Der Anlass verborgen, Beteiligte anonymisiert, doch wahrscheinlich der Fall nicht selten passiert. Mich erinnert es an die zahllosen Hilfeposts rechercheungewiefter Schüler, die entweder zu faul oder zu unhell sind, einfach mal ein Lexikon zu benutzen. Daher mit Erlaubnis der Dichterin und unter der Zusicherung, alle möglichen Schmähungen selbstredend hier auszuhalten, der digitale Abdruck, Titel: „Es wird alles ganz böse enden„:
“Jugend forscht” – freut den Horst !
Aber wo forschen sie denn,
unsere Abendlandshoffnungsträger?
Wo lassen die Leute sich bilden
heutzutage – und in welche Gefilden ?
Im WeltWeitWomöglichen , sagen wir “Sumpf”
tummeln sich Weißröckchen, LackLederstrumpf
tagnächtlich und postieren auch allerlei,
Perlen, Kostbarkeiten sind durchaus dabei !
Aaaaaber……….
man sollte sich auch nicht auf alles verlassen,
was wikiweise Knowbodies teilweise verfassen
und darüberhinaus, oh heavens, oh Graus !
Welch’ haarsträubenden Schund dort manche erzählen,
vor, nach oder womöglich beim Zwiebelschälen
- wahrlich grass !
Linksschreibung ist auch nicht jedermanns Sache
(kopiert bloß nicht die Fehler, wie ich sie mache!)
Beyspielsweyse Herr Göthe, der lang leider tot,
rotiert sicher im Grabe, liest er von der Not,
die die Menschheit schwer plagt, weil sein Werk sie nicht kennt
und verzweifelt als erstes zu Twitter rennt:
Männlich oder weiblich , was ist denn nun “Marthe” ? Himmel hilf!
Liest denn keiner mehr Klassik, sieht niemand mal ARTE ?
Und wie eine Horde elektrisierter Bienen
surrt der Bau beim Ausfall der Suchmaschinen.
Wir sind alle bekloppt und ganz furchtbar bescheuert,
wissen nicht mehr, wie man Liebe beteuert,
wenn die mail grad nicht funzt,
ist die Sache verhunzt.
Epic fail ! Und das iPhone will auch nicht – shit! what the f***?!
Eben noch höchst lebendig, wird der User zum Wrack.
*heul * *gnarf* Verzweiflung ! Grosses Gewinsel,
man fühlt sich wie auf der einsamsten Insel.
Womöglich ist morgen schon Weltuntergang
Eine Botschaft per snailmail dauert doch viel zu lang!
Und überhaupt – wer schreibt denn noch Briefe von Hand ? Apocalypse now! Drama, Baby !
sinnfreie posts ich einst mir verbat
nun steht einer an und hat keinen bart
doch die hundert ist voll, welch grund zu dichten
vorher jedoch die vernunft beschwichten
denn wer mag sowas lesen, son unfug und schmarrn
freestyle gehäkelt aus ganz dünnem garn
reihen von worten die letzlich sich reimen
wie uhu auf buhu und becker auf leimen
sag an werter leser ders bis hier hat gelesen
ziehst du nun weiter als wär nichts gewesen ?
oder fügst du an ein paar treffliche zeilen
die zeigen
warum solch dichtkunst ich sollt lass bleiben ?
Wann immer der Drang drängt zu leeren, zu rinnen
sucht man dich auf und genießt es bald drinnen
Die Hosen ganz unten, der Rücken gestreckt
ein Blick über die Schulter, Inspirierendes entdeckt
Ein Buch in den Händen, vergraben der Geist
im Vergessen der Zeit bald die Wohnung vergreist
Die Beine ganz taub, der Körper ganz schlaff
leer und doch voll, der Fokus ist wach
Oh Klobibliothek, wie versüßt du die Stunden
deren Duftwelt dem Olfaktorium nicht munden !
Oh Klobibliothek, wie du namhaft bestückt
das Herz des lesenden Scheißers beglückst !
Dank wordle auch in schön
las just eine bewegende Todesanzeige – bei jüngeren Menschen ists find ich immer etwas bewegender als bei älteren und wenn die Eltern dann noch einige treffende, weil liebevoll bedachte Zeilen hinterlassen, sind die Spontantränen nicht fern – was auch an dem beigefügten Augustinus-Zitat lag, dessen (Mit) teilen überhaupt der Grund für diesen Post ist:
Unsere Toten sind nicht tot.
Sie sind nur abwesend.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Tränen.
Augustinus
Gibt viele tröstende Worte, aber das ist eines der feinsten, die ich bislang gelesen hab (hoffe die Anwendung bleibt mir noch eine Weile erspart !)
Neulich am Seminar und in einer Veranstaltung zur Stimm- und Sprecherziehung wurden die Teilnehmer eingeladen, für die nächste Sitzung die vertretene Fächerkombination im freien Vortrag zu beschreiben, nach dem Schema (in meinem Fall) „PoWi ist…“
Beim Grübeln über einen adäquaten Text stieß ich in meiner Erinnerung auf zwei nette Definitionen, für mich damals bestechend aufgrund der Differenz im deutschen und angelsächsichen Zugang zum Thema. Die erste:
Der moderne Politikbegriff bezieht sich klassischerweise auf jenen gesellschaftlichen Bereich, „in dem die fundamentalen Ordnungs- und Koordinationsprobleme in und zwischen sozialen Verbänden durch verbindliche kollektive Entscheidungen über die Allokation von Gütern, Ressourcen etc. unter dem Einsatz von Macht geregelt werden“ (Jürgen Gebhardt)
Die andere:
Politics: Who Gets What, When, How (Harold D. Lasswell)
Ich mag beide, freue mich aber schon aufs Auswendiglernen der ersten und die sprachliche Einbettung des Rohmaterials in den Fachkontext, Tipps können aber auch gerne hinterlassen werden !
its weird how it forces the homo blogicus to thematize the fact that he has nothing valuable to tell right now and think this constitutes a still likely to be read post.
…gefunden in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Rundschau. Ergibt sich hauptsächlich aus der kongenialen Darstellung eines gewitzten Auftritts des Sportdirektors vom HSV. Aber lies selbst:
In diesem Moment der Enge hielt Dietmar Beiersdorfer die Zeit für gekommen, seinen Fundus an klassischer Bildung zu öffnen. Der Sportdirektor des Hamburger SV stand hinter dem Tribünchen des Ingolstädter Fußballstadions. Eine Traube an Reportern hatte ihn an einem Baugerüst eingekreist und stellte allerhand Fragen zu Themen, über die zu sprechen Beiersdorfer überhaupt keine Lust hatte. Nun sollte er sagen, was man denn Positives für die nun anstehende Prüfung, die Bundesligaeröffnung beim FC Bayern am kommenden Freitag, mitnehmen könne. Jeder wusste, dass es nicht viel mitzunehmen gab aus diesem mühseligen 3:1 des HSV in der ersten DFB-Pokalrunde beim FC Ingolstadt 04.
Beiersdorfer befreite sich mit einem lateinischen Aphorismus: „Ut desint vires tamen est laudanda voluntas“. Mit einem überlegenen Schmunzeln schob der studierte Betriebswirt Beiersdorfer die Übersetzung gleich hinterher: „Auch wenn die Kräfte fehlen, so ist doch der Wille zu loben“. Er meinte den Willen, den die Spieler des HSV aufgebracht hatten, um die Partie nach einer desolaten ersten Hälfte und dem 0:1 zur Pause [...]
Wenn ich ab nächster Woche als Studienreferendar tätig sein werde, ist eine Begleiterscheinung höchstwahrscheinlich unumgänglich: Verbalinjurien mehr oder weniger hoher Güteklassen als intersubjektive Kommunikationsvariante der Schülerschaft. Muss aber auch nicht sein – je nachdem an was für eine Schule ich komme. Falls aber doch, dank xdcd bin ich „vorschockiert“ und gewappnet