Der Rookie und der Routinier

Als taufrischer Studienreferendar widmet man den anfänglichen Löwenanteil der Schulzeit bekanntlich dem Hospitieren. Dabei sitzt man zunächst im Kollegium auf der Lauer, lässt sich Kolleginnen und Kollegen mit Namen und Fächerkombi zeigen, wanzt sich an diese dann heran wie Signal-Vertreter an Beamte auf Probe und füllt mit Glück einen Stundenplan. In der Folgezeit wird dann Unterricht angeschaut und mit gefährlichem Halbwisen (me🙂 ) Lehrkräfte, Leistungsniveau der Schülerschaft und andere Facetten des Unterrichtsgeschehens evaluiert. Zwei nette -ich mochte den Kontrast- Besuche erlebte ich jüngst:

Der Rookie ist seit einem Jahr im Amt (Referendar) und zündet ein Feuerwerk an Methoden. An alles ist gedacht, ein Rädchen greift ins nächste, der rote Faden ist nicht nur sichtbar, nein, er GLÜHT vor unseren Augen. Die Schüler sind begeistert, beidseitige Sympathie ist spürbar (neues Schuljahr, neue Klasse) und die gesteckten Arbeitsziele werden spielend generiert. Und wir, die beiden Hospitanten (oder auch „Extremrookies“) sind begeistert. Sehr cool. Vollgeschriebene Zettel mit Inspirationen in den Händen huldigen wir am Ende der Doppelstunde dem Meister. Mal sehen ob wir in einem Jahr auch so drauf sein können.

Szenenwechsel. Unterwegs mit dem Routinier. 30 Jahre im Job, noch ein paar to go. Souveränität und Nonchalance scheinen aus jeder Pore zu strömen. Der Eindruck täuscht nicht. Sehr lässige Präsenz im Klassenraum, wohldosierte Strenge und Süffisance gegenüber den Lernenden, eine 13. Klasse, die das wegsteckt. Man kennt und schätzt sich. Mehr oder weniger.  Inhaltlich: didaktische Oldschool. Bucharbeit, Frontalunterricht und große Redeanteile seitens der Lehrkraft. Die wohl anstrengenste und auch anspruchvollste Form Unterricht zu gestalten, paradigmatisch für Materienkenner und Erfahrene, da Stehgreifmonologe die Abrufbarkeit der gesamten Thematik voraussetzen. Auch hier werden Lernziele erreicht, auch hier ist beidseitige Sympathie präsent, auch hier Zufriedenheit auf beiden Seiten. Mal sehen, ob ich mein Siebgehirn in 29 Jahren geflickt haben werde.

Ergo: zwei Pole, drei Dekaden und eine unablässige Entwicklung in between ? dount ju warri! , wie es unlängst auf diesen Seiten mal hieß. Und das ist auch meine Direktive. Alles andere wäre nach vier Tagen auch mal dezent lächerlich.

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