Gehört ja irgendwie integral zum Schulalltag dazu: wie ist die Lehrkraft gekleidet ? Laut Hörensagenumfragen ist „gute Kleidung“ unter den Top 4 von Schülerwünschen (neben so Sachen wie „Verbindlich“, „Kompetent“, Humorvoll“) zu finden und das ist ja auch verständlich. Je nach Unterrichtsform hat das Schülerauge 45 oder 90min Zeit, mehr oder weniger gelungene Kombinationen zu goutieren und wahrscheinlich hat jeder so seine Klassiker der gelungenen Klogriffe. Meiner ist ein ehemaliger Mathelehrer, der seinen voluminösen Oberkörper beständig in ausgewaschene Fruit of the Loom – Pullis zwängte, die seine massigen Proportionen eher mindererotisch zur Geltung brachten: das Ganze sah aus, als hätte man dem Michelin-Männchen ein Puppenhemdchen übergestreift. Aber egal.
Denn wie ich so jüngst feststellte, bewirkt diese Tradition auch gewisse Freiheiten – bewusst gewagte Kombis (z.b. braune Schuhe, grüne Cordhosen, Ringelpullis mit Khakiton) lassen sich mit Pret-a-Porter mäßiger Eleganz tragen, wenn man weiß: Adel verpflichtet. Angesichts der jüngeren Generationen von Lehrkräften, die den Schülern in Sachen Hipness oftmals einen Schritt voraus sind, brauchts doch die Relikte, die dann und wann signalisieren: Die Legende lebt ! Und schon die Kleinen sind mehr oder weniger gewiefte Kenner: in einer 6. Klasse wurde mein grünes Cordsakko mit süßfrechem Blick und einem „hey, schickes Jackett“ quittiert, während eine Mitschülerin nur fragte, „wieso tragen Sie heute eine Jacke ?“ (mir war kalt).
A propos Kälte: Freue mich schon auf dem Sommer, wenn ich mittels WordPress-Shirt die zentraldidaktischen „W“-Fragen bauchspannend antizipiere, denn nicht so offentsichtliche Rätsel („wie kann man nur so rumlaufen ?!“) sind immer noch die Besten !


