Posted by: decalcification | Mai 6, 2008

Ein schöner Tag

Es gibt diese Tage, die einfach wundervoll sind, weil sie sich umfassend schön anfühlen und die Freude am Dasein in ungeahnte Dimensionen multiplizieren. Der Sonntag war so einer und weil hier die Sensibilität für das Gute gewertschätzt wird, eine Tagesberichterstattung.

Der Tag begann mit einem inspirierendem Gottesdienst, der inhaltlich die Thematik “Neid” umfasste. Klar, als Christ ist man eingeladen, nicht allzu verkrampft mit Materialismus umzugehen und doch machen die meisten Christen keine Ausnahme, wenn es um das Streben nach Wohlstand, Sicherheit und Konsumgütern geht. In welchem Maße der Konsum über die alltägliche Versorgung mit Gebrauchsgütern hinausgeht, ist ja allgemein bekannt und eingermaßen bewusst praktiziert noch nichts Schlechtes. Wenn aber der Konsum zur Konstitutierung von Identität missbraucht wird, liegen die Dinge im Argen. Zur Bewusstseinsschaffung oder - erweiterung [kleiner Einschub :-) ] sei daher an dieser Stelle jedem Interessierten die Lektüre der brillanten Analyse von Robert Misik ans Herz gelegt, die unter dem Titel “Das Kult-Buch. Glanz und Elend der Kommerzkultur” jüngst bei der Bundeszentrale für politische Bildung als günstige Lizenzausgabe erschien. Hier der Link dazu. Kommerzkultur und Neid befruchten einander ja trefflich. Warum also mitspielen ? Es verweist wahrscheinlich auf den Grad “geistlicher Reife” ob Christen primär damit beschäftigt sind, ein sorgenfreies Leben mit spirituellem Anstrich zu leben - und dabei neidvoll ihre Umwelt beäugen ob sie dabei auch “dem Standard” entsprechen- oder ob sie sich ihrem Glauben gemäß dem biblischen Imperativ verschreiben, (materielle) Dinge eben nur als temporäre Gebrauchsgüter anzusehen. In letzterem liegt auch die Chance, Identität nicht von Dingen und Praktiken abhängig zu machen, die mitunter sklavische Verhaltensweisen forcieren (”ich brauche diesen Ipod aber unbedingt !”). Inspirierender und vor allem sinnvoller ist für mich das Angebot des christlichen Glaubens, Identität immateriell zu konstituieren, auch wenn die Herausforderung besteht, sich unter Umständen jeden Tag neu dafür entscheiden zu müssen.

Derart inspiriert :-) und weil das Wetter wirklich sehr geil war, machten wir danach eine Radtour zu einem der Seen im Umland, ein schöner Wiesenplatz war flugs ausgeguckt und die Decke ausgebreitet. Sehr schön, so dem kommenden Sommer entgegenzublicken, die Liebste im Arm bzw. ich in ihrem, ein Schokokeks in der Hand und ein auszulesendes Buch vor der Nase. Das letzte Kapitel behandelte Fragen der Eschatologie (hey, es ist Sonntag :-) ) und Berger wartete mit einem netten Luther-Zitat auf, dass er der Frage entgegenstellte, was Gott wohl in der Ewigkeit so den ganzen Tag machen würde. Die Antwort: “Gott sitzt unter einem Baum und schnitzt Ruten aus den Zweigen, um damit die Menschen zu verhauen, die sinnlose Fragen stellen” (S. 209). Unser Lachen lenkte die beiden Hunde die nebenan ein herrchengesteuertes Wettschwimmen veranstalteten (wer schnappt das Stöckchen zuerst ?) nur unwesentlich ab.

Da meine Liebste am nächsten Tag Geburtstag hatte, stand für den Abend ein Konzert an (Überraschung) und so machten wir uns am frühen Abend auf den Weg nach Frankfurt, wo im Jazzkeller das “On the Corner Trio” gastierte, an dem Drums mit Jimmy Cobb der ehemalige Drummer von Miles Davis. Es war schon beeindruckend mitzuerleben, mit welcher Fingerfertigkeit und Geschwindigkeit (damit kann man beim Jazz ja meist begeistern ;-) ) dieser fast 80jährige mit den Sticks zauberte. Die Stimmung war gut, der Laden nicht ganz gefüllt, die Band insgesamt nett, aber nicht überragend. Trotzdem ein schönes Konzert. Und das Timing passte: denn als wir wieder zu Hause ankamen, wars kurz vor Zwölf - noch Zeit genug, um den Geburtstagstisch zu gestalten (schönes Ritual ;-) ). Dem liebsten Menschen zum Geburtstag gratulieren zu können ist trotz aller Alltäglichkeit doch ein Privileg, das mit Kuchen und Saft lukullisch verstärkt und mit einigen Geschenken begleitet wurde. Glückselig, zufrieden (all meine Planungen waren gelungen :-) ) und geschafft schleppten wir uns ins Schlafgemach, aus dem wir vor elf auch nicht mehr erwachten.

dfn

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