Was für eine schöne Überraschung: da lag gestern, ich kam abgekämpft von einem langen Tag nach Hause, ein kleines Amazon-Päckchen auf der Treppe, der Sticker „Hier macht Ihnen jemand eine Freude“ ließ mich erst grübeln, doch ich kombinierte schnell und trickreich, da begriff ich: ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk ! Und nicht irgendeines ! Nein ! Denn kürzlich erschien die aktuelle Scheibe der Conchords, und wie es in diesem amtlichen Review u.a. hervorgehoben wird – sind die Songs einfach geil
Ein gewisser „Graf von Wachsmann“ fragte mich neulich via Mail, wie es sein könne, dass trotz vielfältiger Musikempfehlungen auf diesen Seiten die größte aller Bands fehlen würde – die Rede ist von den Dead Milkmen, wahrscheinlich die zentrale Heldenband unserer unbekümmerten Jugend. Auf mein Angebot, selbst einen Lobhudelbandartikel für diesen Blog zu schreiben, reagierte er bislang nicht – aber, lieber Graf Minschkaller, kann ja noch werden !!
Wie dem auch sei. Aus unmöglich sinnhaft zu rekonstruierenden Gründen wurde ich kürzlich wieder auf die Band gestoßen. Naja, eigentlich waren sie immer präsent, da sie zentrale Elemente zu meinem ungeheuerlichen Englischsprachwortschatz beitrugen. Dies alles korrelierte mit meiner Wiederentdeckung von spreadshirt, wo sich seit meiner letzten Bestellung vor knapp drei Jahren einiges getan hat.
Um nicht weiter herumzulabern: Es gilt einen großen Song zu ehren, der nicht nur die Kernpunkte einer vernünftigen Ernährung äußerst prägnant zusammenfasst, nein, aufgrund des polysemantischen Potentials einer zentralen Strophe konnte ich gar nicht anders, als ein Bekenntnisshirt zu kreiieren, dass aufgrund seiner Mehrdeutigkeit besticht . Aber zunächst zum Song, hier die Lyrics:
The Dead Milkmen, „Nutrition“ [1985]
Now my life is easy
My life ain’t hard
I’m gonna spend all day
In my fuckin’ backyard
I ain’t got no money
Hell, I don’t care
My parents let me use their credit card
I’ve got nowhere to go
Just hang out on the street
My folks say I’ve got no ambition
At least I give a shit
About the stuff I eat
Yeah! I care about nutrition
Tried to get a job
At the retail store
But I could not stand the competition
Now I spend all my time
Hangin’ out at the shore
Givin’ myself a skin condition
I’ve got nowhere to go
Just movin’ on my feet
People say I’ve got no ambition
At least I give a shit
About the stuff I eat
Yeah! I care about nutrition
Sometimes I get upset
When I see on the TV
All them people in this world
That is starvin’
But there’s nothin’ in this world
That could possibly bother me
When I smell the turkey Dad is carvin’
Boy I’m starving
Christ I’m starving!
My folks said
I gotta get myself a job
‘Cause they ain’t gonna support me
Well, if all I am to them
Is just some lazy slob
Why didn’t they abort me?
I guess I’ll just hang out
On Broad and South
Livin’ by my intuition
At least I give a shit
What I put into my mouth
Yeah! I care about nutrition
Nutrition
It’s good for me
Nutrition
I’ve got vitamin C
I care [x3]
I give a healthy shit
And Mom and Dad say if I eat all of my food
I can go to the hard core show and see F.O.D.
Letzte Woche begleiteten mich mal wieder Shotmaker auf der Fahrt in die Schule. Meine Stimmung war nicht die Beste, und im kuriosen Klangteppich dieser Band zu versinken, eine, wie sich herausstellte, glänzende Idee. Selten ein so genial basslastiges Groovearrangement gehört, dass ich einem Review mal als „amorph“ bezeichnete, weil es so minimalistisch drückend und dabei so treffend rüberkommt. Fand auf die Schnelle nur ein passendes Video für einen Eindruck und das geht so:
Heute: Fundgrubenfunktion. Alter Hut, ich weiß. Aber trotzdem. Da überkommt mich der Backflash, unbedingt mal wieder den Song „Silent Scream“ von Headfirst hören zu wollen, einer kalifornischen Straight Edge Hardcore Band, auf dem Höhepunkt ihres Schaffens Ende der 1980er.
Das Tape ist verlegt, aber es wird ja so schwer nicht sein können, den Song irgendwo nochmal digitalisiert hören zu können. Dachte ich. Natürlich verfügt die Band über das obligatorische – post mortem erstellte – myspace-Profil, doch werden hier nur die Songs des lausigen Spätwerks gefeatured; passendster Kommentar zur entsprechenden LP auf der Seite: „what were you thinking ?“
Der Rest der regulären Recherche liefert auch nur ungeile Ergebnisse, die Blogsuche (von Google) hingegen führte fast direkt zu einer Altperlensammlung namens Suicide City-Milan, wo ein Liebhaber einen kleinen Ressourcenbahnhof legendärer Hardcorebands zusammenstellt, und dazu gehört unter erfahrenen Kritikern auch die den gesuchten Song enthaltende 7″ von Headfirst, ein kleiner Meilenstein des ruppigen Straight-Edge Hardcores.
@milan: thanks for featuring this great stuff ! @ alle anderen: search and enjoy – Hörprobe für „silent scream“ unten rechts-
Die famosen Flight of the Conchords haben es ja mittlerweile zum ehrwürdigen Sub Pop Label geschafft und dort jüngst eine LP veröffentlicht, die alle Songs der ersten Staffel der gleichnamigen Serie enthält – wer die kennt, braucht die LP nicht wirklich, wer nicht, schaue sich nachfolgendes Klassikervideo an und bedenke die Anschaffung der DVD (und dann evtl. der LP), denn die Songs kommen im Kontext der Serie eine Spur besser. Live jedoch auch, wie folgt zu besichtigten (ist wirklich die beste Version des Songs ever -so far-)
Das Phänomen ist wahrscheinlich nicht unbekannt: nach längerer Zeit findet eine CD mal wieder ihren Weg in ein Abspielgerät und geflasht von der Grandiosität des Gehörten genießt man eine schöne Zeit. So geschehen am WoE, als die „Soviet Kitsch“- Scheibe von Regina Spektor mal wieder auftauchte. Auf RS aufmerksam geworden bin ich damals über das famose „Us“, hat was zeitlos Beeindruckendes:
Mittlerweile gibt es einen ganzen Ressourcenbahnhof von Regina Spektor, wo dem geneigten Genießer und der Genießerin die legale Möglichkeit eingeräumt wird, feine Compilations zusammenzuladen: ReSpekt Online.
An anderer Stelle wurde neulich der Sommerhit 2008 gesucht und nachdem ich schon einen Vorschlag abgegeben hatte, fiel mir die Mixed-Cd in die Hände (und dann in den Wechsler), die mich bzw. uns schon letzten Sommer auf Touren durch Deutschland hochgradig erfreut hatte und das besonders aufgrund einer Band, den Satellite Hearts. Deren Sängerin erinnerte mich stellenweise an die frühe Edie Brickell, wobei ihre Stimme aber noch klarer und aufgrund des leichten irischen Akzents auch noch schöner ist.
Also hier der Tip für den All-Time-Sommer-Hit: hör mal „over“ an und genieße eine recht ultimative Cruise-Hymne, ob Sonne oder Platzregen ist fast egal .
Vorgestern hatten wir uns auf den Weg nach Frankfurt [Café Exzess] gemacht, um den sympathischen Chuck Ragan mal live zu erleben. Der Gig war fein und machte größenteils Spaß, was mit dem ersten Opener – Digger Barnes – bereits begann: er trug minimalistische Songs mit Countryanleihen und Americanaflair vor, untermalt von sehr gelungenen visuellen Animationen, die Kompagnon Pencil Quincy mittels Kaleidoskop und Beamer auf die Leinwand warf und die die düster-verschrobenen Stories aus der imaginierten Steppe des amerikanischen mittleren Westens pointiert untermalten bzw. erzählten: Songs zum Film oder vice versa; war bald nicht mehr so klar, aber auch egal, denn es war sehr gut gemacht. Leider hatte er keine CD dabei, nur eine 7″ und ein Tape und weil ich meinen Plattenspieler als Dauerleihgabe seit einigen Jahren entbehre, griff ich auf letzteres zurück – sehr gute Wahl scheinbar, denn nach mehrmaligen Hören und Eintauchen sitze ich nun hier, um inspiriert mal wieder eine Lobhudelei loszuwerden .
Das Tape ist zwar eine Lo-Fi-Aufnahme („Trailer-Tapes“ halt), aber der Charme der Songs ist doch genießbar, außerdem ist das Artwork ein kleiner Augenschmaus und mit nur einer Kopfverrenkung kann auch die Tracklist erfasst werden ! Hörproben gibts aber auch auf der obligatorischen myspace-Seite des Künstlers.
Vielleicht liegts ja am Alter, aber ich mag die mit ruhiger Stimme versehenen Songs (Ausnahmen bestätigen auf dem Tape die Regel), die mir wie eine Mischung aus Johnny Cash (Texte+Plots), Woody Guthrie (musikalischer Minimalismus) und etwas Comforters (melancholisches Americanaflair) rüberkommen und mich in die ruhende Verfassung versetzen, die man im Alter einfach mal braucht.
Ich kann nur sagen: alle Daumen hoch und auskundschaften !