Die Aufgeweckten

Neulich im PoWi-Unterricht der 9. Klasse:

Bald steht das Betriebspraktikum an und weil die Betreuung zwischen Klassenlehrerin und dem jeweiligen PoWi-Lehrer aufgeteilt wird, rühren die Schüler seit kurzem die Werbetrommel, um die Besucherwahl zu beeinflussen. Während von manchen Jungs durchaus überzeugende Angebote kamen, wie z.B. „ich backe ihnen eine Torte“ , „ich reinige ihren Schornstein“ oder: „Sie kriegen auch einen Fernseher von mir“, sah dies bei ihren weiblichen Pendants anders aus.  Auffallend viele Mädels wollen sich in Kitas, Grundschulen u.ä. ausprobieren, alles nicht so meine Domäne – enstprechend schwierig gestaltete sich ihre Überzeugungsarbeit. Und während sie so auf mich einredeten, immer neue Argumente für ausgerechnet ihren Praktikumsplatz auffuhren, fiel mir eine Geschichte ein, die durchaus belegte, wie charmant Kinder ja eigentlich sein können:

Ist schon was länger her, wir besuchten Freunde,
die wir länger nicht gesehen hatten.
Die älteste Tochter, seit kurzem in der Schule,
malte gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder lautlos
im Kinderzimmer. Während wir nun friedlich da saßen,
erschien sie plötzlich am Tisch
und hielt mir wortlos einen Zettel hin, ihr
Gesichtsausdruck verriet keine besondere Regung.
Auf dem Zettel stand: Klatzen Ferboten! Daneben
eine entfernt an einen menschlichen Kopf ohne Haare
erinnernde Zeichnung, irgendwie golemartig. Ihr
Gesichtsausdruck hatte nun etwas verbindliches,
entschlossenes. Wortlos trat sie ab. Wortlos
blieben wir zurück. Aber nur kurz. Dann erfüllte
schallendes Lachen den Raum. Und dann die
Erklärung des Vaters.

Vielleicht überlege ich mir das mit dem Kindergarten doch noch einmal.

 

6 Antworten zu “Die Aufgeweckten

  1. Darf ich mich outen?
    (Ach so, erst ein mal hallo! Ich denke, ich bin wieder da!🙂 )
    Ich oute mich: Ich habe zwei Praktika in der Kita gemacht. Kein Mensch weiß, auf welchem Trip ich damals war bzw. welcher Höllenhund mich geritten hat.
    *creepy*

  2. Klar darst du dich outen🙂 ! Und erstmal hallo zurück (bin auch öfter nicht da) – schön mal wieder von dir lesen!
    Aber dann: Bei so einer Ansage darf der Erfahrungsbericht eigentlich nicht fehlen! Warst du auch Schülerin oder hast du die Praktika nach der Schule gemacht? Und warum wars nix bzw. der Höllenhund? Konntest du den charmanten Kleinen nicht etwas abgewinnen? Gibt es vielleicht irgendwas was ich wissen sollte, bevor ich gewissen Schülerinnen Besuchszusagen mache😉 ?

  3. Das erste war ein Schulpraktikum und das zweite in den Ferien kurz vor meinem Abschluss. Ich wollte Au Pair werden, nicht der Kinder wegen, ich wollte nach Frankreich.
    Aber die haben mich dann letzten Endes davon abgehalten. Meine Nerven haben jedes mal schon nach zwei Tagen kapituliert. Kleine, menschliche Nervenbündel sind stärker als die in meinem Kopf.
    Nur zwei Kinder mochten mich. Der kleine (wirklich) hyperaktive Philip und der kleine Gangster-Philip, der mir in den ersten Tagen die meisten Blessuren verpasst hat. Alle anderen haben mich Gott sei Dank ignoriert. Muss wohl am Namen liegen. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn alle Philip gehießen hätten. Dann wäre ich jetzt vielleicht Kindergärtnerin – Gott bewahre!
    Sag deinen Mädels, dass sie wirklich eine unwahrscheinliche Anzahl robuster Nerven brauchen und dass zwischen Maleinehalbestundeaufdesnachbarsgöraufpassen und zwei Wochen lang 8 Stunden in der Kita arbeiten Welten liegen.
    (Was nicht heißt, dass es nicht auch ein bisschen schön war🙂 Meine Philips habe ich noch lange vermisst und sogar manchmal besucht.)

  4. Hey, danke für den charmanten Bericht und die Hinweise – werde ich weitergeben (insbesondere den abgeleiteten Tipp sich eigene Philipps zu suchen -oder sich finden lassen- um zu überleben). Zum Glück dauert so ein Besuch ja nicht 8 Stunden, hehe! Bin gespannt, ob die Mädels dann ähnliche Erfahrungen machen wie du, das erste Schulpraktikum war bei dir scheinbar ja nicht Warnung genug😉. Aber schön, dass du nun in der Retrospektive so gelassen auf die Geschehnisse blicken kannst. Ich hoffe die Philips schreiben dir noch gelegentlich🙂 ?

  5. Nein, kein Kontakt mehr, aber ich hab überall meine Informanten und weiß von daher, dass es wenigstens dem Gangster-Philip gut geht🙂

  6. So muss es sein – war mir auch gleich sympathisch, der Gangster.

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