse. Manche schreiben mit 30 ihre Biografie, ich einen zeitnahen Rückblick :-) .

Meine Ausgangspunkt war bzw. ist noch immer: ich blogge, weil ich drei Dinge mag: Schreiben, Gedanken teilen und etwas Konstruktives tun. Weil das für mich nicht bedeutet, darüber zu schreiben, wie tief Angela Merkels Dekolletee beim Besuch der norwegischen Staatsoper ausgeschnitten war oder wie lange gestern mein Tee gezogen hat - während ich mir die Schuhe zugebunden habe, hat sich schnell die Frequenz des Outputs eingependelt. Jeden Tag fällt mir nix Schreibenswertes ein, also nach dem Lust - und Ideenprinzip vorgehen. Dass ich dabei Posts verzapfe, die die Welt nicht braucht, ist natürlich ein Risiko - die zur Umgehung dieser kreativitätsunförderlichen Wahrnehmung nötigen Scheuklappen hat aber wahrscheinlich jeder bloggende Mensch aufgesteckt, sobald die Finger über die Tastatur huschen - denn das ist ja das Schöne am bloggen: jeder macht sein Ding, im quasi herrschaftsfreien Raum.

Ok, nicht ganz. Nach aufmerksamen Studium der Grundlagenliteratur (einmal dieser und einmal dieser Text) wird deutlich, dass es das Gut Aufmerksamkeit ist - heiß umkämpft und scheinbar kollektiv angestrebt - unter dessen Herrschaft sich der Blogmensch begibt. Also nicht nur Schreiben, sondern fleißig Kommentieren, Trackbacks durch die Welt schicken, wichtige Links setzen und nicht zuletzt Freunde und Verwandte mit der von ihnen wahrscheinlich unbewusst schon ganz kribbelig erwarteten Nachricht konfrontieren, man habe jetzt auch einen Blog. Das hat - je nach Ausrichtung und Zielsetzung - seine Berechtigung und Sinnhaftigkeit. Ich freue mich darüber, wenn die Seitenstatistik anzeigt, dass Menschen gelegten Spuren (i.e. tags) folgen und meinen Kram evtl. sogar lesen (außer die vier Auserwählten, denen ich die URL geschickt habe, fürstliche Bestechungsgelder für ausschweifende Schmausereien zahle und von daher WEIß, dass sie regelmäßig da sind ) - ich schreibe zwar zur eigenen Freude, möchte dabei idealiter aber auch unterhalten oder anregen. Muss ich mich dazu expressis verbis verorten ? Natürlich nicht, aber ich kam auf die Idee, bei gleichzeitigem Erstaunen über Schubladenkompatibilität.

Denn dem o.g. Text von Robert Basic entnahm ich den schönen Begriff des “Nischenbloggers” und der blieb irgendwie hängen. Ich mag daran die Implikation eines altruistisch-bescheidenen Bloggertums - in meiner Interpretation: nicht um jeden Preis sinnfreie Posts raushauen, auf einen gewissen Mehrwert achten (und sei es nur ein Verweis oder Link), mehr als zwei Zeilen veröffentlichen und auch: den Claim abstecken, innerhalb dessen profunde Urteile überhaupt gefällt werden können (daher schweige ich zu vielem ;-) ). All das gewürzt (und die Nischenbloggerdefinition ergänzt) mit einer Prise “understatement” - finden lassen, anstatt zu posen, Spuren legen anstatt Flächen zu füllen, bedächtig statt krachig und pointiert statt langatmig. Deshalb hier auch der Schlusspunkt.

dfn

Nachtrag:

Schlusspunkt hin oder her: nicht unerwähnt bleiben darf auch die Entdecker- und Friemelfreude an der Seite zu basteln, sprich die Sidebar mittels Widgetjonglage so zu justieren, wie andere ihren Wagen tunen (ein Bereich, in dem ich wenig mithalten kann, betreibe diesbezüglich eher Abwärtstuning :-) ) und was auch andere hier im WordPressorbit sympathisch dokumentieren.

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