sukzessive entwicklung zum guten

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somnambulsnacking

Oktober 12, 2009 · 4 Kommentare

Seit geraumer Zeit bemerke ich ein sonderbares Phänomen. Des Nachts erwache ich plötzlich, weil ein drängender Toilettengang es gebietet. Doch damit nicht genug. Anschließend und wie Trance schlurfe ich in die Küche, greife mir das Glas mit den (Chilli)-Gummibärchen und stopfe mir eine moderate Handvoll der Bärchen in den Mund. Dann schlurfe ich wieder ins Bett. Manchmal stehe ich wieder auf, der Vorgang wiederholt sich. Am Freitag wachte ich in einem Hotelzimmer auf und suchte Gummibärchen. Gabs aber nicht. Dabei hab ich sie im Traum schon vor mir gesehen. Bin ich komisch ? Snackt nochwer nachts ? Und wenn ja, was ?

Kategorien: short stories

50eus

Mai 29, 2009 · Kommentar schreiben

Neulich hab ich meinen alten Wagen abgemeldet. Nein, nicht wegen des neuen Volkszwangs „Abwrackprämie“, sondern weil er wirklich alt war. Und die Bremsen kaputt, d.h. auf einer Seite nicht mehr da, auf der anderen noch ein wenig. Vorausschauend fahren und mit Kupplung bremsen erschien mir dauerhaft zu nervig.  Für ein halbes Jahr TüV nochmal über 150,- Mäuse zu investieren sinnfrei.  Der Typ in der Werkstatt, der mir kostenlos den Bremsencheck machte, war einer Übernahme nicht abgeneigt. Für 50,-. Irgendwie kurioses Gefühl: für 50,- geht man mal lecker essen, kauft zwei Fachbücher und bekommt noch nicht mal ein anständiges Hemd.

Es folgten die sentimentalen Backflashs. Grausam. Ich hatte den Wagen über zehn Jahre in Besitz, er und meine Email-Adresse bildeten die einzigen Konstanten dieser Dekade. Er ermöglichte großzügiges Autofahren der anderen Art. Und nun trennten sich unsere Wege für immer. Oh Weltschmerz.

Ok, um ehrlich zu sein, war das nur ein Gedanke. Die Ratio obsiegte [wer will schon in einem potentiellen Sarg unterwegs sein ? Da hört die Liebe auf !] und schließlich bin ich auch kein „Men´s Health“-Leser, der Autobesitz als libidinöse Beziehung begreift und die Trennung vom zweitbesten Stück möglicherweise mit einer Todesanzeige und einem Glas Vermouth begehen würde.

Und Fuffi hin oder her, die Zeiten sind hart, ist besser als nichts. Skurril aber das Windemanöver des Werkstattbesitzers, als ich eines Tages aufschlug, ihm den Schlüssel und die Papiere reichte, aber noch eine Quittung haben wollte (wer wusste schon, wo die Möhre irgendwann landen würde ?).  Den Dialog zu kolportieren wird hier aus personenrechtlichen Gründen hinterlassen :-) , am Ende hatten wir beide was wir wollten.

Fröhlich lud ich meine Freundin zum Essen ein.

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the real deal

Februar 10, 2009 · 2 Kommentare

Neulich im PoWi-Seminar illustrierten und diskutierten wir anhand famoser Rollenspiele die Bedingungen gelungener Privatverkäufe. Anschließend war Schotenzeit und jeder gab die ein oder andere Erfahrung zum Thema zum Besten. Mir fiel dabei ein Ebay-Deal ein, der es nachträglich verdient als Story verewigt zu werden. So wars:

3…2… im Sack. Korrekt. Nach harten Kämpfen auf der Zielgerade hatte ich gerade erfolgreich ein Auto ersteigert.  Für 350,-  einen Mitsubishi Lancer Station Wagon mit Allrad. Vor einem Monat frisch TÜV und AU bekommen, das machte mir trotz der angegebenen 300.000 Km Laufleistung Mut, die Kiste noch eine Weile nutzen zu können.

Die Formalitäten waren schnell geklärt, eine Anzahlung überwiesen und schon saß ich im Zug gen Tauberbischofsheim. Der Verkäufer wollte mich am Bahnhof abholen. Entspannt las ich mich durch meine Lektüre, so dass die knapp zweistündige Fahrt eher kurzweilig war. Am Zielort angekommen, schaute ich mich um. Kein Verkäufer. Ich wartete ein Weilchen. Immer noch nichts. Nach einer halben Stunde der erste Anruf. Keiner da. Scheiße. Ein Befürchtungstsunami brach über mich herein. Was wäre wenn ( x hoch 43) ?

Es war ein Samstag im Winter, die Straßen leer, der öffentliche Nahverkehr im Sparmodus, was blieb mir außer einem Fußmarsch ? Da ich keine Karte hatte, keine Passanten antraf, die ich nach dem Weg hätte fragen können, lief ich erstmal drauf los, auf der Suche nach irgendwas Zentralem.  Auf einmal eine Polizeistation. Warum nicht, dachte ich und ging hinein.

„Ach ja, der Herr Soundso, ja DEN kennen wir hier. Warum, wie,  WAS haben sie, über Ebay, ein Auto, bei dem ?“ Ich schmolz innerlich zusammen. Es sah ganz so aus, als hätte ich bis zur Schulter ins Klo gegriffen. So nett der Typ per Mail und Telefon rüberkam, so berüchtigt war er vor Ort für seine zwielichtigen Deals.  „Dann wenigstens seine Adresse ?“ – ganz geschlagen geben wollte ich mich auch nicht, hatte schließlich schon einen Hunderter abgedrückt.

Fast eine geschlagene Stunde kauerte ich vor der Wohnungstür eines eingefallen wirkenden Fachwerkhauses in der Innenstadt.  Übte mich als Mentalmacgywer und entwarf Handlungoptionen – was gar nicht so einfach war, angesichts der Dominanz von worst case – Szenarien, die sich zwangsläufig hinter jeden Hoffnungsschimmer klemmten. Dann der erlösende Anruf. „Sorry, hat noch was gedauert, mussten noch was erledigen, meine Freundin holt dich gleich ab !“

Es fühlte sich nicht gut an. Überhaupt nicht. Wir fuhren in Richtung eines Bauernhofes außerhalb der Stadt.  Ich fragte mich, ob ich noch ganz klar sei, mich darauf einzulassen. Sie wirkte nicht sehr vertrauenserweckend, White Trash – Charme vom Allerfeinsten. Wahrscheinlich würden sie mich ganz klassisch abziehen und mich auf irgendeinem Acker aussetzen. Mein Mißtrauen war so groß, dass mir jedes ihrer Worte wie ein gigantische Verschleierungstaktik vorkam. Sei unbesorgt, die Schlachtbank tut nicht weh. Ich war drauf und dran, mich unter irgendeinem fadenscheinigen Vorwand einfach absetzen zu lassen. Scheiß auf den Hunderter. Mein Leben war mir wichtiger.

Dann die Erlösung. Der Hof, eine Garage, der Wagen ! Es gab ihn wirklich, aufgebockt auf einer Rampe, zwei Typen machten sich noch daran zu schaffen. Metalmucke drang durch die Luft, alles wirkte sehr heruntergekommen. Jahre später sollte ich diese Szene wiedersehen, im Film „Broken Flowers“.  Aber ich war nicht Bill Murray. Ich wollte den Deal abwickeln, ich wollte nicht ohne Auto nach Hause fahren.

Im Haus das Geschäftsgespräch. Vier von ihnen, ich allein aber mit vielen Fragen.  „Ja, sie haben gerade noch was am Katalysator geschweist, ja hier und da gibt es noch ein paar kleine Mängel, aber SONST ist alles in Ordnung !“.  Mehr als drei Mal frage ich nach.

Ich wusste es war falsch, aber irgendwie konnte ich nicht mehr zurück, wollte mir die Niederlage nicht eingestehen. Wollte glauben, dass es sich schon irgendwie richten lassen würde, wenn ich nur wieder in heimischen Gefilden wäre, um die Kiste vor Ort nachgucken zu lassen.  Ich wollte einfach nur noch weg. Schnell.

„Das ist doch Steuerhinterziehung, das kannste vergessen, das mach ich nicht !“ – der sonst eine gewisse Zwielichtigkeit nicht entbehrende Mechaniker war irgendwie verstört.  Am Tag nach der Heimfahrt aus TBB machte der Auspuff drag-car-Geräusche und ich ließ es mal nachsehen. Was war: der Katalysator war an so vielen Stellen regelrecht aufgeplatzt, die drübergezogenen Schweißnähte so zahlreich übereinander gelegt, dass er aussah wie ein aufgegangener Hefekuchen. Von der eigentlichen Funktion mal ganz abgesehen. Der Typ hatte nicht Unrecht.  Er kam aber auch wieder runter, die Aussicht auf ein paar Scheinchen half ihm dabei. Na also.

Ein auffälliges Geräusch mag man kaschieren können, bei einer defekten Zylinderkopfdichtung ist das schon schwieriger. Vor allem, wenn der Wagen stand – im innerstädtischen Straßenverkehr ein nicht seltenes Vorkommnis – gabs gar nichts mehr zu kaschieren.  Die Kiste dampfte und qualmte, eine ganze Kreuzung ging im Nu in dichtem Nebel unter. Fortan hatte ich Angst vor Ampeln. Es war eine Frage der Zeit, bis mich erboste Verkehrsteilnehmer aus dem Wagen zerren, oder eine aufmerksame Streife aus dem Verkehr ziehen würde.  So gings nicht.

Auf meine Anfrage, den Wagen wieder zurückzunehmen, reagierte der Verkäufer erwartungsgemäß stur. Weil der Wagen noch auf seinen Namen angemeldet war, wies ich ihn dezent darauf hin, dass ich ihn nicht abmelden würde, wenn er mir nicht das Geld zurückerstattete.  Angesichts der zahlreichen Mängel, die er mir verschwiegen hatte, ein nur faires Angebot. Allerdings nicht für ihn, der seinerseits damit drohte, den Wagen in diesem Fall als gestohlen zu melden und ihn zur Fahnung auszurufen (mit ebenso dezentem Hinweis, WO man suchen könnte).

Ich erkundigte mich beim lokalem Polizeipräsidium nach der Rechtslage und meinen Handlungsmöglichkeiten, doch leider hatte es sich ausmacgywert: Entweder ich überschrieb die Kiste auf meinen Namen oder ich ließ ihn verschrotten. Schade auch. Nach zwei Monaten Leidenszeit entschied ich mich für Letzteres, beim Schrott gabs immerhin noch einen Fünfziger dafür.

Was blieb mir also  schlussendlich, als wenigstens die Ebay-Bewertung als letzte Bastion der Rachenahme und Warnung zu nutzen ?  Leider war die Bewertungsmöglichkeit seinerzeit nicht so differenziert wie heutzugage, auch ist das Feld mit seinen paar Zeichen definitiv zu KLEIN, wenn man wirklich mal was zu sagen hat.

Ich tat trotzdem mein Bestes und der Typ erdreistete sich tatsächlich, mit „seinem Anwalt“ zu drohen, wenn ich die Bewertung nicht zurücknehmen würde. Ungeheuerlich. Für so Typen sollte es Baumschulenebay geben. Nach einer kurzen aber deutlichen Replik hörte ich nichts mehr von ihm, lebte aber noch einige Wochen mit der Erwartung, ungebetenen Besuch eines gewalttätigen Mobs zu erhalten.

Was blieb ? Ein nicht minder abenteuerliches Nachspiel ! Freunde, die einmal eine ähnlich schlechte Erfahrung mit privatem Autokauf gemacht hatten, übergaben mir eines Tages mit mildem Lächeln einen scheingefüllten Umschlag als „kleine Kompensation“. So klein war die aber gar nicht, sondern deckte fast die kompletten Kosten der missratenen Transaktion.

Halleluja  I thought -  what a weird but nice story to tell !

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die Gnädigen

Oktober 31, 2008 · 3 Kommentare

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich in letzter Zeit soviel Auto fahren muss und daher einige Zeit zum zweckfreien Sinnieren habe, dass mir eine Story einfiel, die mir in der Retrospektive noch absurder erscheint, als damals im Erleben. Worums ging:

Eines Morgens, verträumt stapfte ich die Treppen zur Straße herunter, um dort festzustellen: mein Wagen war weg. Spontanverpeilung ? Irgendwo anders geparkt ? Nach einigen Schreckensminuten war klar: die Kiste ist gestohlen worden. Irgendein Arschloch hatte ihn geknackt und davonbugsiert. Na toll. Also die ganze Leier initiiert: zum zuständigen Polizeipräsidium etc pp.  Nach einigen Tagen der Hinweis: Wagen gefunden und das gar nicht so weit entfernt (Tank war ja auch fast leer und die Nasen hatten vergeblich versucht, den abschließbaren Tankdeckel zu knacken). Dann die große Stunde des Autohauses: nachdem klar war, dass die Versicherung die entstandenen Schäden übernimmt (= EIN Lackkratzer am Schloss) gings in die Vollen: die gesamte Tür wurde neu lackiert, Sicherheitsbügel an die Schlösser montiert, sogar die abhandenen Fußmatten wurden ersetzt, vom zerkratzten Tankdeckel ganz zu schweigen  – in der Zwischenzeit konnte ich zwei der damals neuen VW-Modelle Probefahren, den hässlichen New Beetle aber auch den agilen Bora (auch hässlich, aber eben agil). Nach ein paar Monaten war die Story gegessen und ich fuhr mit meinem neuen Altwagen wieder durch die Gegend. Ein Gedanke begleitete mich dabei fast stetig: wärs nicht ne kluge Idee, ein Lenkradschloss zu kaufen ? Ich entschied mich dagegen, mit klassischer Kismetargumentation (wird ja wohl nur einmal passieren sowas).

Keine gute Idee. Kaum drei Monate später, ich, verträumt stapfte ich die Treppen, ja, die Straße, die Leere, der Wagen, nicht da, hm, kann doch wohl nicht, oder doch ?, gibts doch gar nicht ! Ach nee. Scheiße. Das Schloss ! Hätteste.., Mist. Und dieselbe Leier: beim Polizeipräsidium routiniert: „die Daten müssen sie noch von neulich haben, brauche ich ja wohl nicht alles nochmal zu erzählen“. Die Wartezeit war diesmal länger, denn der Wagen war fast vollgetankt. In der Zwischenzeit: Verschwörungstheorien. Jeder Passant wurde zum zwielichten Mitwisser, wenn nicht gar vermuteten Mittäter. Und überhaupt, was war mit diesen herumlungernden Halbstarken mit Gangsterblick, die mich so seltsam musterten, wenn ich in der Straße SPAZIEREN ging ? Auch der Gedanke, dieselben Täter hatten sich einen Spaß gemacht (erschien mir so ultimativ naheliegend, dass ich das bis heute vermute :-)   ), ließ mich nicht locker. Und ich Idiot war zu geizig, ein lausiges Lenkradschloss… Nach endlosen Wochen dann die Meldung: Ihr Wagen wurde gefunden, kann da und da abgeholt werden.  Immerhin ! Als er wieder generalsaniert vor der Tür stand, überlegte ich allen Ernstens Nachtwachen im Gebüsch zu veranstalten. Ich malte mir aus, wie ich sie auf frischer Tat ertappen, den Slugger in Anschlag und… ok, Charles Bronson ist nicht mein role model, daher ging ich bald zu anderen Szenarien über.. Grundlos,  wie sich zeigte.

Denn eines Tages kam ich wieder die Treppe heruntergeschlendert und sah ein Bild der Verwüstung: in der gesamten Straße waren die parkenden Pkw mit Graffitis besprüht worden, Scheiben waren eingeschlagen, direkt gegenüber stand sogar ein Wagen, auf dessen mit Glasscherben übersähtem Beifahrsitz die Wagenpapiere lagen (der Wagen war also Mitnahmefertig !).  Sehr sehr unglaubig nahm ich zur Kenntnis, dass der einzige Wagen, der diesen Anfall unkreativer (die Graffitis waren wirklich schlecht) Zerstörungswut überlebt hatte, der Meinige war. Verdutzt stieg ich ein und startete in den Tag.

Später sollte ich der Kiste ein kleines Denkmal setzen :-)

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inside a weird mans head

August 4, 2008 · 2 Kommentare

a smoke filled room. torn sofas, pillows and a typewriter. people coming, people leaving. some make use of the typewriter. most don´t. at the end of the day he finds a piece of cardboard. strange things it says. he reads them to himself:

sowhatcanisaybesideswhatalazyfuckIamtakinganyreasonfordoingNOTthethingsIwanted todothismorningwhilelisteningtoillreputeandthinkingaboutmillionsofthingsbutnotreally imjuststonedandforsomereasonimstillwonderingaboutidontknowifyouhavetotellmewhy becauseireallycanexplainitformyselfbutsometimesitdoesntseemtobethatwaybutanyway inthismomentidontcarewhatastupidassholewontlistentoreasonexcitedtosee whereitleads.

„whereitleads“ ? he took a deap breath. he was reminded of something but could not figure it out. he had seen something relating, but where… oh yeah there it was. simple and prosaic the message powerful the visual:

some listened some don´t. he did not know about that guy.

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Sommergäste

Juli 4, 2008 · Kommentar schreiben

Es war eine dieser schwülen Sommernächte und irgendeine Mücke, die sich trotz umfassender Sicherheitsvorkehrungen (Gitter an allen Fenstern) in die Wohnung geschlichen hatte, hielt mich wach. Jedes Mal wenn ich gerade eingeschlafen zu sein glaubte, summte es lautstark an meinem Ohr, ich erschrak und saß kerzengerade im Bett. Dann begann die Jagd. Vier oder fünf Mal ging das so  – zog sich über mehrere Stunden, ohne Erfolg – und irgendwann war ich tatsächlich eingeschlafen.  Zu früher Stunde erwachte ich, weil mein Arm juckte wie Hulle. Licht an und was sah ich: die Mücke hatte sich wohl ausgiebig an meinem Blut gelabt (gemessen an der Schwellung des Stiches) und saß einigermaßen träge an der Wand. Keine Spur mehr von der Schnelligkeit, mit der sie mich vorher so auf Trab gehalten hatte.  Sauer und auch etwas unüberlegt klatschte ich die schon ziemlich durchgenudelte Zeitungsrolle mit voller Wucht an die Wand. Diesmal traf ich: alles was von der Nervsau übrigblieb, war etwas Gebein und ein dezent ekelhafter Blutfleck. Als Triumphator schlief ich ein, als Putze wachte ich wieder auf.

In einer anderen Nacht gewährte ich einer Spinne, die sich im oberen Eck an der Decke über meinem Bett eingenistet hatte, großzügig temporäres Hausrecht. „Wenn du bleibst wo du bist, kannst du mir Gesellschaft leisten“, dachte ich. Doch das war nur vorgeschoben, denn ich war zu faul, ein Glas zu holen, sie einzufangen und nach draußen zu befördern. Gutgläubig schlief ich ein und erwachte nachts, weil ich ein seltsames Gefühl in der Kopfgegend spürte. Licht an und wirklich: entgegen der (ok, einseitigen) Abmachung saß das Tierchen mitten auf meinem Gesicht. Nicht auszudenken wenn sie mir auch noch in dem Mund gekrabbelt wäre. Wütend zerdrückte ich sie der Wand.

Meinen Lieblingsgast traf ich ein paar Tage später, beim nächtlichen Klogang. Tranig schlurfte ich zur Toilette, musste aber kurz vor der Tür Halt machen, weil ein Tausendfüssler meinen Weg passierte.  Ich kam mir vor wie an einer Kreuzung. Höflich hielt ich inne und ließ ihn gewähren, neugierig wohin sein Weg ihn führen würde. Während er unter der Tür durchmarschierte, schob ich mich unauffällig an ihr vorbei und beobachtete, mittlerweile auf der sicheren Schüsselinsel sitzend, das Geschehen. Sehr selbstverständlich, so wie andere Leute ihr Auto in der Garage parken, verschwand er in einer offenen Fuge im Bad. Die war mir bis dato gar nicht aufgefallen.  Als ich ein wenig in ihr herumstocherte kamen auch noch einige Asseln kurz heraus, grüßten freundlich (so interpretierte ich das zumindest ) und verschwanden wieder.  Hier gabs nix zu klatschen oder rauszubringen. Hier musste gedichtet werden. Was ich einige Tage später auch tat. Lebendig einmauern ist zwar eine fiese Mafiamethode, aber seitdem ist Ruhe im Bad. Lediglich eine Babykröte hatte sich seitdem noch mal verirrt (ich glaube im Nachbarhaus gibts einen Teich), aber das war im Frühjahr.

dfn

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Subtil

Mai 2, 2008 · Kommentar schreiben

Das Verhältnis zwischen Brüdern ist bekanntlich nicht immer frei von Spannungen – sie auszuhalten oder auszuagieren daher integraler Bestandteil einer jeden Geschwistersozialisation.

In den Tagen eines länger zurückliegenden Sommers machte ich diese Erfahrung auf charmante Weise. Mein Bruder und ich hatten uns wegen irgendwas gekäbbelt und die Stimmung war gereizt. Es galt, eindeutige Signale zu senden, um dem personalisierten Missfallen Ausdruck zu verleihen. Unser Verhältnis war grundsätzlich ein Gutes, wiewohl durch die klassische Dichotomie „älter – jünger“ gekennzeichnet: ich war der Ältere, der gleichzeitig bewundert und verhasst war – folglich auch eine Reibungsfläche für präpubertares Identitätsfindungsgebahren.

Als Reaktion auf die Zwistigkeiten fand ich eines Morgens eine reichlich vergammelte Bananenschale unter meinem Kopfkissen – ohne Worte und auch ohne Ansprechpartner, denn mein Bruder war unterwegs, wahrscheinlich wohlweislich, denn nur so konnte er sich einem Spontan-Gericht entziehen. Dafür lag nun sein Zimmer in meiner Hand, ein kleiner Raum voller Möglichkeiten zur Revanche. Schnelle Blicke durchstreiften das Zimmer. Seine primäre Identifikationsressource war Skateboardfahren – wo sich in einer Ecke die Sammlung zershredderter Boards türmte, stapelten sich in einer anderen die Ausgaben des Trasher-Magazines, welches auch die Hauptquelle für die Poster war, die die Wände fast nahtlos bedeckten. Gesehen, gedacht, getan – flugs war die Bananenschale mit Stecknadeln (die ohne Kopf) befestigt, hinter einem seiner Lieblingsposter verschwunden. Hehe, es würde Tage, wenn nicht gar Wochen dauern, bis er dahinter kam, was in seiner Bettnähe so seltsame Düfte hervorrief.

Da keiner von uns in der alltäglichen Begegnung auch nur ein Wort über die Sache verlor, stieg die Spannung stetig an. Was kam als nächstes ? Wann würde er es merken ? Würde ich einen Gewaltschrei hören (er war sehr penibel was seine Poster und Hygiene anbetraf), gefolgt von einem handgreiflichen Irrwisch-Auftritt ? Jeden Abend suche ich mein Zimmer ab, doch ich fand nichts, was meine Befürchtungen bestätigte.

Ich hatte die Sache fast schon vergessen, als ich mal wieder eine meiner drei Cds hören wollte. Die kürzlich erworbene Stereoanlage war mein Heiligtum und gedankenverloren betätigte ich die musikgenussrelevanten Aktivierungsknöpfe. Der Auswurf des CD-Spielers öffnete sich langsam und präsentierte eine braun-bröselige Bananenschale, die in scheinbar mühevollster Kleinarbeit dem Fach angepasst worden war. Die geile Sau ! Ich musste lauthals loslachen. Er hatte gewonnen. Grinsend beglückwünschte ich ihn beim Abendbrot zum Sieg. Bananenschalen haben wir nie wieder verwendet.

dfn

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Kontraste

April 28, 2008 · 1 Kommentar

Ich hatte auf eine Kleinanzeige reagiert, weil ich mir ein gebrauchtes Notebook anschaffen wollte. Am Telefon schnell einig, traf ich mich mit dem Verkäufer und angekommen am Übergabeort bot sich mir ein skurriles Setting, das an klischeesicherer Dubiosität kaum zu überbieten war. Der Typ sah aus wie der Rapper Massiv, betrieb in einer Innenstadtklitsche ein Callcenter und seine Freundin war ein runtergehungertes Mäuschen, deren Gesamtumfang von einem seiner muskelbepumpten Arme locker verdeckt wurde. Auf ihrem Arm ein Bündel Schoßhund, in seinem Gesicht ein feistes Grinsen. „Ach du Scheiße“, dachte ich so bei mir, „was für Nummern !“ Aber ich wollte hier ja nicht anbandeln, auch suchte ich keinen Job (obwohl er mir en passant einen schmackhaft machen wollte), also Vorurteile versenken und Sozialkompetenz beweisen.

Er warf die Maschine an, ich prüfte die Funktionen. Alles in Ordnung. Fast – der Akku war defekt, aber er hatte einen Neuen bestellt, den wir noch nur bei der lokalen UPS-Stelle abholen mussten. Ok, dachte ich, guter Deal, und schob ihm die Kohle rüber, ein wenig zögerlich (waren immerhin 1200,-) wohl, denn ein schallendes „Ach, kann er sisch net vom Fett trenne – komm, her damit !“ kam mir entgegen. Grinsend verneinte ich und reichte ihm das Bündel.

Kurze Zeit später saßen wir in seinem Wagen und ich fühlte mich nicht gerade wohl dabei. Stilsicher fuhr der Typ ein ludengetuntes Mercedes-Cabrio. Spoiler überall da, wo sie sein können, Lederausstattung, die Schlappen waren so dick wie der Sound der Boxen, aus dem unorigineller R&B seierte. So cruisten wir durch die Stadt, beschallten unaufgefordert die vorbeitrabenden Passanten, die uns neugierige Blicke zuwarfen. Ein Fels und ein Strich (im Vergleich), er in weiß, ich in schwarz gekleidet. Wir kamen ins Gespräch, weil die Ärmellehne auf meiner Sitzseite aus der Verankerung gerissen war und da sich der Wagen sonst in ziemlich gelecktem Zustand befand, fragte ich nach dem Grund der Kalamität.

Sein Grinsen breitete sich nun vom einen Ende des gegelten Haaransatzes zum anderen aus. „Ach weiste, wenn du dein Girl mal so richtig von hinten nimmst und sie sich mit letzter Kraft an der Lehne festkrallt, kann auch die Wertarbeit von Mercedes nichts ausrichten. Ich mach denen kein Vorwurf !“ Ein reaktionsheischender Blick traf mich, doch ich war abgelenkt: Irgendwie gruselte es mich bei dem Gedanken, mir das bildlich vorzustellen, denn der rein massenmäßig körperliche Kontrast zwischen ihm und seiner Freundin ließ sich – gelinde gesagt – mit dem zwischen einem Bobby-Car und einem Traktor vergleichen. Aber egal. „Ok, nett, haha..“, erwiderte ich daher nur kurz.

Die heitere Stimmung kippte etwas, als er mich fragte, wie es mir so gehe und was ich gerade so mache. Weil wenige Wochen zuvor meine Mutter verstorben war und ich gemeinsam mit meinen beiden Brüdern gerade damit beschäftigt, allerhand Formalitäten abzuwickeln, gab ich ihm die entsprechende Antwort. Er verstummte zunächst, dann aber konzentrierten wir uns auf den eigentlichen Grund unserer Begegnung, zumal wir mittlerweile angekommen waren.

Kurz darauf trennten sich unsere Wege, der Rechner war nur ein Stück Ware, denn was hängenblieb, war diese nett gerahmte Koinzidenz von Leben und Tod.

dfn

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