Archiv der Kategorie: Aus dem Schulalltag

Erziehung durch Kuchen

Es ist ein etablierter Brauch: muckert das Mobiltelefon während des Unterrichtes, ist in der nächsten Stunde ein Kuchen fällig.

Doch irgendwie hat sich diese Idee in meinem PoWi LK verselbstständigt, ist dabei aber zu einem veritablen Lern- und Erziehungsmodell mutiert:

1.  jegliches Fehlverhalten einzelner Individuen wird vom Kollektiv im Sinne des Gemeinwohls geahndet, der Mehrheitsbeschluss bestimmt: Kuchen. Egoistische Einzelinteressen haben gegen den Gemeinwillen wenig Chancen, Rousseau hätte seine Freude gehabt.

2. eine fachmännisch geführte Liste gibt Aufschluss über die [dann] fröhlichen Delinquenten und den Zeitpunkt der Lieferung. Für mehr Transparenz könnte wohl nur eine Webcam oder der Einsatz von Mumble sorgen.

3. das ausgeklügelte Bewertungssystem animiert die kreative Konkurrenz und schult den Sinn für Wettbewerb und das Leistungsprinzip, welches zum Wohle aller eingesetzt wird. Adam Smith hätte seine Zustimmung wohl nicht verweigert.

Der Erziehungserfolg? Phänomenal. Mobiltelefone kommen im Unterricht – außer zu pädagogisch wohlbegründeten Recherchen – nicht mehr vor. Und die einzig Leidtragenden sind bisher zwei Schülerinnen, die ausgerechnet Kuchen fasten. Allerdings empfinden sie es gar nicht so.

Win/Win allenthalben.

Bildungsauftrag

Falls am Stammtisch mal wieder die Rede darauf kommt, wofür Schule eigentlich noch gut sein soll.

Auch geeignet für Eltern, deren Kinder Weisheiten von ihnen schon lange nicht mehr hören wollen.

keine Widerrede im cockpit of doom!

Denn Klausuren korrigieren ist die einzig legitime Ferienbeschäftigung für den Pädagogen vom Dienst. Sagt der Steuerzahler an meinem Frühstückstisch.

Blick ins cockpit:

Später dann noch eine Supernova [da hatte jemand 14Punkte fabriziert 🙂 ].

Howard Carter und der späte Fluch des Tutanchamun

Keine Ahnung, ob der berühmte Grabentdecker daran gedacht hatte, dass ihn ein missmutiger Verlauf seines Lebens treffen könnte, zur Strafe dafür, die  mehrere tausend Jahre währende Totenruhe des berühmten Pharaos gestört zu haben. Vielleicht bestand der Fluch darin, dass sein Name nicht in alle Ewigkeit korrekt in den Gedächtnissen der Menschen verankert sein sollte. Es spricht einiges dafür.

Denn wie ich bei der Korrektur des Geschichtstests einer 7. Klasse jüngst feststellte, hatte ein nicht unbeträchtlicher Teil der Klasse scheinbar den Auftrag erhalten, den Fluch zu vollstrecken. Hier das Best of:

Hauert Carter

Hawerd Carter

Harold Cater

Hovat Cater

Howert Charter

Howarrd Carter

Coutan Guillinds

Harvelt Cater

Fast möchte man eine Zeitreise unternehmen und Mr. Carter noch zurufen, was die Milkmen einst sangen [„Howard beware!“], aber ich fürchte, es ist zu spät.

 

 

Not looking back in anger. Gedanken über den Berufseinstieg als Lehrer

Oder: Von jetzt auf gleich 300%. Und überlebt!

Nach einem Jahr mal wieder Muße und Ruhe, um durchzuatmen und runterzukommen. Gleichwohl braucht es auch in den großen Ferien ein paar Tage, um wirklich anzukommen. Dazu braucht es wohl auch einen Post wie diesen: rekapitulieren, reflektieren, regenerieren und äh, revitalisieren.

Die ersten Wochen in fester Anstellung erinnerten mich an das berühmte „live fast die young“, nur halt in seriös. Info-Overkill allenthalben: jeden Tag Neues, Wichtiges, Gesichter hier, Termine da, Listen dort, Treffen da drüben. Zig neue Namen. Morgens gelernt, am Nachmittag vergessen. Man purzelt von Tag zu Tag, Woche zu Woche, Monat zu Monat, wird mitgerissen vom Strudel administrativ-pädagogischer Sollerfüllung und versucht dabei, doch erstmal den Freischwimmer zu machen.

Im Nachhinein nun: Was mir half, das erste Jahr erfolgreich zu bestehen.

Kategorie No1: Kommunikation

Ungemein hilfreich: Fragen, Fragen, Fragen! Und Fragen! Keine Scheu, du bist neu, machst vieles zum ersten Mal und hast massiven Info-Bedarf [Mutatis mutandis falls die Schule auch die Ausbildungsschule war].  Ansprechpartner sind (Fach)-Kolleginnen und kollegen, die Fachleitungen, Schulleitung, die Mitarbeiter im Sekretariat. Auch der Hausverwalter [früher: Hausmeister] ist kein besenschwingender Lakai auf einer unteren sozialen Stufe, sondern kenntnisreicher Mitarbeiter im Schulkontext.

Nicht zu unterschätzen für den Psycho-Haushalt: regelmäßig mit Gleichgesinnten Kontakt suchen. Falls du nicht gerade die einzige Neueinstellung gewesen bist, tut es gut, zu hören und zu wissen, dass die Anfangszeit i.d.R. für JEDEN eine heftige Zeit ist. Du musst also nicht weinend auf dem Parkplatz im Auto verzweifeln. Dazu kann es hilfreich sein, eine begleitende Fortbildung für Berufseinsteiger zu machen, denn hier gibt es ein Forum, dass für alle relevanten Anfangsfragen Austauschmöglichkeiten und Anleitungen bietet. Mal beim örtlichen Schulamt nachfragen bzw. nachsehen.

Kategorie No2: Arbeitsorganisation und -gestaltung

Zentrale Kategorie, quasi das Mastermind der Komplexitätsbewältigung!

Zunächst: Übersicht schaffen und gut organisieren. Jahreskalender waren für mich immer eine Art Inbegriff der Spießigkeit, der freie weiße Raum an der Wand über meinem Schreibtisch ein Heiligtum [kontemplatives Starren ins weiße Nichts eine geübte Schaffensphase] . Damit war es bald vorbei und im Nachhinein muss auch ich anerkennen, was die übrige Menschheit seit Zillionen von Jahren weiß: Die Teile haben durchaus ihren Sinn! Das Grauen hat ein Gesicht und kann abgearbeitet werden. Wenn alle Klausuren, SV-Stunden, Aufsichten, Konferenzen, Reinigungsdienste, Elternabende, Fachschaftstreffen, Prüfungstermine etc vor einem erscheinen, lassen sich auch Ressourcen schonen: keine unnötig vorbereiteten Unterrichtsstunden, wenn am betreffenden Tag gar kein Unterricht ist!

Zur Arbeitsorganisation gehört auch ein hilfreich gestalteter Arbeitsplatz, Stichwort Hardware. Wenn nicht schon ohnehin vorhanden, sollten die Anfangsgehälter für gewisse technische Investitionen genutzt werden. Ein Laserdrucker erspart so manchen Stressmorgen am Kopierer (mit 10 anderen!), auch spätabends noch lassen sich Arbeitsblätter und vor allem Klausuren klassensatzweise ausdrucken. Sehr gute Erfahrungen habe ich bisher mit s/w-Laserdruckern von Brother gemacht (aktuell dem Modell HL-5240L). Für gelegentliche Farbfolien, Fotos u.a. bietet sich ein günstiger Farbtintenstrahldrucker an (recht solide Arbeit und tolle Qualität bei Photodrucken auf Photopapier: Canon IP2700). Unverzichtbar ist natürlich ein Scanner, denn die einschlägigen Verordnungen zum Kopieren aus Lehrwerken zwingen ja quasi zur Vielseitigkeit ;-), außerdem verfügt man über schöne Gestaltungsmöglichkeiten von Arbeitsblättern. Tipp hier: maximale Flexibilität durch Stromversorgung via USB, dazu gute bis sehr gute Lesequalität bei hoher Geschwindigkeit, der CanoScan LIDE 200. Inwiefern man den Wunsch nach maximaler Flexibilität auch in die Schule hineinträgt und sich einen eigenen Beamer anschaffen mag, ist jedem selbst überlassen. Der technische Notstand (wo sind die ausleihbaren Beamer, wenn ICH sie mal brauche?) und notorisch lange Finger (wo ist die Fernbedienung bei den TV/DVD-Kombis?) an meiner Schule veranlassten mich dazu, es zu tun. Zum Abbilden von Präsentationen und Filmen in einigermaßen abgedunkelten Räumen reicht das (Einstiegs)gerät von Epson [Modell EB S7] aus, in hellen Räumen wirds nervig und ist nicht zu empfehlen. Die Flexibilität allerdings ist es wirklich wert: Du planst Schülerpräsentationen? Dann werden sie auch gehalten, weil du den Kram dabeihast. Punkt. Planungssicherheit, Entlastung, innere Ruhe.

Ein wichtiger Leitsatz zur Unterrichtsgestaltung, gerade am Anfang wurde mir: Weniger ist Mehr!  Wo brauchbare Schulbücher vorhanden sind, sie auch nutzen, anstatt sich totzukopieren, nur weil man in der Ausbildung so häufig und ex cathedra die Verpönung der Schulbucharbeit gehört hat. Die Angewohnheit elaborierter Stundenplanung aus dem Referendariat sollte man aus Selbstschutzgründen vorübergehend aussetzen. Sie macht bei zwei bis fünf  Klassen und 12-14 Wochenstunden Sinn, bei zehn Klassen und 26h sieht das zuweilen anders aus. Nichtsdestotrotz lassen sich glorreich gelungene Vorführstunden modizifiert ja auch nochmal einsetzen, und das Gefühl ist wieder da :-).

Stichwort Materialsammlung. Gerade als PoWi-Lehrer ist man aufgrund des diesem Fach so inhärenten Aktualitätsprinzips ein beständiger Jäger & Sammler und besonders am Anfang erscheint jeder Verlagskatalog wie eine von den Didaktikgöttern für mich persönlich ausgesuchte Offenbarung. Allerdings merkte ich schnell, dass die Vorratsanschaffung nach dem „kann ich bestimmt mal irgendwann super einsetzen!“-Motto schnell leerläuft [siehe oben, Totkopieren vs. Schulbuchnutzung]. Eine Auswahl von 2-4 Schulbüchern pro Fach und Stufe, dazu verschiedene Arbeitsmaterialien [u.a. auch nicht zu unterschätzen: Rätsel, ja tatsächlich! Für Geschichte z.B. eine Sammlung aus dem Auer-Verlag] fand ich für den Beginn hilfreich. Für den PoWi-Bereich ein echter Tipp ist der Aktualitätenservice des Schroedel-Verlages, wenn eine Schullizenz vorliegt – kostenfrei für die angemeldeten LehrerInnen, schnell und bequem können dann aktuelle Themen qualitativ hochwertig im Unterricht besprochen werden.

A propos Online-Ressourcen: Das digitale Auslagern des Unterrichtsgeschehens ist vielerorts integraler Bestandteil der Lernkultur, sei es per email-Verteiler, oder einem digitalen Klassenzimmer via der Plattform Lo-net, oder entsprechenden internen Bereichen auf vom jeweiligen Kultusministerium zur Verfügung gestellten Seiten. Noch unmittelbarer und unaufwendiger sind Blogs. Emails kommen gerne zurück, weil irgendjemand immer sein Postfach überfüllt hat, im Blog stellt man Dokumente zum Download bereit und die Schüler sind selbst verantwortlich, sie sich dort herunterzuladen. Es gibt auch keine Ausredemöglichkeiten a la: die Email habe ich nicht bekommen. Naja, obwohl: Die Ausreden heißen dann: „das Internet ging nicht“ ! Aber auch nur einmal. Weitere Vorteile: Wenn die Ergebnissicherung an der Tafel zeitmäßig nicht mehr hingehauen hat, einfach abfotografieren und in den Blog gestellt. Für mich insgesamt eine Entlastung, die Schüler lassen sich daran gewöhnen! Und bei WordPress.com ist ein Blog schnell eingerichtet! Konkretes Beispiel  (m)eines primär auf Ressourcen bereitstellen ausgerichteten Blogs: forumlaszlorum. Funktioniert vorzüglich auch als Materialtheke für Kollegen, wenn Daten fürs Verschicken zu groß geraten. Bei aller Digitalisiererei von Arbeitsmaterial ist eine Seelenfriedenskomponte das Sichern dieser Daten. Ein bequemes Tool für diesen Zweck ist der Service von Mozy: Man muss zwar einmal die Konfiguration einrichten und der erste Upload-Prozess dauert je nach Datenvolumen auch ein-  oder zwei Weilchen, aber dann geht es per Click oder automatisiert. Und wenn man dann mal wieder von Kollegen hört, dass es den Rechner und/oder die externe Festplatte zerrissen hat (und über Jahre angesammelte, wertvolle Daten weg sind), kann man einen guten Tipp loswerden. Und bis dahin ruhig schlafen.

Kategorie No3: Das Unterrichtsgeschehen

Zunächst die Metaebene – Stichwort realistischer Anspruch! Gleich zu Beginn erstmal ein wohlmeinendes Korrektiv verpasst zu bekommen, fand ich nicht nur freundlich, sondern auch hilfreich. Ein erfahrener Kollege gab mir weiter, was er einst beim Stellenantritt von einem erfahrenen Kollegen zu hören bekam: Bis jede Unterrichtsstunde eine gleichbleibend hohe Qualität haben würde, sollten 7-8Jahre vergehen! Der Wert wird variieren, doch die Botschaft ist nachvollziehbar. Im Gegensatz zum im schlechtesten (aber leider häufigen) Fall  auf Showstunden ausgerichteten Referendariat heißt das für mich: erstmal die Basics, dann die Innovationen! Gerade in einem Fach wie Geschichte muss eine überwältigende Stoffmenge bewältigt werden, da kommt man mit den oben veranschlagten Jahren schon hin. Und auch der viel geschmähte, jüngst aber eine Art Renaissance erlebende Frontalunterricht ist eine Kunst, die erstmal gelernt werden muss.

Im Klassenraum. Hier hat jeder seinen/ihren eigenen Stil und eigene Zugänge. Was ich als hilfreich empfand, war folgendes: Jede Klasse hat ihre eigene Dynamik und ich suchte mir in jeder Klasse Anknüpfungspunkte, warum der Unterricht ausgerechnet in DIESER Klasse angenehm sein konnte. Das war zum Beispiel das hohe fachliche Niveau, auf dem unterrichtet bzw.  gemeinsam gearbeitet werden konnte. Keine Selbstverständlichkeit, daher absolut genussfähig! In andereren Klassen war es der humorvolle Umgang mit den Schülern, oder die positive Klassenatmosphäre. In wieder anderen Kursen waren es die herausfordernden fachlichen Baustellen und meine Lösungsansätze, die entweder auf gar keine oder doch gewisse Resonanz stießen. Und natürlich gab es auch die klassische Krawallklasse, die sich aufgegeben hatte, aber in verschworener Klassengemeinschaft jeden Lehrer als Agenten des Bösen und des infamen Unrechts ansah und dies mit fachlicher Minderbegabung, ausgeprägter Faulheit, argumentativer Unverschämtheit und individueller Dreistigkeit paarte.

Die Begegnungen mit dieser Klasse waren zuweilen nervliche Drahtseilakte, die mich zum nächsten wichtigen Punkt führen: Der Trennung von Person und Rolle.  Denn als Lehrer und Lehrerin macht man jeden Tag Lernangebote. Diese werden angenommen und genutzt, oder eben nicht. Den Erfolg oder Misserfolg fachlich, aber nicht persönlich zu nehmen, scheint mir ein hilfreicher Ansatz zu sein. Auch wenn das natürlich nicht immer gelingt. Aber: Ich kann als Lehrperson einen schlechten Tag haben und scheitern, doch als rollendistanziertes Individuum kann ich dieses Scheitern analysieren und reflektieren, Schlüsse ziehen und Alternativen überlegen, ohne meine gesamte Existenz in den Orbit des Grauens, des Wurmseins zu verbannen.

Ansonsten gilt auch hier das Kommunikationsgebot von oben: Mit Schwächen offen umgehen und mit anderen darüber sprechen, ist einerseits ein gutes Ventil, andererseits kann man auch eine offene Kommunikationskultur vorleben, die das klassische Einzelkämpferdasein von Lehrerinnen und Lehrern ein Stück weit durchbricht.

Kategorie No4: Der Ausgleich

Das Doofe gerade am Anfang: So viel Zeit bleibt für einen ausgedehnten Ausgleich gar nicht! Wenn man nach 6-10h Schule und einer Mittagspause bis abends am Schreibtisch sitzt, den Rücken krumm macht und die Augen quält, ist das Bett eigentlich der zentrale Ausgleichsort. Empfehlenswert ist daher das Ausruhen in den Zwischenzeiten, wann immer es sich ergeben sollte: Als großer Fan des sog. „power nap“ musste ich gelegentlich Hindernisse überwinden und in Stillarbeitsräumen mit vier Stühlen eine Liegefläche basteln, Körperspannung anlegen, um dann mental abzuschalten. Sich im Lehrerzimmer leichenmäßig in der Sofaecke lang machen ist hingegen weniger ratsam, wenn man nach dem Aufwachen keine Lust hat, auf die spöttischen Kommentare ruhestörender Kolleginnen zu antworten.

Ansonsten ist Sport natürlich das Mittel der Wahl zum Ausgleich, da kann ich mich einhelligen Meinungen nur anschließen. Wie man sehr arbeitsintensive Phasen konstruktiv gestalten kann, habe ich im Prüfungskontext mal beschrieben, daher hier nur der Link zum Artikel: Von der Kunst selbstorganisierten Arbeitens.

Eine Sache noch finde ich erwähnenswert, sie hat etwas mit den materiellen Früchten des Lehrerberufs zu tun. Im Vergleich zum Ref. potenziert sich das Gehalt einigermaßen und man muss ja nicht alles versaufen. Man muss auch nicht alles in technischen Investitionen unterbringen. Unbestritten haben materielle Belohnungssysteme ihren Reiz und ihre psychologische Berechtigung. Und hier ist man als Lehrer/Lehrerin in einer privilegierten Situation. Doch wenn man nicht gleich zum Dienstantritt den neuen A3 oder 1er BMW geordert oder den Hauskauf forciert hat, bleibt genug übrig, um Privilegien zu teilen. Die Möglichkeiten zum Spenden sind so episch wie individuell, eine Mischung aus globaler [z.B. Brot für die Welt ] und lokaler Aktivität [z.B. die FR-Altenhilfe ] vielleicht ein interessanter Ansatz.

So weit mal diese Retrospektive zum vergangenen Jahr. Sie erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die Subjektivität ist hoffentlich evident. Wer Lust hat, kann seine/ihre Tipps gerne ergänzen.

Cheers und schöne Ferien!

pubertärer Cäsarenwahn

Neulich während einer PoWi-Arbeit stieß ich auf eine unmissverständliche Botschaft:

Auf meine Rückfrage (ob noch alles ok wäre) erhielt ich nur ein lapidares „Warten Sie ab, bis sie meine Arbeit gesehen haben!“

Was ist dann auch tat. Aber: Ich war not amused. Eine eher durchschnittliche drei (die 1 des kleinen Mannes) war nicht gerade das, was ich bei der Ansage erwartet hatte. Wird er noch etwas üben müssen, um zu erfahren, was es heißt, nicht nur Cäsar sein zu WOLLEN, der Knilch.

Die Aufgeweckten

Neulich im PoWi-Unterricht der 9. Klasse:

Bald steht das Betriebspraktikum an und weil die Betreuung zwischen Klassenlehrerin und dem jeweiligen PoWi-Lehrer aufgeteilt wird, rühren die Schüler seit kurzem die Werbetrommel, um die Besucherwahl zu beeinflussen. Während von manchen Jungs durchaus überzeugende Angebote kamen, wie z.B. „ich backe ihnen eine Torte“ , „ich reinige ihren Schornstein“ oder: „Sie kriegen auch einen Fernseher von mir“, sah dies bei ihren weiblichen Pendants anders aus.  Auffallend viele Mädels wollen sich in Kitas, Grundschulen u.ä. ausprobieren, alles nicht so meine Domäne – enstprechend schwierig gestaltete sich ihre Überzeugungsarbeit. Und während sie so auf mich einredeten, immer neue Argumente für ausgerechnet ihren Praktikumsplatz auffuhren, fiel mir eine Geschichte ein, die durchaus belegte, wie charmant Kinder ja eigentlich sein können:

Ist schon was länger her, wir besuchten Freunde,
die wir länger nicht gesehen hatten.
Die älteste Tochter, seit kurzem in der Schule,
malte gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder lautlos
im Kinderzimmer. Während wir nun friedlich da saßen,
erschien sie plötzlich am Tisch
und hielt mir wortlos einen Zettel hin, ihr
Gesichtsausdruck verriet keine besondere Regung.
Auf dem Zettel stand: Klatzen Ferboten! Daneben
eine entfernt an einen menschlichen Kopf ohne Haare
erinnernde Zeichnung, irgendwie golemartig. Ihr
Gesichtsausdruck hatte nun etwas verbindliches,
entschlossenes. Wortlos trat sie ab. Wortlos
blieben wir zurück. Aber nur kurz. Dann erfüllte
schallendes Lachen den Raum. Und dann die
Erklärung des Vaters.

Vielleicht überlege ich mir das mit dem Kindergarten doch noch einmal.

 

Die Exkursion

Weil eine Kollegin für eine 1tägige Studienfahrt nach Straßburg noch etwas menschliches Füllmaterial für einen sonst zu kostspieligen Reisebus benötigte, willigte ich als verantwortungsvoller Tutor ein, meine Klasse nach Straßburg zu begleiten. Die fachliche Organisation wurde von der Französischlehrerin des Kurses übernommen, ich brauchte mich also um nichts zu kümmern. Hieß es. Was zunächst ein Trugschluss war, denn der Nervorgakram (Geld einsammeln, Elternerlaubnis fürs selbstständige Herumstromern einholen) blieb an mir hängen. Doch schon auf der Busfahrt breitete sich wohlige Entspannung aus.  Da es genug Plätze gab, hatte jede/r der begleitenden Lehrkräfte eine Sitzbank ganz für sich. Im Abschalten nicht ungeübt, wähnte ich mich schon bald als zufällig per Anhalter mitgenommener Zaungast, der den Geräuschtrubel geflissentlich überhörte.

Vor Ort dann die Teilung: Alle selbstständig unterwegs, und da es auch keine zwanghaften „wir als Lehrer gehen jetzt zusammen“-Erwartungen gab, entpuppten sich die nachfolgenden Stunden als unverhoffter Urlaubstag. Also zunächst auf ins Tomi-Ungerer-Museum in die Avenue de la Marseillaise, eine kurzweilige Angelegenheit (und damit Besuchstipp), umso mehr versüßt, weil die Kassensysteme defekt waren und ich mir so den Heiermann Eintritt sparen konnte. Natürlich fühlte ich mich schlecht, die lokale Ökonomie nicht angemessen unterstützt zu haben, und so setzte ich die Ersparnis nach dem Museumsbesuch – zwischenzeitlich wärmte die Sonne die Gassen – gleich für ein Bierchen und Crepes in Jimmys Pub um. Eine äußerst fragwürdige Entscheidung, denn selten hab ich so schlechtes Bier (Pelforth) und Crepes (undefinierbar) genossen. Nichts wie weg.

Nach gemütlichem Herumstreunern auf dem Antik- und Bücherflohmarkt (letzterer witzlos, da ich kein Französisch spreche) fand ich den Weg in ein heimeliges Nebenstraßencafé, wo die Kaffeetassen nicht klinisch weiß, sondern volkstümlich bunt, der Kuchen aber gruselig war. Was machte ich bloß falsch ?

Während also geschäftige Einheimische von hier nach da eilten, Horden von Touristen  sich durch die schmale Gasse drückten oder entspannte Einheimische und verfressen aussehende Studenten ihren Kuchen- und Sandwichbedarf deckten, war ich in ein Buch vergraben, dessen Lektüre mir immer wieder spontane Lacher entlockte, woraufhin mich Passanten entweder a) überrascht b) entgeistert c) feindselig, d) niemals aber freundlich (!? WTF !?) anblickten.

Besagtes Büchlein, gedruckte Extremkurzweil auf knapp 250 Seiten, trägt den Titel „Föhn mich nicht zu„, den Untertitel „Aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer“ und ist vom Autor Stephan Serin. Er beschreibt darin hauptsächlich die Erfahrungen seines Referendariates, und da das bei mir ja so lange nicht her ist, konnte ich vieles noch SEHR GUT nachempfinden. Sympathisch ist die Attitüde kein Blatt vor den Mund zu nehmen, gleichwohl hab ich mich an manchen Stellen schon gefragt, ob das so amtlich ist, wie z.B. die verbalen Ausfälle eines Lehrers, dem „Biolehrer Raute“,  gegenüber einer scheinbar eher einseitig begabten Schülerin:

Zu einer Schülerin, die sich sehr aufreizend kleidete, meinte er sogar, nachdem sie zum dritten Mal in Folge daran gescheitert war, einen sprachlich keineswegs anspruchsvollen Arbeitsauftrag – Lest den Text und fasst den Kreislauf des Wassers in Stichpunkten zusammen! – halbwegs fehlerfrei vorzulesen: Hör mal zu, du Lutschlolita! Wenn dein Lesevermögen nur halb so groß wäre wie deine Titten, dann müsstest du dir um deine Versetzung keene Sorgen machen. Das Mädchen hatte nur verlegen gekichert, sich aber nicht beschwert. [S.47]

Natürlich kriegen auch die Lehrer ihr Fett weg, ganz schön liest sich das in einem Kapitel zum Thema Jugendsprache:

Angesagte Musiker wurden als endgeil, porno, tight oder mörder bezeichnet, Stars, die out waren, als voll assig. Einen Schüler, der sich am unteren Ende der Klassenhierarchie befand, sah man als Opfa oder Toy. Lehrer waren schizo und wurden wegen ihres Alters Kadaver genannt, in einer größeren Ansammlung als Krampfadergeschwader. Der immer elegant gekleidete und mit spitzen Lippen und distinguiert schrägem Kopf durch die dreckigen Flure eilende Herr Menz war wegen seiner Homosexualität voll gaylord. Ich wurde aufgrund meiner Größe abwechselnd als Bonsai oder Nabelküsser tituliert. Herr Rauter, der zuviel redete, föhnte die Schüler zu. Die magenkranke und auch sonst überall leidende Frau Flach hatte Mundgulli und Gesäßhusten, also einen schlechten Atem und Blähungen. […] [S.31]

Das Buch wirkt zwar an vielen Stellen, als vermische sich Fakt und Fiktion, aber der Autor mit dem ansprechenden Vornamen macht das so gekonnt und lesefluffig, dass es gar nicht auffällt.  Als ich es am Ende des Tages ausgelesen hatte, fühlte ich mich jedenfalls irgendwie inspiriert.

 

 

 

guten Tag guten Tag, ich will mein Leben zurück

Seit Wochen schon habe ich so eine seltsame Ahnung, doch erst ein im Zuge einer Fortbildung erteilter Dokumentationsauftrag brachte es schließlich an den Tag:

kurioses Alleinstellungmerkmal

Wenn nach nicht mal einem Monat gefühlt die halbe Schule den Namen eines neuen Lehrers kennt, mag dies höchstwahrscheinlich nicht ausschließlich seiner umwerfenden Persönlichkeit geschuldet sein. Mitnichten.

Wie Nachforschungen ergaben, hätte allerdings auch ein Versetzungsantrag ins Ausland wohl wenig Chancen auf Erfolg:

Da erinnere ich mich doch gerne an die Assoziationskünste älterer Semester zurück. Was macht eigentlich Victor Laszlo?