Es war eine dieser schwülen Sommernächte und irgendeine Mücke, die sich trotz umfassender Sicherheitsvorkehrungen (Gitter an allen Fenstern) in die Wohnung geschlichen hatte, hielt mich wach. Jedes Mal wenn ich gerade eingeschlafen zu sein glaubte, summte es lautstark an meinem Ohr, ich erschrak und saß kerzengerade im Bett. Dann begann die Jagd. Vier oder fünf Mal ging das so – zog sich über mehrere Stunden, ohne Erfolg – und irgendwann war ich tatsächlich eingeschlafen. Zu früher Stunde erwachte ich, weil mein Arm juckte wie Hulle. Licht an und was sah ich: die Mücke hatte sich wohl ausgiebig an meinem Blut gelabt (gemessen an der Schwellung des Stiches) und saß einigermaßen träge an der Wand. Keine Spur mehr von der Schnelligkeit, mit der sie mich vorher so auf Trab gehalten hatte. Sauer und auch etwas unüberlegt klatschte ich die schon ziemlich durchgenudelte Zeitungsrolle mit voller Wucht an die Wand. Diesmal traf ich: alles was von der Nervsau übrigblieb, war etwas Gebein und ein dezent ekelhafter Blutfleck. Als Triumphator schlief ich ein, als Putze wachte ich wieder auf.
In einer anderen Nacht gewährte ich einer Spinne, die sich im oberen Eck an der Decke über meinem Bett eingenistet hatte, großzügig temporäres Hausrecht. “Wenn du bleibst wo du bist, kannst du mir Gesellschaft leisten”, dachte ich. Doch das war nur vorgeschoben, denn ich war zu faul, ein Glas zu holen, sie einzufangen und nach draußen zu befördern. Gutgläubig schlief ich ein und erwachte nachts, weil ich ein seltsames Gefühl in der Kopfgegend spürte. Licht an und wirklich: entgegen der (ok, einseitigen) Abmachung saß das Tierchen mitten auf meinem Gesicht. Nicht auszudenken wenn sie mir auch noch in dem Mund gekrabbelt wäre. Wütend zerdrückte ich sie der Wand.
Meinen Lieblingsgast traf ich ein paar Tage später, beim nächtlichen Klogang. Tranig schlurfte ich zur Toilette, musste aber kurz vor der Tür Halt machen, weil ein Tausendfüssler meinen Weg passierte. Ich kam mir vor wie an einer Kreuzung. Höflich hielt ich inne und ließ ihn gewähren, neugierig wohin sein Weg ihn führen würde. Während er unter der Tür durchmarschierte, schob ich mich unauffällig an ihr vorbei und beobachtete, mittlerweile auf der sicheren Schüsselinsel sitzend, das Geschehen. Sehr selbstverständlich, so wie andere Leute ihr Auto in der Garage parken, verschwand er in einer offenen Fuge im Bad. Die war mir bis dato gar nicht aufgefallen. Als ich ein wenig in ihr herumstocherte kamen auch noch einige Asseln kurz heraus, grüßten freundlich (so interpretierte ich das zumindest ) und verschwanden wieder. Hier gabs nix zu klatschen oder rauszubringen. Hier musste gedichtet werden. Was ich einige Tage später auch tat. Lebendig einmauern ist zwar eine fiese Mafiamethode, aber seitdem ist Ruhe im Bad. Lediglich eine Babykröte hatte sich seitdem noch mal verirrt (ich glaube im Nachbarhaus gibts einen Teich), aber das war im Frühjahr.
dfn



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