Nischenblogger – eine Selbstverortung

Vor knapp vier Wochen bin ich ernsthaft in die Blogosphäre eingetaucht (ein vor Jahren bei der Konkurrenz von blogspot unternommener Versuch, der aufgrund ausgeprägter Konzeptlosigkeit aber bald endete, zählt nicht). Zeit also für eine zeitnahe Rückschau und Selbstanalyse. Manche schreiben mit 30 ihre Biografie, ich einen zeitnahen Rückblick🙂 .

Meine Ausgangspunkt war bzw. ist noch immer: ich blogge, weil ich drei Dinge mag: Schreiben, Gedanken teilen und etwas Konstruktives tun. Weil das für mich nicht bedeutet, darüber zu schreiben, wie tief Angela Merkels Dekolletee beim Besuch der norwegischen Staatsoper ausgeschnitten war oder wie lange gestern mein Tee gezogen hat – während ich mir die Schuhe zugebunden habe, hat sich schnell die Frequenz des Outputs eingependelt. Jeden Tag fällt mir nix Schreibenswertes ein, also nach dem Lust – und Ideenprinzip vorgehen. Dass ich dabei Posts verzapfe, die die Welt nicht braucht, ist natürlich ein Risiko – die zur Umgehung dieser kreativitätsunförderlichen Wahrnehmung nötigen Scheuklappen hat aber wahrscheinlich jeder bloggende Mensch aufgesteckt, sobald die Finger über die Tastatur huschen – denn das ist ja das Schöne am bloggen: jeder macht sein Ding, im quasi herrschaftsfreien Raum.

Ok, nicht ganz. Nach aufmerksamen Studium der Grundlagenliteratur (einmal dieser und einmal dieser Text) wird deutlich, dass es das Gut Aufmerksamkeit ist – heiß umkämpft und scheinbar kollektiv angestrebt – unter dessen Herrschaft sich der Blogmensch begibt. Also nicht nur Schreiben, sondern fleißig Kommentieren, Trackbacks durch die Welt schicken, wichtige Links setzen und nicht zuletzt Freunde und Verwandte mit der von ihnen wahrscheinlich unbewusst schon ganz kribbelig erwarteten Nachricht konfrontieren, man habe jetzt auch einen Blog. Das hat – je nach Ausrichtung und Zielsetzung – seine Berechtigung und Sinnhaftigkeit. Ich freue mich darüber, wenn die Seitenstatistik anzeigt, dass Menschen gelegten Spuren (i.e. tags) folgen und meinen Kram evtl. sogar lesen (außer die vier Auserwählten, denen ich die URL geschickt habe, fürstliche Bestechungsgelder für ausschweifende Schmausereien zahle und von daher WEIß, dass sie regelmäßig da sind ) – ich schreibe zwar zur eigenen Freude, möchte dabei idealiter aber auch unterhalten oder anregen. Muss ich mich dazu expressis verbis verorten ? Natürlich nicht, aber ich kam auf die Idee, bei gleichzeitigem Erstaunen über Schubladenkompatibilität.

Denn dem o.g. Text von Robert Basic entnahm ich den schönen Begriff des „Nischenbloggers“ und der blieb irgendwie hängen. Ich mag daran die Implikation eines altruistisch-bescheidenen Bloggertums – in meiner Interpretation: nicht um jeden Preis sinnfreie Posts raushauen, auf einen gewissen Mehrwert achten (und sei es nur ein Verweis oder Link), mehr als zwei Zeilen veröffentlichen und auch: den Claim abstecken, innerhalb dessen profunde Urteile überhaupt gefällt werden können (daher schweige ich zu vielem😉 ). All das gewürzt (und die Nischenbloggerdefinition ergänzt) mit einer Prise „understatement“ – finden lassen, anstatt zu posen, Spuren legen anstatt Flächen zu füllen, bedächtig statt krachig und pointiert statt langatmig. Deshalb hier auch der Schlusspunkt.

4 Antworten zu “Nischenblogger – eine Selbstverortung

  1. Sehr hübsch formuliert. Besonders die Herrschaft der Aufmerksamkeit über den bloggenden Menschen. Die Geister die ich über die Tastur rief, wie mag ich sie nur zu meinen Dienern machen und nicht zu meinem Herrn? Schwierig, schwierig … Viel Erfolg!

  2. stimmt, stimmt – ich glaub man kann sich dem auch gar nicht vollends entziehen. mein versuch ist ja auch nur, es nicht ausarten zu lassen, d.h. um jeden preis und irgendwie „bekannt“ zu werden – ist aber schön gelesen und kommentiert zu werden, daher:

    danke dafür !

  3. Die Spur war gut gelegt, habe Dein Blog über die Blogbibliothek gefunden…
    Ich werde mich etwas umsehen – das bisher Gelesene gefällt mir sehr gut.
    Grüsse,
    Jean-Paul

  4. Hm, war SO zwar nicht intendiert – aber herzlichen Dank für das Feedback ! Grüße zurück !

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