Kundenzufriedenheit

Als wandelndes Zahnsanierungsprojekt (ein erfahrungssatter Prophylaxetext für Kinder ist jüngst auf diesen Seiten erschienen) bin ich natürlich ein Freudenquell meines Zahnarztes. Hobbies finanzieren, Urlaube bequemlichen, Fixkosten decken, Arbeitsplätze sichern – I contribute.

Doch die Spontanfreuden sind andere: „Ahh, Eine hübscher als die Andere, na, haben Sie heute schon ihr Vitamin A genommen ?“, begrüßte er kürzlich seine weibliche Belegschaft. Der coole Hund. Als Reaktion auf meine kühne Anfrage, ob personifizierter Augenschmaus ein zentrales Einstellungskriterium in diesen Hallen sei, erntete ich einen Knuff in den Arm. Den konnte ich natürlich wegstecken, denn meine Arme sind nicht mal ein Drittel so anfällig wie mein Gesichtssteinbruch. Aber auf sich sitzen lassen konnte er es dann doch nicht.

Ich hatte es mir im Behandlungssitz aus diesem körperschmeichelnden Hartleder gerade bequem gemacht, die Sabberserviette angelegt und harrte der Dinge, da hallte die verspätete Replik durch die Praxisräume: „Ach, der Herr L. kommt doch nur wegen Ihnen so oft hier vorbei !“. Angesichts der jüngst abgeschlossenen – rund 700,- Tacken teuren – Behandlung nickte ich einer geschmeichelten Angestellten kurz zu und rief zurück: „Ist ja auch nur unwesentlich teurer als ein Date !“. „Hey, hier bekommen Sie einen Espresso, da müssen Sie einen ausgeben !“, kam es retour. „Für Ihre Tarife kann ich drei Jahre lang Espresso trinken“ schloss ich ab. Ich spürte einen Hauch gegenseitiger Sympathie. Vielleicht wars aber auch nur Einbildung.

Schließlich kam er rein und berichtete davon, wie schwer es an jenem Morgen war, sich von der sonnenbefluteten Couch und Bob Dylans Unplugged-Aufnahmen zu trennen. Die Sympathie wuchs. Natürlich kannte ich Dylan, mag ihn sogar ganz gerne – die alten Aufnahmen zumindest – empfahl ihm aber trotzdem die aktuelle Jack Johnson-Scheibe (das schöne Wetter inspirierte mich). Die nachfolgende Behandlung verlief kurz, schmerzlos und erfolgreich. Zufrieden verabschiedete ich mich: „Ok, dann bis in drei Jahren !“ – „Ja, aber dann mit zehn Implantaten !“ Halodri.

Am späten Nachmittag klingelte das Telefon: „Ja, Hallo Herr L., Praxis Dr. G., sie hatten doch vorhin eine CD erwähnt, können Sie mir den Titel nochmal durchgeben ?“ Was für eine nette Praxis.

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