Seit Monaten schon fahre ich an diesem Stromkasten vorbei und wundere mich darüber, dass dieser – wie sonst oft gesehen – nicht schnell wieder gereinigt wurde. Auf der Suche nach Erklärungen gelangte ich zu
These Nr. 1: Der Verfasser der Botschaft spricht aus des Volkes Herzen und keiner will den Wahrheitsgehalt dieser Aussage wirklich dementieren.
These Nr. 2: Der Verfasser dachte sich: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein bescheuerter Blogger das Gekritzel noch weiter popularisiert und er Weltruhm erlangen würde.
These Nr. 3-X: will ich von dir lesen – stell sie auf !
So schrien es schon die famosen Musikanten von Heroin [clickclicklisten], für mich wars heute der Losspruch nach einer fulminanten Radfahrt. Was war geschehen ?
Nun, ein zwei mal die Woche genieße ich den Luxus, die 30km Wegstrecke von meiner Ausbildungsschule nach Hause per pecko zurückzulegen, ist so schon cool, beim gegenwärtigen Wetter aber fühlt sich das an wie 1,5h Urlaub. Heute jedoch, so ab km10 baute sich hinter mir eine schwarze Wand auf, Blitze zuckten am Horizont, der Donner ließ die Erde erbeben (ein wenig Dramatik muss sein ) und ich trat in die Pedalen wie ein Bekloppter. Vor mir klarer Himmel, hinter mir das Ungemach. Ich grübelte, wie es sich wohl anfühlen würde, vom Blitz erschlagen zu werden, stellte aber schnell fest, dass ich darauf gar keinen Bock hatte. Also treten. Schneller. Immer schneller. War ganz erstaunt, wie schnell ich fahren konnte. Das Gewitter im Nacken, die Strecke vor Augen, nahm ich nichts weiter wahr als das gleichmäßige Surren der Reifen auf asphaltiertem Grund.
Auf einmal erschien neben mir ein älterer Herr. Hatte sich bei irgendeinem Dorf auf den Radweg dazugesellt und fuhr neben mir. Ohne Worte. Hielt das Tempo. Wollte ihn schon fragen, ob er auch vorm Gewitter flüchtete, aber der Fahrtwind war zu laut. Einige Kilometer lieferten wir uns ein sprachloses Kopf an Kopf-Rennen. Er wollte überholen, ich zog mit. Ich trat fester, er tat es auch. Irgendwann bog er ab, verabschiedete sich mit einem oldschooligen “Und tschüss !”.
Kaum zu Hause angekommen, ging der Regen los. Ich gönnte mir meinen eigenen Regen. In warm. Und dosierbar. War zwar nicht das erste Mal Gewitterfluchtfahren, aber dankbar fürs Heil davongekommen sein war ich schon.
“Über die Toten (sprich) nur gut” – in Zeiten unvermeidlicher Postthemen hier ein weiterer Beitrag. Was gibts also zum Tode Michael Jacksons zu sagen ?
Menschlich: ist der Tod für liebende Angehörige wahrscheinlich immer eine Katastrophe.
Künstlerisch: I couldn´t care less. Das Beste was M.J. hervorgebracht hat, ist die Inspiration zu dieser Coverversion:
Ein gewisser “Graf von Wachsmann” fragte mich neulich via Mail, wie es sein könne, dass trotz vielfältiger Musikempfehlungen auf diesen Seiten die größte aller Bands fehlen würde – die Rede ist von den Dead Milkmen, wahrscheinlich die zentrale Heldenband unserer unbekümmerten Jugend. Auf mein Angebot, selbst einen Lobhudelbandartikel für diesen Blog zu schreiben, reagierte er bislang nicht – aber, lieber Graf Minschkaller, kann ja noch werden !!
Wie dem auch sei. Aus unmöglich sinnhaft zu rekonstruierenden Gründen wurde ich kürzlich wieder auf die Band gestoßen. Naja, eigentlich waren sie immer präsent, da sie zentrale Elemente zu meinem ungeheuerlichen Englischsprachwortschatz beitrugen. Dies alles korrelierte mit meiner Wiederentdeckung von spreadshirt, wo sich seit meiner letzten Bestellung vor knapp drei Jahren einiges getan hat.
Um nicht weiter herumzulabern: Es gilt einen großen Song zu ehren, der nicht nur die Kernpunkte einer vernünftigen Ernährung äußerst prägnant zusammenfasst, nein, aufgrund des polysemantischen Potentials einer zentralen Strophe konnte ich gar nicht anders, als ein Bekenntnisshirt zu kreiieren, dass aufgrund seiner Mehrdeutigkeit besticht . Aber zunächst zum Song, hier die Lyrics:
The Dead Milkmen, “Nutrition” [1985]
Now my life is easy
My life ain’t hard
I’m gonna spend all day
In my fuckin’ backyard
I ain’t got no money
Hell, I don’t care
My parents let me use their credit card
I’ve got nowhere to go
Just hang out on the street
My folks say I’ve got no ambition
At least I give a shit
About the stuff I eat
Yeah! I care about nutrition
Tried to get a job
At the retail store
But I could not stand the competition
Now I spend all my time
Hangin’ out at the shore
Givin’ myself a skin condition
I’ve got nowhere to go
Just movin’ on my feet
People say I’ve got no ambition
At least I give a shit
About the stuff I eat
Yeah! I care about nutrition
Sometimes I get upset
When I see on the TV
All them people in this world
That is starvin’
But there’s nothin’ in this world
That could possibly bother me
When I smell the turkey Dad is carvin’
Boy I’m starving
Christ I’m starving!
My folks said
I gotta get myself a job
‘Cause they ain’t gonna support me
Well, if all I am to them
Is just some lazy slob
Why didn’t they abort me?
I guess I’ll just hang out
On Broad and South
Livin’ by my intuition
At least I give a shit
What I put into my mouth
Yeah! I care about nutrition
Nutrition
It’s good for me
Nutrition
I’ve got vitamin C
I care [x3]
I give a healthy shit
And Mom and Dad say if I eat all of my food
I can go to the hard core show and see F.O.D.
Ich finde, man sollte zuweilen auch mal basale Dankbarkeit für scheinbare Selbstverständlichkeiten zum Ausdruck bringen. Für mich im hier und jetzt ist das z.B. die Tatsache, dass mein nunmehr 8 Jahre alter Rechenknecht, den ich vor fünf Jahren gebraucht für 150,- von einem wohlmeinenden Bekannten erwarb, [der einige Jahre zuvor aber ein halbes Vermögen dafür ausgegeben haben muss], hier so jeden Tag seinen mehrstündigen Dienst tut. Hochfahren, [ok: Geduld mitbringen ] , fertig ! Die Zuverlässigkeit der Maschine entbehrt auch galant vom schneller-höher-weiter-Ratrace, von dem ich in einem netten Hirschhausen- Zitat kürzlich hier gelesen habe.
In Gießen gilt es heute nicht nur, für die Zusammensetzung des nächsten EU-Parlaments ein Stimmchen mitabzugeben (meine Wahlempfehlung: Newropeans), nein, auch ein neuer Landrat soll gewählt werden, daneben ist OB-Wahlkampf. Partizipatorische Bürgerpflicht auf ganzer Linie also.
Gerade beim OB-Wahlkampf wurden – hier mal gemessen am häuslichen Flyer-Aufkommen – zwei Arten des Wählerengagements sichtbar. Während sich die Herausforderin Dietlind Grabe-Bolz (naturgemäß) präsenter im Briefkasten zeigte, wähnte sich Amtsinhaber Hans-Peter Haumann scheinbar im Chill-Modus. Keine Flyer, keine Parteizeitungen, keine Infos, nix. DGB hingegen ließ nichts unversucht, heute morgen lagen diese putzigen Einladungen vor der Tür:
Für meine Stimme hätte es das nicht gebraucht, aber aus Sicht des aufmerksamen Bürgers ergibt sich doch ein etwas einseitiges Bild und die Frage(n): Warum hat sich Herr Haumann nicht um meine Stimme bemüht ? Sieht so adäquate Wählermobilisierung aus – entspannt im Status Quo ? Oder haben die CDU-Strategen via Microtargeting schon längst herausgefunden, welcher Wind in unserem Haus weht ?
Ron Erkel PI, darf ich um deine Einschätzungen bitten ?
Die Europawahl 2009 steht an und fleißig werden vielerorts Wahlempfehlungen ausgesprochen und politische Präferenzen diskutiert. Für jene, die sich schon immer gerne bei Phoenix herumtrieben und dort Parlamentsdebatten analysierten, oder einfach alle Interessierten, mag es informativ sein, einen Service des Europäischen Parlaments in Anspruch zu nehmen. Auf EuroparlTV wird am 7. Juni eine Live-Berichterstattung über die Wahl erfolgen. Ab 19.15h, in 22 Sprachen und eingeleitet bzw. begleitet von Debatten zu verschiedenen Themen. Auszug aus dem Programm:
19.30 Debatten:
- 19.30-20.00 Die Wirtschafts- und Finanzkrise
- 20.00-20.30 Soziale Aspekte der Krise. Neubelebung der Wirtschaft.
- 20.40-21.30 Demokratie und Bürgerschaft in der EU. Quo Vadis Europa?
21.35 Wahlbeteiligung: Analysen und Reaktionen
21.40 Die Wahlen aus der Sicht der Erstwähler
21.50 Fokus auf die Wahlen zum Europäischen Parlament in Irland und Deutschland
22.00 Nationale Ergebnisse: Analyse und Reaktionen
22.10 Herausforderungen für die Zukunft: soziales, ökologisches und wirtschaftliches Europa
Ab 22.30 Uhr Zusammensetzung des nächsten Parlaments — Timing TBC
22.40 Zoom auf die Wahlen zum Europäischen Parlament in Polen und Italien
23.00 Pressekonferenz
23.45 Neues Parlament: Reaktionen aus der ganzen EU und Presseschau
Ach so, Zynismus zählt nicht, also hingehen und Stimme abgeben !
“If the gods had intended for people to vote, they would have given us candidates” [Howard Zinn]
Oh ich liebe streifen ! Egal ob vertikal oder horizontal angelegt, wenn es die richtige Farbkombination in der richtigen Anordnung ist, kann ich mich beim Anblick daran stundenlang erfreuen. Da ich dieser Leidenschaft vor allem im Unterwäschebereich fröhne, hat außer einer auserwählten Person und vielleicht einigen traditionell sockenaffinen Menschen davon aber meist niemand etwas . Das wird jetzt anders. Denn eben entdeckte ich beim Stöbern und verwiesen durch diese feine Aktion, moo.com, und hier diese wunderschönen Visitenkartenmuster:
Letzte Woche begleiteten mich mal wieder Shotmaker auf der Fahrt in die Schule. Meine Stimmung war nicht die Beste, und im kuriosen Klangteppich dieser Band zu versinken, eine, wie sich herausstellte, glänzende Idee. Selten ein so genial basslastiges Groovearrangement gehört, dass ich einem Review mal als “amorph” bezeichnete, weil es so minimalistisch drückend und dabei so treffend rüberkommt. Fand auf die Schnelle nur ein passendes Video für einen Eindruck und das geht so: