why didn´t you leave me resting, idiot ?

Protokoll einer Lektion. Von hinten nach vorne, evtl. wird auch gesprungen. Mal sehen.

Ich stand kürzlich im Bad und fuhr mit der Zunge über meine Zähne, wie man das nach ausgiebigstem Zähneputzen halt so macht. Mmh, lecker !, war bis dato meine diebezügliche Standardreaktion. Bis dato. Denn was ich fühlte war eine Beule im Zahnfleisch, rund und groß wie ein Babyerbse. Huaa !, meine Reaktion dieses Mal. Und eine Ahnung. Damit zurück zum Anfang.

Es begann als verkorkstes Sommermärchen, also vor gut einem halben Jahr. An einer Stelle im Zahnmüllhaldenbereich schlief ein kümmerlicher Zahnrest, hässlich aber friedlich. Mein Grinsen ist nicht so breit, dass man es sehen konnte, also war es mir reichlich gleichgültig.  Dann ließ ich mich von meinem geschäftstüchtigen Zahnarzt animieren, diese unansehnliche Stelle zu sanieren. Warum nicht, dachte ich, schließlich zahlte ich seit geraumer Zeit in eine Zahnzusatzversicherung ein und der angesammelte Topf konnte ja mal abgemolken werden. Also Behandlung initiiert: Zahnfleisch wurde angeäzt, High-tech-Kleber (das Milligramm 200,- Eus, so der protzende Zahnarzt), das Basismaterial für die feine Keramikkrone aufgetragen und irgendwann auch die Krone selbst. Sah gut aus. Fühlte sich auch so an. Zwei Wochen lang. Dann entzündete sich der Zahn. Der Hund. Nachdem er jahrelang nichts hatte von sich merken lassen.

Innerhalb weniger Tage eskalierte die Situation in der Mundhöhle, streng den Regeln von Murphys Law folgend: am Wochenende. Als ich am Montag aufwachte, jagte die kleinste Berührung des Zahnes Impulse durch den Körper, die sich wie die kleinen Brüder von Egon Elektroschock anfühlten. Er schien zum Bersten gefüllt (wollte gar nicht wissen mit was). Keine Stunde später beim Zahnarzt der Moment des Grauens: Der Metzger setzte den Bohrer an, bewirkte den Durchbruch und ich zuckte im Liegen so stark, dass ich mit durchgebogenem, schweissnassen Rücken fast auf dem Behandlungsstuhl schwebte. Solche Schmerzen hatte ich noch nie erlebt. Schockierte Gesichter beim Behandlungspersonal: Hey, der Bohrer steckt da noch drin ! Ich wäre vor tropfendem Schweiß davon geflossen, hätten sich meine Hände nicht völlig verkrampft  in die Griffe verkeilt und war wenig ansprechbar. „Naja, könnense mal sehen, was das hier fürn super Material ist, kann man einfach durch die Krone bohren, ohne dass sie bricht !“  Die Sozialkompetenzbegabung dieses Typen verlangte wirklich eine eigene Skala – mit einem Bereich von Minusunendlich bis 0,1.

Wochenlang dann die Schmerzbehandlung. Stifte rein, Stifte raus. Eiter ablaufen lassen, Desinfektion erneuern. War die Wurzel. Das neue Dach über dem Kopf schien ihr nicht zu behagen. Ihre Reaktion ließ zu wünschen übrig. Mittlerweile war auch die Rechnung angekommen und mit ihr die nächste Überraschung – die Zahnzusatzversicherung übernahm noch nicht mal 20,- des zu deckenden Betrages, die ausweichenden Erklärungen auf meine Nachfragen führten zur sofortigen Kündigung des Vertrages. Was für Clowns, was für ein Griff ins Klo.

Irgendwann dann kehrte ein wenig Ruhe ein. Provisorisch also eine Zementfüllung drauf und gut wars. Hielt immerhin einige Monate. Bis vor kurzem. Allerdings suchte sich der Eiter nun andere Expansionsmöglichkeiten und nun musste das Zahnfleisch herhalten.  Der neue Zahnarzt kam also von zwei Seiten und sorgte erneut für einen Gaumengenuss der besonderen Art. Zahnfleisch aufgeschnitten, Krone beim Bohren gesprengt, die Sache war nunmehr klar für mich. Umso mehr, als auch er damit anfing, wie die Wurzel denn nun beruhigt werden könne. Mindestens sieben oder acht Schmerzbehandlungen, dann mal sehen, dann…. Ich winkte ab. Nach rund 800,- versenkten Eus, ungeahnten Schmerzerfahrungen und idiotischen Begegnungen, nicht zu sprechen von der investierten Zeit, werde ich der Wurzel geben, wonach sie verlangt: Freiraum.

Nun da ihr Abgang bevorsteht, scheint sie – längst personalisiert und geschätzte Dialogpartnerin – noch eine Botschaft loswerden zu wollen und ich kann nicht verhehlen, dass sie einen wahren Kern enthält.

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