Monatsarchiv: März 2012

Erziehung durch Kuchen

Es ist ein etablierter Brauch: muckert das Mobiltelefon während des Unterrichtes, ist in der nächsten Stunde ein Kuchen fällig.

Doch irgendwie hat sich diese Idee in meinem PoWi LK verselbstständigt, ist dabei aber zu einem veritablen Lern- und Erziehungsmodell mutiert:

1.  jegliches Fehlverhalten einzelner Individuen wird vom Kollektiv im Sinne des Gemeinwohls geahndet, der Mehrheitsbeschluss bestimmt: Kuchen. Egoistische Einzelinteressen haben gegen den Gemeinwillen wenig Chancen, Rousseau hätte seine Freude gehabt.

2. eine fachmännisch geführte Liste gibt Aufschluss über die [dann] fröhlichen Delinquenten und den Zeitpunkt der Lieferung. Für mehr Transparenz könnte wohl nur eine Webcam oder der Einsatz von Mumble sorgen.

3. das ausgeklügelte Bewertungssystem animiert die kreative Konkurrenz und schult den Sinn für Wettbewerb und das Leistungsprinzip, welches zum Wohle aller eingesetzt wird. Adam Smith hätte seine Zustimmung wohl nicht verweigert.

Der Erziehungserfolg? Phänomenal. Mobiltelefone kommen im Unterricht – außer zu pädagogisch wohlbegründeten Recherchen – nicht mehr vor. Und die einzig Leidtragenden sind bisher zwei Schülerinnen, die ausgerechnet Kuchen fasten. Allerdings empfinden sie es gar nicht so.

Win/Win allenthalben.

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