Verfasst von: decalcification | Juni 20, 2008

Der Pädagoge

… klopfte neulich in Gestalt meines Nachbarn an der Tür und bat um eine Zigarette für seinen Sohn. Der ist fünf, ein aufgewecktes Kerlchen, das Golf spielt und seit längerem Vorschulenglischkurse besucht - außerdem wächst er zweisprachig auf (tschechisch und deutsch) und nimmt Klavierstunden. Alles ideale Vorraussetzungen, um spätestens mit Zehn eine altkluge schöngeistige Diva abzugeben. Aber egal. Der Knabe hatte desöfteren Menschen beim Rauchen beobachtet, seine Neugier war geweckt. Einer solchen Neugier kann man nun unterschiedlich begegnen, leider zieht die Nummer a la “das ist so ungesund” bei den Schlauen irgendwann nicht mehr. Und warum jahrelang Verbote aussprechen, die Neugier nur weiter nähren und irgendwann während der Pubertät fangen die Knilche dann doch mit dem Qualmen an ? Daher erscheint dezente Brachialprophylaxe als Gebot der Stunde, zumal es hierfür prominente Vorbilder gibt (click image):

Mal sehen wie es ausgeht und ob sich der Vater wirklich überwinden kann. Ich meine: besser kurz gelitten und in frühen Lebensjahren gebrannt, als später die Lebensdekaden abhängig zu verbringen.

dfn

Edit: wie ich gestern erfahren habe, wurde der Versuch wie geplant durchgezogen und bewirkte ähnliche Konsequenz wie bei Calvin - ist vielleicht noch etwas verfrüht, aber festzuhalten bleibt: Brachialprophylaxe rules  ;-) !

Verfasst von: decalcification | Juni 19, 2008

Zitat für immer


One person with a belief is a social power equal to ninety-nine who have only interests.

John Stuart Mill

dfn

Verfasst von: decalcification | Juni 13, 2008

Eine nette Lektüre

Bei hausinternen Aufräumarbeiten und dem Ausmisten kiloschwerer Unterlagenbestände fiel mir eine ältere Hausarbeit in die Hände, deren Korrektur mir seinerzeit einige Schmunzler abverlangte. Das lag vor allem daran, dass die Seminarleiterin auf charmante Weise laut dachte und ihre Anmerkungen entlang den Zeilen meiner Arbeit einen Prozess der (zumindest partiellen) Überzeugung dokumentieren, einer netten Lesereise gleich. Sie hatte mit manchen ihrer kritischen Anmerkungen nicht Unrecht, aber ich mochte die Art, wie sie vorschnell Urteile fällte und dann sukzessive verstummte, weil sie gelegten Spuren nicht gleich auf die Schliche kam.

Es war ein Geschichtsseminar zum aufregenden Thema “Städtebünde im Mittelrheingebiet vom Rheinischen Bund 1254 bis zum großen Städtekrieg 1387/89″ und das spannendste was sich daraus m. E. ableiten ließ, war eine Arbeit zum Thema der “Gottesfrieden” bzw. “Gottesfriedensbewegung”. So spannend Geschichte ist bzw. sein kann, so wenig interessierte mich zahlenverliebte Detailhuberei, ich mag eher Strukturen entdecken.

Hier das Protokoll einer netten Lektüre, wahrscheinlich hatten wir beide etwas davon :-) . Note: zuerst mein Geschreibsel in fett, in Zitatform ihre Anmerkungen.

Hausarbeit zum Thema: “Betrachtungen zur Gottesfriedensbewegung”

das ist recht allgemein; ich ahne, daß Ihnen die rechte Fragestellung fehlt - mal sehen !

Thema der vorliegenden Arbeit ist die Gottesfriedensbewegung im Hochmittelalter.

tja - Sie schreiben aber keinen Handbuchartikel, sondern SOLLTEN eine problemorientierte Hausarbeit schreiben

…Ausführungen zu den behandelten Fragen.. (zu lange ums hier abzutippen)

das sind Fragen/interessenleitende Problemstellungen - aber zu viele für EINE Hausarbeit von 20 Seiten….ich fürchte, mit dieser Multiplizität fehlt ihnen der rote Faden

[Kommentare zu den ersten zwei Seiten, dann reißt die Anmerkungswut ab und setzt erst auf Seite 13 wieder ein, sie war zwischenzeitlich wohl "reingekommen"] :

Momentum der Jahrtausendwende: Geistvolle Spiritualität und Aktivierung des Volkes. [...] Vergleich der Stimmungen der beiden Jahrtausendwenden 1000 und 2000. [...] In der Postmoderne blickte man der Jahrtausendwende 1999/2000 nicht ohne angstvolle Spannung entgegen. Während sich einerseits religiöse Sekten wie auch Anhänger des christlichen Glaubens in Endzeitprophetien ergingen, huldigte ein Großteil der säkularen Welt dem bevorstehenden Zeitensprung auf bezeichnende Art und Weise; die Angst vor Versorgungsengpässen in puncto Strom und Wasser, vielmehr aber noch der befürchtete Meltdown der globalen Informationsnetzwerke elektrisierte die Massen. Die Ängste und Befürchtungen erwiesen sich schließlich als unbegründet, verdeutlichen aber die keineswegs zeitgebundene Affinität des Menschen, sich allgemeinen Stimmungen anzuschließen, hinzugeben und in Irrationalitäten zu verlieren.

das mal als Unterrichtseinheit in der Schule - großartig

Für Gernhuber liegt dabei die wesentliche Bedeutung in der “Aktivierung der Masse, der Einsatz des gesamten Volkskörpers zum Schutze des Friedens”. Und fürwahr, “der Gedanke, dass nicht mehr allein der Herrscher, sondern alle verantwortlich seien für die Schaffung geordneter Zustände, ist von zündender Bedeutung gewesen und hat die größten Umwälzungen mit sich geführt”.

wollen Sie Journalist werden ? Sie schreiben gut und kommen selbst in ihre eigene Stimmung

(bezogen auf “fürwahr” )

Abschlussbemerkung:

gut recherchiert; Augustinus gehört aber nicht zur wiss. Literatur zum Thema. Das Ganze ufert in der Tat ein wenig aus, doch haben sie klug sowohl die Literatur als auch den Ablauf des Seminars aufgearbeitet (lernen Sie also bitte, häufiger Absätze zu machen, es erleichtert das Verfolgen des Gedankenganges). Ich hätte mir allerdings eine auf ein Problem konzentrierte Seminararbeit gewünscht, die dann mehr in dieses Detail - anhand einer QQ - hätte gehen können… 2

:-)

dfn

PS: das Thema “Gottesfriedensbewegung” ist in der Tat nicht unspannend, wens interessiert schicke mir eine Mail, dem schicke ich die Arbeit zu. Für einen ersten Eindruck (kurz aber ok, auch die genannte Literatur), siehe auch Wikipedia.

Verfasst von: decalcification | Juni 12, 2008

Fußball gucken

Es ist ja eine feine Möglichkeit, sich Fußballspiele nicht mehr in toto ansehen zu müssen, sondern bei Bedarf Zusammenschnitte der besten Szenen im Netz zu schauen. Erste Anlaufstelle ist nach wie vor youtube, doch wie ich jüngst feststellte, ist die UEFA dort sehr präsent und fix, wenn es darum geht, Aufnahmen der EM 08 löschen zu lassen. Klar, der eigene “video on demand”-Service (rund 2,- pro Spiel, nicht die Welt) ist in Anschlag gebracht worden, warum da irgendwelche Ausnahmen zulassen ? Ein Allgemeingut derart reglementieren zu wollen ist eine Diskussion für sich, die ich hier aber nicht ausbreiten will.

An dieser Stelle nur eine Netzempfehlung für all jene, denen es ähnlich geht wie mir: nicht alle Spiele sind a priori gucklohnenswert, aber wenn sich diese Annahme a posteriori als falsch herausstellt, ist die Neugier geweckt. Um sie zu stillen hier ein empfehlenswertes Blog.

Viel Spaß !

dfn

Verfasst von: decalcification | Juni 9, 2008

getürmt

vorgestern. in die ecke. die wände hoch und dem himmel entgegen. hm. dabei hab ich nur mal frühjahrsputz gemacht. dfn.

Verfasst von: decalcification | Juni 6, 2008

Amerikanische Politik: meine Lieblingsperspektive

Barack Obama hat es -vielgerühmt und bewundert- vorgemacht: in massiver Weise hat er die jungen Wählerinnen und Wähler der Vereinigten Staaten mobilisiert. Wenn nun der eigentliche Präsidentschaftswahlkampf Fahrt aufnimmt, reagieren amerikanischen Medien gewohnheitsmäßig mit pavlov´schen Reflexen: glimmt irgendwo ein Flämmchen des nächsten Hypes, stürzen sich die Vertreter der Mainstream Media drauf und popularisieren das Thema bis zur Ermüdung. Nun also die jungen Wähler, im Englischen griffig mit “the youth vote” bzw. dem Hyperubrum “youthquake” erfasst.

Statt sich nun mit langwierigen und langweiligen Analysen aufzuhalten, ist es ratsam gleich die erste Adresse für objektive Berichterstattung der amerikanischen Verhältnisse zu konsultieren und das ist bekanntlich die “Daily Show” mit Jon Stewart et al.. Das “Trendspotting”-Feature dieser Show gehört zu den Juwelen und wenn dabei noch das versammelte Korrespondententeam aufläuft, um mit gewohnter Professionalität Themen aufzubereiten, kommen nicht selten Semi-Klassiker heraus. Hier das Feature zum Thema “youth vote” - schauen, informieren + genießen ! Der Link: trendspotting: youthquake

dfn

Verfasst von: decalcification | Juni 5, 2008

Der tägliche Dickmann

Kürzlich hat es mich wieder ereilt: das Bedürfnis nach Dickmann´s. Gut, Schokolade gehört zu meiner täglichen Nahrungsroutine, aber es ist meist irgendwelches Tafelwerk (zwecks verantwortlicher Portionierung), dass ich hierzu heranziehe. Aber dann, so einmal im Jahr, quasi aus dem Nichts, kommt der Appetit auf Dickmann´s. Nicht die kleinen, auch nicht die weißen oder hellbraunen, nein, die großen dunklen Dickmann´s sind der Standard. Dann wird flugs eine Packung gekauft und eine knappe Woche lang die tägliche Dosis Schokofluffberg verspeist. Sowie die Teile nach ein paar Tagen verschwunden sind, versiegt der Flash. Zurück bleibe ich, verwundert über diesen Anfall von trashaffinem Temporärheißhunger. Ok, nicht gänzlich verwundert, eher interessiert. Nämlich daran, ob und wer ähnliche Affinitäten hegt. Daher mache ich ein Stöckchen draus, dass ich mal Daniel gebe (if applicable). Kurz + bündig:

1. Objekt der Temporärbegierde

“Super Dickmann´s in der Frischebox”

2. Warum gerade das ?

Vielleicht weil ich als Kind so erfolgreich die “Schokokusswurfmaschine” auf Straßenfesten beherrschte

3. Was ist so gut daran ?

Geschmack + Mundhaptik: Entfaltung des Schokoschaumgemisches

4. Konsumtechnik ?

erst die Waffel (bäh !), dann die Patsche in zwei Happen

5. Reaktion der Umwelt

Staunen (bin sonst Asket )

6. Wieso nur manchmal ?

bin ja auch nicht jeden Tag auf Straßenfesten

7. Verbesserungsvorschläge

Neuer Name und Slogan: “Super Ulappmos” - “Ulei, sind die Uleiisch !”

dfn

Verfasst von: decalcification | Mai 30, 2008

childhood memories

Kindheit erinnern und Erziehungskompetenz einüben ;-)

schönes WoE !

dfn

Verfasst von: decalcification | Mai 28, 2008

Entdeckung: Digger Barnes

Vorgestern hatten wir uns auf den Weg nach Frankfurt [Café Exzess] gemacht, um den sympathischen Chuck Ragan mal live zu erleben. Der Gig war fein und machte größenteils Spaß, was mit dem ersten Opener - Digger Barnes - bereits begann: er trug minimalistische Songs mit Countryanleihen und Americanaflair vor, untermalt von sehr gelungenen visuellen Animationen, die Kompagnon Pencil Quincy mittels Kaleidoskop und Beamer auf die Leinwand warf und die die düster-verschrobenen Stories aus der imaginierten Steppe des amerikanischen mittleren Westens pointiert untermalten bzw. erzählten: Songs zum Film oder vice versa; war bald nicht mehr so klar, aber auch egal, denn es war sehr gut gemacht. Leider hatte er keine CD dabei, nur eine 7″ und ein Tape und weil ich meinen Plattenspieler als Dauerleihgabe seit einigen Jahren entbehre, griff ich auf letzteres zurück - sehr gute Wahl scheinbar, denn nach mehrmaligen Hören und Eintauchen sitze ich nun hier, um inspiriert mal wieder eine Lobhudelei loszuwerden :-) .

Das Tape ist zwar eine Lo-Fi-Aufnahme (”Trailer-Tapes” halt), aber der Charme der Songs ist doch genießbar, außerdem ist das Artwork ein kleiner Augenschmaus und mit nur einer Kopfverrenkung kann auch die Tracklist erfasst werden ! Hörproben gibts aber auch auf der obligatorischen myspace-Seite des Künstlers.

Vielleicht liegts ja am Alter, aber ich mag die mit ruhiger Stimme versehenen Songs (Ausnahmen bestätigen auf dem Tape die Regel), die mir wie eine Mischung aus Johnny Cash (Texte+Plots), Woody Guthrie (musikalischer Minimalismus) und etwas Comforters (melancholisches Americanaflair) rüberkommen und mich in die ruhende Verfassung versetzen, die man im Alter einfach mal braucht.

Ich kann nur sagen: alle Daumen hoch und auskundschaften !

dfn

Verfasst von: decalcification | Mai 26, 2008

Kuriose Versprecher

Die psychologische Erklärung gilt es irgendwann mal einzuholen, bis dahin sammle ich aber erstmal ein wenig empirisches Material. Aus der -hoffentlich nicht allzu beständigen- Reihe “kuriose Versprecher” hier ein nettes Exemplar, angelegt als Rätsel (die Lösung wird in den nächsten Tagen ergänzt):

Baarbeheinung

bin gespannt !

dfn

« Neuere Artikel - Ältere Posts »

Kategorien