die Gnädigen

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich in letzter Zeit soviel Auto fahren muss und daher einige Zeit zum zweckfreien Sinnieren habe, dass mir eine Story einfiel, die mir in der Retrospektive noch absurder erscheint, als damals im Erleben. Worums ging:

Eines Morgens, verträumt stapfte ich die Treppen zur Straße herunter, um dort festzustellen: mein Wagen war weg. Spontanverpeilung ? Irgendwo anders geparkt ? Nach einigen Schreckensminuten war klar: die Kiste ist gestohlen worden. Irgendein Arschloch hatte ihn geknackt und davonbugsiert. Na toll. Also die ganze Leier initiiert: zum zuständigen Polizeipräsidium etc pp.  Nach einigen Tagen der Hinweis: Wagen gefunden und das gar nicht so weit entfernt (Tank war ja auch fast leer und die Nasen hatten vergeblich versucht, den abschließbaren Tankdeckel zu knacken). Dann die große Stunde des Autohauses: nachdem klar war, dass die Versicherung die entstandenen Schäden übernimmt (= EIN Lackkratzer am Schloss) gings in die Vollen: die gesamte Tür wurde neu lackiert, Sicherheitsbügel an die Schlösser montiert, sogar die abhandenen Fußmatten wurden ersetzt, vom zerkratzten Tankdeckel ganz zu schweigen  – in der Zwischenzeit konnte ich zwei der damals neuen VW-Modelle Probefahren, den hässlichen New Beetle aber auch den agilen Bora (auch hässlich, aber eben agil). Nach ein paar Monaten war die Story gegessen und ich fuhr mit meinem neuen Altwagen wieder durch die Gegend. Ein Gedanke begleitete mich dabei fast stetig: wärs nicht ne kluge Idee, ein Lenkradschloss zu kaufen ? Ich entschied mich dagegen, mit klassischer Kismetargumentation (wird ja wohl nur einmal passieren sowas).

Keine gute Idee. Kaum drei Monate später, ich, verträumt stapfte ich die Treppen, ja, die Straße, die Leere, der Wagen, nicht da, hm, kann doch wohl nicht, oder doch ?, gibts doch gar nicht ! Ach nee. Scheiße. Das Schloss ! Hätteste.., Mist. Und dieselbe Leier: beim Polizeipräsidium routiniert: „die Daten müssen sie noch von neulich haben, brauche ich ja wohl nicht alles nochmal zu erzählen“. Die Wartezeit war diesmal länger, denn der Wagen war fast vollgetankt. In der Zwischenzeit: Verschwörungstheorien. Jeder Passant wurde zum zwielichten Mitwisser, wenn nicht gar vermuteten Mittäter. Und überhaupt, was war mit diesen herumlungernden Halbstarken mit Gangsterblick, die mich so seltsam musterten, wenn ich in der Straße SPAZIEREN ging ? Auch der Gedanke, dieselben Täter hatten sich einen Spaß gemacht (erschien mir so ultimativ naheliegend, dass ich das bis heute vermute :-)  ), ließ mich nicht locker. Und ich Idiot war zu geizig, ein lausiges Lenkradschloss… Nach endlosen Wochen dann die Meldung: Ihr Wagen wurde gefunden, kann da und da abgeholt werden.  Immerhin ! Als er wieder generalsaniert vor der Tür stand, überlegte ich allen Ernstens Nachtwachen im Gebüsch zu veranstalten. Ich malte mir aus, wie ich sie auf frischer Tat ertappen, den Slugger in Anschlag und… ok, Charles Bronson ist nicht mein role model, daher ging ich bald zu anderen Szenarien über.. Grundlos,  wie sich zeigte.

Denn eines Tages kam ich wieder die Treppe heruntergeschlendert und sah ein Bild der Verwüstung: in der gesamten Straße waren die parkenden Pkw mit Graffitis besprüht worden, Scheiben waren eingeschlagen, direkt gegenüber stand sogar ein Wagen, auf dessen mit Glasscherben übersähtem Beifahrsitz die Wagenpapiere lagen (der Wagen war also Mitnahmefertig !).  Sehr sehr unglaubig nahm ich zur Kenntnis, dass der einzige Wagen, der diesen Anfall unkreativer (die Graffitis waren wirklich schlecht) Zerstörungswut überlebt hatte, der Meinige war. Verdutzt stieg ich ein und startete in den Tag.

Später sollte ich der Kiste ein kleines Denkmal setzen🙂

3 Antworten zu “die Gnädigen

  1. wirklich eine krasse geschichte. min wagen ist ja ebenfalls verflucht ( http://traui.blogspot.com/2006/08/unfallwagen.html ) aber das toppt alles.

  2. geile geschichte!

  3. ja, im Nachhinein🙂 !

    Die Micra-Nummer ist ja auch nicht ohne, wiewohl ich den Kleinen ja irgendwie mag (meine Freundin hat den ja auch und wir ham schon zigtausend Kilometer damit geschrubbt, ohne Murren, abgesehen von einer gewechselten Lichtmaschine, Zahnriemen-OP etc. 🙂 – schade, dass es den nicht als Kombi gibt (wie den Mini)…

    ergo: behalte ihn und harre aus (oder gibs ab und lasse ihn wohlmeinend verwahllosen, was mit nem alten 2er Golf aber leicht gesagt ist)

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