sukzessive entwicklung zum guten

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abgeben. Vom Spenden

Februar 3, 2009 · 6 Kommentare

Es ist mal wieder Monatsanfang, das Konto prall gefüllt und ich weiß gar nicht wohin mit all der Kohle. Schön, dass sich immer wieder Möglichkeiten auftun, hier sinnvoll Abhilfe schaffen zu können. Die Rede ist vom Spenden.

Als Christ lernt man irgendwann die Tradition des „Zehnten“ kennen, also das auf alttestamentarischem Brauch beruhende Abgeben des zehnten Teils seiner Einkünfte. Damit ist seither einiges an Schindluder getrieben worden und auch heute noch leben nicht wenige Institutionen von der Spendenbereitschaft ihrer Anhänger. Entsprechend aktuell ist das Schindluder. Professionell wird Fundraising betrieben, an die Gewissen appelliert (und im Gegenzug monokausal mit zu erwartenden Segnungen argumentiert) und manch einer ist sich auch nicht zu blöd, einen Contest draus zu machen, wie z.b. Rick Warren, der sich mal bei TED hinsetzte und vom „reverse tithing“ schwadronierte: nicht zehn Prozent abgeben, sondern nur zehn Prozent behalten.

Unabhängig von diesen Auswüchsen mag ich die Sensibilisierung fürs Abgeben, die hinter der Grundidee steckt.  Denn so banal wie pathetisch es erscheinen mag, nicht am Geld zu kleben, ist eine freimachende Sache. Es ist ebenso freimachend, für seinen „Einsatz“ nicht irgendeine Belohnung zu erwarten, sei es vom Gott der Wahl oder dem Schicksal jedweder Provenienz. Es fühlt sich einfach gut an, mit altruistischem Gestus (= heute getan, morgen vergessen :-)   ) einen Beitrag zu leisten, sei es als Dank für die Programmierung eines feinen Gadgets wie portableapps oder der Versorgung alter Menschen via FR-Altenhilfe. Oder, oder, oder. Es gibt zahllose Formen von Bedürftigkeit deren Unterstützung sinnvoll erscheinen und das nicht nur an Weihnachten.

Und nein, ich hab kein Weihrauchkännchen auf dem Tisch stehen.  Es ist nur  Monatsanfang.

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the apostate diaries

Januar 26, 2009 · 2 Kommentare

Heute: Der evangelikale Managementwahn

Ich nenne es Anwendungskonflikt. Oder: Die Verjobbung von Glauben. Was ich meine: warum muss Glaube gelebt werden, als handele es sich dabei um eine dem Berufsleben ähnliche Karriere ? Das fromme Pendat zum säkularen „höher-schneller-weiter“ scheint „tiefer-reifer-reicher“ zu sein. Mittel zum Zweck: Immer irgendwohin „wachsen“, immer irgendwas reflektieren, immer Ziele stecken, Pläne machen, Quartalstreffen absolvieren, Agenden abhaken. Erfolgreich sein.  Und ich meine noch nicht mal den simplify-Kram (der aber gut zum Stil passt).

Was ich meine ist die kuriose Diskrepanz zwischen gepredigtem und praktiziertem Glauben. Einerseits das  „Alles aus Gnade“, Nichts muss fürs Heil getan werden. Andererseits: Hey, willkommen im Club. Aus Dankbarkeit nun: Hier dein Plan, deine Aufgaben, und dein Ziel: freimachende Christusähnlichkeit. Wobei: wirklich verstanden und gelebt ist Letztgenanntes wohl das höchste Gut für Anhänger des christlichen Glaubens. Dooferweise erfordert es u.a.  Eigenverantwortung, Zeit, Muße, Geduld, Bescheidenheit und (dissonante) Erfahrungen, um da hin bzw. in die Nähe zu gelangen.

Es erfordert wohl nicht das Lesen evangelikaler amerikanischer Autoren, die aus drei passablen Gedanken ein ganzes Buch mit unnötigem Anekdotengeschwall machen,  sich in Rezensionen gegenseitig lobhudeln und dann als „Bestsellerautoren“  mit exorbitanten Verkaufszahlen und „Autoritäten“ auf diesem oder jenem Gebiet in Deutschland kultisch verehrt oder epigonenhaft nachgeahmt werden.

Es ist auch nicht hilfreich sich vorkauen zu lassen, wie der Tag idealiter gestaltet werden sollte: am besten nur diese oder jene Musik hören, Filme gucken, Bücher lesen etc. pp.  – denn das führt nicht zu freigewordenen Persönlichkeiten, sondern zur Abnutzung und Banalisierung von eigentlich Wertvollem („Was, Jesu Tod am Kreuz…klar, normal, tausendmal gehört, außerdem hier hängt er doch am Spiegel“) und zu Systemkonformität. Die hat einige Nebeneffekte, einer davon ist das Schmieren des Getriebes: Wo Menschen „auf Gott hören“ wollen, ist zwei Tage später die Entscheidung gefällt (= Gott hats gezeigt), wo händeringend Mitarbeiter gesucht werden, erklärt sich nach Wochen des Anmahnens und der Beschwerde jemand bereit (= Gott hat ihn berufen).

Auf der Strecke bleiben Leute  wie die Freunde mit denen ich am WoE sprach und die mich zu diesem Post inspiriert haben: Menschen, die sich wundern, dass Entscheidungen im Gemeindekontext nachträglich und zeitnah „gottessanktioniert“ werden (ob diese oder jene Aktion wirklich „Gottes Wille“ war, bleibt offen); Menschen, die sich fragen, ob Gottes Wege wirklich in haarklein ausgearbeitete Gemeindeprogramme passen, die  keinen Raum für spontane Ereignisse oder Entwicklungen lassen, weil sich das Management der Gemeinde (vielleicht selber gefangen im Kosmos der christlichen Unternehmensliteratur) schon auf den nächsten 5-Jahres-Plan festgelegt hat und eigentlich nur noch nickende Köpfe sehen, aber keine kritischen Stimmen hören will. Menschen, die sich wundern, dass nur dieses oder jenes Verhalten wirkliche „Glaubensleistungen“ konstituiert und für Akzeptanz innerhalb der Gemeinschaft sorgt (die trotz des Imperativs von der Gleichheit vor Gott auch nicht die üblichen Klassenschranken von Status, Bildung, Einkommen und Prestige überwindet).

Schlussendlich tapfere Menschen, weil sie bleiben unds trotzdem versuchen. Denn es hat Jahre gedauert, bis mancherorts die „amerikanischen Verhältnisse“ (erfolgreiche Gemeinde = möglichst große und perfekt organisierte Gemeinde) eingezogen sind, warum sollen in ein paar Jahren die Köpfe nicht wieder freier geworden sein ?

Kategorien: Religion · the apostate diaries
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religiöse humorbegabung

November 7, 2008 · 2 Kommentare

schade, dass es hierzulande nicht diese netten Displays gibt !

schönes WoE !

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Prinzipientreue

April 11, 2008 · Kommentar schreiben

Prinzipien sind eine feine Sache – sie grundieren uns im Alltag, geben Orientierung und Halt und strahlen unter Umständen auch auf unsere Umwelt ab, positiv wie negativ. Das gilt natürlich auch für Christen. Dieser Bruder macht vor, was es heißt, prinzipiengeleitet zu leben [ gelesen bei Streetgirl ] :

Religiös

Der Kunde gestern war nicht weiter erwähnenswert, abgesehen von seiner Begründung für die Terminwahl:

 

„Eigentlich wollte ich Dich schon seit Tagen mal wieder einladen, aber es passte irgendwie nie. In der Woche hatte ich jede Menge Arbeit und am Samstag kam die ganze Familie bis zum Montag. Blieb nur der Karfreitag, aber ich bin sehr religiös und an dem Tag eine Sünde zu begehen, an dem Jesus mit Christus gekreuzt (sic !) wurde, das ging einfach nicht.“

Nun geht es mir nicht darum, „den ersten Stein zu werfen“ (der Typ bräuchte eher Gespräche als Steine), vielmehr finde ich den zur Schau gestellten Pragmatismus im Umgang mit Sünde beachtenswert und die Story deshalb zitationswürdig. Das Beispiel ist einigermaßen drastisch, ich weiß, und auch die von der (wahrscheinlichen) Unehrlichkeit betroffene Familie ist in keiner beneidenswerten Lage. Um ehrlich zu sein, kann ich bei solchen Heuchlern nicht verstehen, warum sie nicht so konsequent sind und Singles bleiben (ich ahne warum sies meist nicht tun, wünschenswert wäre es aber doch).

Aber die Story ist exemplarisch für die egozentrische Interpretation eines (Glaubens)-Prinzips, wie es gerade der christliche Glaube ermöglicht: jede Sünde kann vergeben werden (außer die wider den Heiligen Geist, vgl. Matthäus 12,31), die „Gnade ist jeden Tag neu“ und ich schätze mal, der ehrliche und reflektierte Christenmensch weiß um seinen eigenen Pragmatismus im Umgang mit Sünde sehr genau Bescheid, zumindest wünsche ich ihm/ihr dies, weil es bigottes und unnötiges Pharisäertum unterbinden kann. Damit will ich das obige Verhalten nicht gutheißen (adäquate Reaktion ist doch ein verwundertes: „wie abgefeimt kann man Christ sein ?“), aber die Story fungierte doch als Reminder für das o.g. Prinzip.

Allerdings sollte unser Nachfolgeverständnis auch nicht davon geprägt sein, Sünde dauerhaft in unserem Alltagsverhalten zu institutionalisieren, so dass ich dem Menschen unbekannterweise auch nur zuschreiben kann: Repent, brother ! Denn wie heißt es so schön in einem anderen Kontext (aber mit paradigmatischem Charakter): „Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige fortan nicht mehr.“ (Johannes 8,11).

„Repentance is a grace of God´s Spirit whereby a sinner is inwardly humbled and visibly reformed“ [Thomas J. Watson, Sr.]

Mit dem Wort zum Sonntag schon am Freitag,

 

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Religion nur für Schwache ?

März 28, 2008 · 2 Kommentare

Im Jahre 1993 hörte ich das Demotape einer deutschen Punkrockband, das auf einiges Potenzial schließen ließ. Die Band hieß Muff Potter. Zwischenzeitlich nicht weiter verfolgt, entdecke ich kürzlich – 15 Jahre später – die aktuelle Scheibe als Sonderangebot (2,- !) an der Kasse eines Elektrofachgeschäftes – die hatten wohl ihr Klientel falsch eingeschätzt. Für mich ein witziger Backflash, also Scheibe eingepackt und losgehört – Gesamteindruck: ganz geil. Klar haben die Texte zuweilen etwas pathetisches (mit ner Flasche Absolut im Fotoautomat sitzen), aber ok, jedem seine Lebenswelt, zumal die klugen Zeilen dominieren. Eine Songzeile blieb aber doch hängen, entnommen dem Song das seh ich erst wenn ich´s glaube, in dem es heißt „für die Schwachen gibt es Regeln, für die Schwächsten Religion“.

Nun kann man die Provokationseinladung einfach annehmen und angepisst darüber referieren, warum man als religiöser Mensch nicht „schwach“ ist. Oder aber – sine ira et studio – das Argument aufnehmen und diskutieren, warum Schwäche keine Motivation für religiösen Glauben darstellen kann bzw. nicht darstellen sollte. Solch ein Versuch wird hier unternommen (aus christlicher Perspektive).

Die o.g. Zeile erinnert mich an das klassische Argument, Religion diene allein der Kontingenzbewältigung, also der Bewältigung von Zufälligkeit (z.b. menschlichen Erfolgs oder Misserfolgs, des Todes, Krisen etc.), die uns trotz aller Kontrolle und umfassend praktizierter Risikominimierung immer wieder ereilt und ratlos macht. Wenn bestehende Sinnangebote (z.b. Selbstverwirklichung, Konsum bzw. Konsumkritik) nicht mehr greifen, entsteht u.U. das Bedürfnis nach „etwas höherem“, einer wohlmeinenden übergeordneten Instanz. Mit etwas globalerem Fokus formulierte es Jürgen Habermas in einem Dialog [S.27] mit dem damaligen Kardinal Josef Ratzinger wie folgt: „[...] so trifft das Theorem, dass einer zerknirschten Moderne nur noch die religiöse Ausrichtung auf einen transzendeten Bezugspunkt aus der Sackgasse verhelfen könne, auch heute wieder auf Resonanz.“

Religion nur als „Notnagel“ für die Daseinbewältigung zu betrachten lenkt jedoch davon ab auch zu gewichten, welchen Herausforderungen sich der Gläubige aussetzt, wenn er sich dazu entschließt, seine Welt durch den Glaubenswinkel zu konstruieren. Denn er bewegt sich in einem nicht unbedeutenden Maße auf den „Nachtseiten der Vernunft“, wie es der Theologe Friedrich Wilhelm Graf einmal sehr treffend ausgedrückt hat. Dazu gehört, dass eben nicht auf alle Fragen Antworten erfolgen und daraus resultierend auch nicht wirklich eine Erleichterung der Alltagsbewältigung. Vielmehr gehört dazu ein ganz neues Spektrum an Herausforderungen und wäre nicht die alle innerweltlichen Anstrengungen rechtfertigende Jenseitshoffnung, stellt sich die banale Frage, warum man sich überhaupt einen solchen Stress machen sollte. Sich zu reinem Gutmenschentum inspirieren zu lassen gelingt auch ohne Religion. Die Alltagsbewältigung ebenso, da fast immer zwischen einer Sachebene (die der rationalen Erklärungen) und der Deutungsebene (die der religiösen Interpretation) unterschieden werden kann – und manches Mal ist es gar hilfreicher, es bei ersterer bewenden zu lassen (man denke nur an die Thematik der Theodizee).

Solche und andere Zweifel und Ungereimheiten auszuhalten erfordert ein gehöriges Maß an Stärke und Selbstreflexionsfähigkeit, auch Einsichten und Demut. Ist man bereit dies aufzubringen, bietet der christliche Glaube in der Summe ein überzeugendes Deutungsangebot und erscheint mir als sinnvollste Entscheidung zur Rahmung und Ausrichtung von Leben. Schwachheit hat darin seinen berechtigten und auch gewünschten Platz, jedoch sollte die gelebte Schwachheit im wachen Bewusstsein von Mündigkeit verankert sein – sonst drohen die Rattenfänger.

„Life is a battle between faith and reason in which each feeds upon the other, drawing sustenance from it and destroying it.” Reinhold Niebuhr

 

Kategorien: Alltag · Religion
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