Archiv der Kategorie: Der Bürgerreporter informiert

Mein Geheimnis für volles Haar, porentief reine Haut und ein allseits freundliches Gemüt

Ohne Scheiß jetzt.

Es hat auch gar nicht weh getan!

Seit unserem letzten Umzug vor knapp drei Jahren bewegten wir das Thema Stromanbieter wechseln in unseren Herzen. Im Hinblick auf Ökostrom bot der lokale Versorger nur einen uneindeutigen Ökotarif an, bei dem unklar blieb, wo der alternativ produzierte Strom eigentlich herkam, zudem war nur ein Strommixangebot (erneuerbar plus konventionell) zu haben.

Ergo ging die Entscheidungsfindung im Alltagstrubel unter, periodisch meldete sich das schlechte Gewissen, manchmal unterstützt von der Erinnerung an ein Interview mit der Utopia.de-Gründerin Ulrike Langer im Fluter Nr.35 (S.11 ), in dem sie davon erzählt, Freunde von ihr hätten seit längerem  das „Projekt“ vor Augen, „endlich“ den Stromanbieter zu wechseln. Wie erbärmlich lange sich das hinziehen kann, hatte ich nun gemerkt.

Dann kam Fukushima. Und mit der Atomkatastrophe kam die im Ausland als „hysterisch“ gelabelte deutsche Atomdebatte.  Mit ihr kam der Info-Overkill. Schüler der 9. Klasse wussten auf einmal ebenso gut über die Funktionsweise eines Atomreaktors Bescheid, wie mein pensionierter Nachbar.

Und dann ging alles ganz schnell: Eines Tages berichtete die Tageszeitung unseres Vertrauens vom „Ansturm auf Ökostrom“, unter anderem wurden auch die vier unabhängigen Ökoanbieter in Deutschland erwähnt.  Dazu gab es alle relevanten Informationen zum Wechsel des Stromanbieters. Die Passivität der letzten Jahre wich ebenso schnell wie das atompolitische Rückgrat des Stefan Mappus. Vier Seiten wurden angesurft, vier Preisvergleiche durchgeführt. Den Zuschlag erhielt mit Naturstrom der Anbieter, der nicht nur am längsten im Geschäft ist, sondern auch die konkurrenzfähigsten Preise offeriert. Erwartbare Mehrkosten von 60-80,- im Jahr sind für uns durchaus tragbar.

Und siehe da, wir haben gewechselt.

PS:

Natürlich wird man im neuen Club angemessen willkommen geheißen. Neben einem Kundenmagazin gehörte auch ein Set Bekennersticker dazu, die den Missionseifer des frisch Bekehrten gebührend unterstützen sollen.  Allerdings hält sich die überambitionierte Labelfreude bei mir in Grenzen, lieber schreibe ich einen Bekennerpost :-).  Na gut, einen angemessenen Ort habe ich für einen der Sticker dann doch noch gefunden:

Die Mitmachterroristen

Sie sind ein bekanntes und leidiges Thema: kostenlose Wochenzeitungen, vollgestopft mit sinnfreien Infos und zu viel Werbung.  Es gibt aber noch eine Steigerung und die nennt sich „Gießener Zeitung“, „Deutschlands erste Mitmach-Zeitung„. Weil es einfach nicht ausreicht, nur das Internet vollzumüllen mit schlechten Artikeln, lausigen Berichten, armseligen Fotos und stümperhafter Public Relation. Nein, es muss auch gedruckt werden und landet „2x wöchentlich im Briefkasten“. So weit so gut.  Jedem seine Welt und seinen Geschmack. Kein Ding.

Aber darf ich mich auch einfach dagegen entscheiden? Dies habe ich gewagt und unseren ohnehin schon wenig ansehnlichen Briefkasten mit einem Schildchen ausgestattet, mit der Bitte vom Einwurf verschiedener Druckerzeugnisse doch einfach abzusehen.

Dieser Bitte nachzukommen, gelingt all den namentlich und weniger namentlich genannten Adressaten. Bis auf, ja bis auf der „Gießener Zeitung“. Ein Anruf, eine Bitte  – eine Entschuldigung und ein „kommt nicht mehr vor“. Was nicht mal eine Woche anhielt. Dann ein Brief und eine Bitte. Was immerhin fast vier Wochen anhielt, bis zu dieser Woche.

Es erscheint mir einigermaßen unglaublich, dass es den Austrägern der „Gießener Zeitung“ nicht möglich sein sollte, ein Schild zu lesen. Und weil ich ein freundlicher Mensch bin, möchte ich auch nicht davon ausgehen, dass die angestellten Austräger der „Gießener Zeitung“ aus einem Pool golemhafter imbeziler Kretins rekrutiert werden.  Nein nein nein, dies sei ferne!

Stattdessen möchte ich eine Hilfestellung geben, vielleicht ist das andere Schild ja einfach nur zu unverständlich.

Und weil ich nicht nur ein freundlicher, sondern mittlerweile auch ein reichlich angepisster Mensch bin [ja, das muss ich leider so vulgär zum Ausdruck bringen, liebe „Gießener Zeitung“, daran trägst du auch die Schuld] teile ich den Briefkastenschutz natürlich gerne mit möglichen Betroffenen [hier bitte schön:  Nein zur Gießener Zeitung ]. Auf kein baldiges Wiedersehen, liebe „Gießener Zeitung“!

kurzweiliger Kulturgenuss – kleine Hinweise für großes Vergnügen. Oder so.

Gestern im kommunalen Kino um die Ecke: Eine lakonische Komödie aus Griechenland namens „Kleine Wunder in Athen“. Irgendwie sehr trocken und tempoarm, Slacker-Romantik für Fortgeschrittene, doch dann nimmt die Story Fahrt auf und offenbart einige Überraschungen, die u.a. zu den Themen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit eine schöne Lektion erzählt.  Vgl. einmal die warmherzigen ersten Zeilen der Filmbeschreibung:

Stavros betreibt einen kleinen Laden in einer mehr als ruhigen Straße von Athen. Das heißt eigentlich besteht seine Tätigkeit daraus, morgens einen Tisch mit vier Stühlen vor den Laden zustellen, um zusammen mit seinen drei Freunden dem Tag beim Verstreichen zuzusehen. Mit gespieltem Interesse nehmen sie das emsige Treiben der Chinesen zur Kenntnis, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen kleinen Laden umbauen, oder empören sich, weshalb ausgerechnet in ihrer kleinen Straße ein Denkmal für die „Interkulturelle Solidarität“ gebaut werden soll […].

Zitiert nach der Filmwebsite, vgl. Kleine Wunder in Athen.

Und vgl. hier den Trailer [der leider den äußerst gelungenen Titelsong nicht enthält]:

Schön gemacht und schön geeignet für einen lauen Sommerabend. Also, nur so ein Hinweis.

Dann neulich im Urlaub: Ein Krimi wie eine gut gedrehte Zigarette: schmackhaft, kurzweilig und am Ende ein Gefühl von „schade, dass es schon vorbei ist“. Die Rede ist von „Keine Bewegung!„, einem gefällig und gekonnt hingerotzten  Hardboiled-Krimistück des amerikanischen Autors Denis Johnson.

Ahnen des Genres wie Dashiell Hammett, Fredric Brown oder Jim Thompson können als Paten mitgedacht werden. Aber auch wenn er deren Qualität nicht ganz erreicht (z.b. das psychologische Gespür eines J. Thompson), ist das Büchlein von Johnson eine Art „literarische“ Entsprechung zum o.g. Film: gute Unterhaltung für einen schönen Sommertag. Nur so als zweiter Hinweis. Der Sommer ist ja noch nicht vorbei.

polarisierende Rundungen

Vorgestern verbrachte ich einige Zeit beim Nissan-Händler unseres Vertrauens und wartete darauf, dass ein neuer Endtopf an den Micra montiert wurde. Den Rechenknecht auf den Knien war ich vertieft ins Erarbeiten glorioser Unterrichtskonzepte, hatte dabei aber freie Sicht auf die Rückseite eines Nissan Cube, der in schmuckem Schokobraun dort stand [Nein, ich bin NICHT farbenblind].

[Bild via]

Natürlich konnte ich es nicht unterlassen, jede Sitzposition auszuprobieren, alle Türen zu öffnen und mir die Kiste gründlich anzusehen. Und ich muss sagen: so rein ästhetisch betrachtet, gefällt er mir gut, innen wie außen – wirklich nett gemacht. Ganz anschaulich in Szene gesetzt wird er hier, wobei allerdings auch schon die etwas nervige Zielgruppenorientierung deutlich wird: Scheiße, bin ich unhip !!

Auch hatte ich keine Ahnung, wie kontrovers der Wagen diskutiert wird, frage mich aber: Muss man da so einen Terz machen ?  Ist doch nur ein schönes Auto :-).

Der Seher

Ich habe den Frühling geschaut. Hell yeah !

Hochhausexperimente

Neulich beim Heimatbesuch. Vis a vis dieses Dioden-Inferno. Der erste Eindruck: (soziale) Brennpunktbeleuchtung a la carte. Gleich mal draufgehalten, den Knipsknecht.

Der zweite Eindruck jedoch zeigte: Weit gefehlt !

Der dritte erbrachte zentrale Infos: Konrad Zuse, bekannter Abiturient der Stadt, wird kreativ geehrt, umherstreunende BesucherInnen haben auch etwas davon: freies W-Lan in fünfzig Meter Umkreis.

Bleibt die Frage, wie es aussehen würde, wenn dir deine Heimatstadt ein Hochhaus gestalten würde  ?

vox populi

Seit Monaten schon fahre ich an diesem Stromkasten vorbei und wundere mich darüber, dass dieser – wie sonst oft gesehen – nicht schnell wieder gereinigt wurde. Auf der Suche nach Erklärungen gelangte ich zu

These Nr. 1:  Der Verfasser der Botschaft spricht aus des Volkes Herzen und keiner will den Wahrheitsgehalt dieser Aussage wirklich dementieren.

These Nr. 2: Der Verfasser dachte sich: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein bescheuerter Blogger das Gekritzel noch weiter popularisiert und er Weltruhm erlangen würde.

These Nr. 3-X:  will ich von dir lesen – stell sie auf !

glücksbild

De mortuis nihil nisi bene – Zum Tod Michael Jacksons

„Über die Toten (sprich) nur gut“ – in Zeiten unvermeidlicher Postthemen hier ein weiterer Beitrag. Was gibts also zum Tode Michael Jacksons zu sagen ?

Menschlich: ist der Tod für liebende Angehörige wahrscheinlich immer eine Katastrophe.

Künstlerisch: I couldn´t care less. Das Beste was M.J. hervorgebracht hat, ist die Inspiration zu dieser Coverversion:

Wers reflektierter mag – und das nehme ich ihm/ihr nicht übel 😉 – hier ein interessantes Feature: Erinnerungen an den King of Pop: Der Innovator

bemüht

In Gießen gilt es heute nicht nur, für die Zusammensetzung des nächsten EU-Parlaments ein Stimmchen mitabzugeben (meine Wahlempfehlung: Newropeans), nein, auch ein neuer Landrat soll gewählt werden, daneben ist OB-Wahlkampf. Partizipatorische Bürgerpflicht auf ganzer Linie also.

Gerade beim OB-Wahlkampf wurden – hier mal gemessen am häuslichen Flyer-Aufkommen – zwei Arten des Wählerengagements sichtbar. Während sich die Herausforderin Dietlind Grabe-Bolz (naturgemäß) präsenter im Briefkasten zeigte, wähnte sich Amtsinhaber Hans-Peter Haumann scheinbar im Chill-Modus. Keine Flyer, keine Parteizeitungen, keine Infos, nix. DGB hingegen ließ nichts unversucht, heute morgen lagen diese putzigen Einladungen vor der Tür:

Dietlind Grabe-Bolz - Wahleinladung 7. Juni 2009

Für meine Stimme hätte es das nicht gebraucht, aber aus Sicht des aufmerksamen Bürgers ergibt sich doch ein etwas einseitiges Bild und die Frage(n): Warum hat sich Herr Haumann nicht um meine Stimme bemüht ? Sieht so adäquate Wählermobilisierung aus – entspannt im Status Quo ? Oder haben die CDU-Strategen via Microtargeting schon längst herausgefunden, welcher Wind in unserem Haus weht ?

Ron Erkel PI, darf ich um deine Einschätzungen bitten ?