Es war einmal ein junger Fuchs, den die Natur mit einem anfälligen Zahnwerk ausgestattet hatte. Zur Erhaltung der Substanz trug er aus jugendlicher Unbekümmertheit wenig bei, denn seine Beute konnte er problemlos reißen und Schmerzen tauchten nur dann und wann auf. Bei einer dieser Gelegenheiten suchte er Rat bei einem reisenden Doktor, der ihn warnte: “Füchslein, wenn du so weitermachst, hast du in einigen Jahren keinen einzigen Zahn mehr !” Das erschien dem Fuchs als dezente Übertreibung, aequo animo nahm er diese Ansage zur Kenntnis und zog weiter. Die nächsten Jahre schienen ihm Recht zu geben: keine Schmerzen, keine Zahnausfälle. Die beständigen Warnungen seiner Eltern, doch mal präventiv zu handeln, schlug er in den Wind.
Als er nun erwachsen war, änderte sich dies. Erneut suchte er einen Doktor auf, der ihm in aller Klarheit die Tatsachen offenbarte: “Fuchs, dein Gebiss ist ein einziges Trümmerfeld ! Erstaunlich, wie du damit so lange Zeit deine Häschen vernaschen konntest.” Es folgte eine lange Phase der Restauration. Insgesamt zwanzig Füllungen mussten gemacht oder erneuert werden, es war soviel Arbeit, dass der Doktor machnmal gleich vier oder fünf Zähne auf einmal sanierte. An diesen Tagen konnte der Fuchs nichts essen. Eine Gesichtshälfte war gelähmt und beim Trinken tröpfelte ihm das Wasser auf der betäubten Seite des Mundes wieder heraus. Doch damit nicht genug. Einige Jahre später mussten ganze Zähne ersetzt werden. Der Fuchs kratzte sein Erspartes zusammen, lieh sich Geld von Freunden und investierte Tausende in die Erhaltung seines Gebisses. Einen richtigen Hasen gerissen hatte er schon lange nicht mehr, zu groß war seine Angst, irgendwo in seinem maladen Mundraum könnte etwas abbröckeln oder splittern. Stattdessen gabs Butterhörnchen und Joghurt.
Der Fuchs war alt geworden. Beim Streunen durch eine Wiese hörte er einige junge Füchse debattieren - ein besonders wortgewandter prahlte mit seiner Virilität und erklärte den Kumpanen die richtige Art und Weise Jungwild zu reißen. Der alte Fuchs lächelte müde. Ja, so ein unbekümmerter Kerl war auch er einmal gewesen. Dann schlich er weiter. Er hatte versprochen, den Enkeln seines besten Freundes ein paar alte Geschichten zu erzählen. Er würde, so sagte er sich in jenem Moment, wohl ein Kapitel über Gebisserhaltung einflechten.
dfn
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