konsequent weitergedacht

… hat der Reclam-Verlag die Idee, seine allseits beliebten gelben Heftchen weiter für den Alltagsgebrauch gestalten zu lassen, nachdem das vor einiger Zeit veröffentlichte und zugegebenermaßen echt knuffige  Universal-Notizbüchlein so ein veritabler Burner war: außer mir hab ich bislang niemanden damit gesehen.

Und was heißt „allseits beliebte gelbe Heftchen“?  Durch viele Schülerhände sind sie gegangen, nicht selten wahrscheinlich solche Reaktionen provozierend:

Aber dennoch: Passend zum bevorstehenden Jahresbeginn der oben angedeutete Hinweis auf ein relativ neues (erschien schon im Sommer) Alltagsprodukt aus dem Hause Reclam: der Universal Kalender für 2012. Das Design besticht erneut, die Idee ist schön gedacht und auch schön gemacht, die angebotene Praktikabilität puristisch, aber sinnvoll, ein wöchentliches Bonmot aus berühmten Mündern nicht neu, aber freundlich.  Für mich als Feld-, Wald- und Wiesenzweitkalender eine nette Anschaffung, fürs nächste Jahr das klare Universalgeschenk.

[clickclick für Vorschau und möglichen Erwerb]:

kalter Entzug

Ich glaub es war der Spiegel, der mich drauf brachte. Wiederholt tauchten in den letzten Monate Features, Interviews und Storys auf, die einen Bezug zu dieser Serie herstellten. Und ich erinnerte mich daran, schon vor längerer Zeit mal etwas darüber gelesen zu haben. Doch dieses Mal musste ich mir das genauer ansehen.

Die Rede ist von „The Wire“, der, so ein wahrscheinlich etwas verzerrter O-Ton, „besten Kriminalserie aller Zeiten“. Eine Serie wie ein mehrbändiger Roman, handelnd vom Niedergang der einst blühenden Stadt Baltimore an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Gedreht in den Jahren 2002-2008. Als wahrscheinlich letzter hab ich davon gehört, machte aber nichts, denn:

Was soll ich sagen? Die erste Staffel kam ins Haus und nach ersten Startschwierigkeiten (der anfangs überzogene Vulgärsprachgebrauch war etwas nervig, wird z.T. aber gut übersetzt) waren wir angefixt. Bedächtig entfaltet, klug erzählt, auf spannende Weise multiperspektivisch beleuchtet und mit vielseitigen Charakteren belegt – zentrales Thema: der Kampf gegen einen Drogenring.

Das daraufhin die zweite Staffel folgen musste, war fast schon zwangsläufig. Und die war sogar noch besser. Die Erfahrung, aus schierer Notwendigkeit des Verfolgens eines fulminanten Spannungsbogens 3h lang in die Welt der Hafenarbeiter von Baltimore einzutauchen, hab ich so auch noch nicht gemacht. Und das hätte jeden Tag so gehen können. Wirklich erstaunlich.  Man kann vermutlich die fünf Staffeln einfach so weggucken.

Es war also Zeit für die Reißleine. Und um ehrlich zu sein, es dauerte ein ganzes Wochenende, bis das Setting der 2ten Staffel aus meinem Kopfkino verschwunden war. Und um noch ehrlicher zu sein: Allein die Tatsache, dass lediglich die ersten beiden Staffeln mit deutschen Untertiteln zu haben sind, hat Schlimmeres verhindert.

Was bleibt? Eine wirklich spezielle und grandiose Unterhaltungserfahrung und zwei Staffeln im Regal, die ich an Locals (hey Ron!) gerne ausleihe. Und sonst? Irgendjemand hat sich die Mühe gemacht, die wesentlichen Inhalte der Gesamtspieldauer der 1. Staffel [rund 760min.] in knapp 1min zu erzählen. Hat er gut hinbekommen:

 

Auch wg. der ganzen Links interessant: der deutsche Wikipedia-Eintrag zur Serie.

antizipierte Midlifecrisis

Dieser Gedanke überkam mich gestern, als ich zufällig über ein fulminantes Auto-Blog stolperte: Motoring Con Brio. Von Enthusiasten für Enthusiasten, so scheint es, neben reichlich wunderschönen Fotos gibt es vor allem einen Blick auf Automodelle, die einem schlicht den Atem verschlagen, wie z.B. dieser grandiose  XJS Station Wagon.  Da ringt die alltagspraktische Vernunft des 4,5l-Nissan-Micra Diesel-Fahrers mit dem Herzen und einer seltsam aufflackernden, kindheitsinjizierten Begeisterung für schöne automobile Formen.  Und ich frage mich: Wird es nicht bald Zeit für ein anderes Nissan-Modell? Auch mit 4,5l Verbrauch, aber eben bei jedem Drehen der Zündung?

As time will tell ist gefahrloses Gucken und freuen aus der Ferne sicherlich eine feine Alternative. Der Tipp steht oben, ob man zur dortigen „core audience“ gehört, kann ja jeder selbst herausfinden.

Frauen die auf Brüste starren

Ok, es war nur eine. Brust. Meine. Aber nach der Vorlage kam ich um den Einstieg nicht umhin.

Zurück zur Brust. Meiner. Zwei Frauen starrten sie gebannt an, letzte Woche im Schwimmbad. Und zwar nicht, weil ich so ein Hottie bin (ich stand noch an der Kasse), sondern weil ich meine Brust dazu benutzt hatte, ein wundervolles Motiv spazieren zu tragen. Nämlich dieses:

Gibts bei threadless. Absolut unterstützungswürdig, weil zu sweet! Und solange der Sommer währt, gibts keinen besseren Grund sich von Frauen auf die Brust starren zu lassen, oder?

Impressions from Ireland, Summer 2011 – seen a thousand times before and yet so unique

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Notes:

1 – Trinity College, Dublin
2- St. Patrick´s Cathedral, Dublin
3- Thomas Street, Dublin
4- Liffey Boardwalk, Dublin
5 & 6 – At the Beach, Malahide
7 – Hotel View, Rear Side Lower Gardiner Street, Dublin
8  – Waterford Crystal, Waterford
9 – Corby Litter Police, Tramore
10 – Sunny afternoon, Cork
11 – Cloudy evening, Cork
12 – Old School B & B, Cork (quite nice on the inside!)
13 – Slea Head Drive, Dingle Pensinsula
14 – Incredibly beautiful beach spot, Dingle Peninsula
15 & 16  – Brandon Bay, Dingle Peninsula
17 – Antique interior at The Shores Country House, Cappatigue
18 – Serving all shopping needs in Roundstone, Connemara
19 – Awaiting High Tide, Westport
20 – Becoming a Vegetarian again (well, almost), Roscommon, The Midlands
21 – Waiting for the Bus, O´Connell Street, Dublin
22 – Waiting for the plane, Dublin Airport.
Planing to visit again sometime.

Not looking back in anger. Gedanken über den Berufseinstieg als Lehrer

Oder: Von jetzt auf gleich 300%. Und überlebt!

Nach einem Jahr mal wieder Muße und Ruhe, um durchzuatmen und runterzukommen. Gleichwohl braucht es auch in den großen Ferien ein paar Tage, um wirklich anzukommen. Dazu braucht es wohl auch einen Post wie diesen: rekapitulieren, reflektieren, regenerieren und äh, revitalisieren.

Die ersten Wochen in fester Anstellung erinnerten mich an das berühmte „live fast die young“, nur halt in seriös. Info-Overkill allenthalben: jeden Tag Neues, Wichtiges, Gesichter hier, Termine da, Listen dort, Treffen da drüben. Zig neue Namen. Morgens gelernt, am Nachmittag vergessen. Man purzelt von Tag zu Tag, Woche zu Woche, Monat zu Monat, wird mitgerissen vom Strudel administrativ-pädagogischer Sollerfüllung und versucht dabei, doch erstmal den Freischwimmer zu machen.

Im Nachhinein nun: Was mir half, das erste Jahr erfolgreich zu bestehen.

Kategorie No1: Kommunikation

Ungemein hilfreich: Fragen, Fragen, Fragen! Und Fragen! Keine Scheu, du bist neu, machst vieles zum ersten Mal und hast massiven Info-Bedarf [Mutatis mutandis falls die Schule auch die Ausbildungsschule war].  Ansprechpartner sind (Fach)-Kolleginnen und kollegen, die Fachleitungen, Schulleitung, die Mitarbeiter im Sekretariat. Auch der Hausverwalter [früher: Hausmeister] ist kein besenschwingender Lakai auf einer unteren sozialen Stufe, sondern kenntnisreicher Mitarbeiter im Schulkontext.

Nicht zu unterschätzen für den Psycho-Haushalt: regelmäßig mit Gleichgesinnten Kontakt suchen. Falls du nicht gerade die einzige Neueinstellung gewesen bist, tut es gut, zu hören und zu wissen, dass die Anfangszeit i.d.R. für JEDEN eine heftige Zeit ist. Du musst also nicht weinend auf dem Parkplatz im Auto verzweifeln. Dazu kann es hilfreich sein, eine begleitende Fortbildung für Berufseinsteiger zu machen, denn hier gibt es ein Forum, dass für alle relevanten Anfangsfragen Austauschmöglichkeiten und Anleitungen bietet. Mal beim örtlichen Schulamt nachfragen bzw. nachsehen.

Kategorie No2: Arbeitsorganisation und -gestaltung

Zentrale Kategorie, quasi das Mastermind der Komplexitätsbewältigung!

Zunächst: Übersicht schaffen und gut organisieren. Jahreskalender waren für mich immer eine Art Inbegriff der Spießigkeit, der freie weiße Raum an der Wand über meinem Schreibtisch ein Heiligtum [kontemplatives Starren ins weiße Nichts eine geübte Schaffensphase] . Damit war es bald vorbei und im Nachhinein muss auch ich anerkennen, was die übrige Menschheit seit Zillionen von Jahren weiß: Die Teile haben durchaus ihren Sinn! Das Grauen hat ein Gesicht und kann abgearbeitet werden. Wenn alle Klausuren, SV-Stunden, Aufsichten, Konferenzen, Reinigungsdienste, Elternabende, Fachschaftstreffen, Prüfungstermine etc vor einem erscheinen, lassen sich auch Ressourcen schonen: keine unnötig vorbereiteten Unterrichtsstunden, wenn am betreffenden Tag gar kein Unterricht ist!

Zur Arbeitsorganisation gehört auch ein hilfreich gestalteter Arbeitsplatz, Stichwort Hardware. Wenn nicht schon ohnehin vorhanden, sollten die Anfangsgehälter für gewisse technische Investitionen genutzt werden. Ein Laserdrucker erspart so manchen Stressmorgen am Kopierer (mit 10 anderen!), auch spätabends noch lassen sich Arbeitsblätter und vor allem Klausuren klassensatzweise ausdrucken. Sehr gute Erfahrungen habe ich bisher mit s/w-Laserdruckern von Brother gemacht (aktuell dem Modell HL-5240L). Für gelegentliche Farbfolien, Fotos u.a. bietet sich ein günstiger Farbtintenstrahldrucker an (recht solide Arbeit und tolle Qualität bei Photodrucken auf Photopapier: Canon IP2700). Unverzichtbar ist natürlich ein Scanner, denn die einschlägigen Verordnungen zum Kopieren aus Lehrwerken zwingen ja quasi zur Vielseitigkeit ;-), außerdem verfügt man über schöne Gestaltungsmöglichkeiten von Arbeitsblättern. Tipp hier: maximale Flexibilität durch Stromversorgung via USB, dazu gute bis sehr gute Lesequalität bei hoher Geschwindigkeit, der CanoScan LIDE 200. Inwiefern man den Wunsch nach maximaler Flexibilität auch in die Schule hineinträgt und sich einen eigenen Beamer anschaffen mag, ist jedem selbst überlassen. Der technische Notstand (wo sind die ausleihbaren Beamer, wenn ICH sie mal brauche?) und notorisch lange Finger (wo ist die Fernbedienung bei den TV/DVD-Kombis?) an meiner Schule veranlassten mich dazu, es zu tun. Zum Abbilden von Präsentationen und Filmen in einigermaßen abgedunkelten Räumen reicht das (Einstiegs)gerät von Epson [Modell EB S7] aus, in hellen Räumen wirds nervig und ist nicht zu empfehlen. Die Flexibilität allerdings ist es wirklich wert: Du planst Schülerpräsentationen? Dann werden sie auch gehalten, weil du den Kram dabeihast. Punkt. Planungssicherheit, Entlastung, innere Ruhe.

Ein wichtiger Leitsatz zur Unterrichtsgestaltung, gerade am Anfang wurde mir: Weniger ist Mehr!  Wo brauchbare Schulbücher vorhanden sind, sie auch nutzen, anstatt sich totzukopieren, nur weil man in der Ausbildung so häufig und ex cathedra die Verpönung der Schulbucharbeit gehört hat. Die Angewohnheit elaborierter Stundenplanung aus dem Referendariat sollte man aus Selbstschutzgründen vorübergehend aussetzen. Sie macht bei zwei bis fünf  Klassen und 12-14 Wochenstunden Sinn, bei zehn Klassen und 26h sieht das zuweilen anders aus. Nichtsdestotrotz lassen sich glorreich gelungene Vorführstunden modizifiert ja auch nochmal einsetzen, und das Gefühl ist wieder da :-).

Stichwort Materialsammlung. Gerade als PoWi-Lehrer ist man aufgrund des diesem Fach so inhärenten Aktualitätsprinzips ein beständiger Jäger & Sammler und besonders am Anfang erscheint jeder Verlagskatalog wie eine von den Didaktikgöttern für mich persönlich ausgesuchte Offenbarung. Allerdings merkte ich schnell, dass die Vorratsanschaffung nach dem „kann ich bestimmt mal irgendwann super einsetzen!“-Motto schnell leerläuft [siehe oben, Totkopieren vs. Schulbuchnutzung]. Eine Auswahl von 2-4 Schulbüchern pro Fach und Stufe, dazu verschiedene Arbeitsmaterialien [u.a. auch nicht zu unterschätzen: Rätsel, ja tatsächlich! Für Geschichte z.B. eine Sammlung aus dem Auer-Verlag] fand ich für den Beginn hilfreich. Für den PoWi-Bereich ein echter Tipp ist der Aktualitätenservice des Schroedel-Verlages, wenn eine Schullizenz vorliegt – kostenfrei für die angemeldeten LehrerInnen, schnell und bequem können dann aktuelle Themen qualitativ hochwertig im Unterricht besprochen werden.

A propos Online-Ressourcen: Das digitale Auslagern des Unterrichtsgeschehens ist vielerorts integraler Bestandteil der Lernkultur, sei es per email-Verteiler, oder einem digitalen Klassenzimmer via der Plattform Lo-net, oder entsprechenden internen Bereichen auf vom jeweiligen Kultusministerium zur Verfügung gestellten Seiten. Noch unmittelbarer und unaufwendiger sind Blogs. Emails kommen gerne zurück, weil irgendjemand immer sein Postfach überfüllt hat, im Blog stellt man Dokumente zum Download bereit und die Schüler sind selbst verantwortlich, sie sich dort herunterzuladen. Es gibt auch keine Ausredemöglichkeiten a la: die Email habe ich nicht bekommen. Naja, obwohl: Die Ausreden heißen dann: „das Internet ging nicht“ ! Aber auch nur einmal. Weitere Vorteile: Wenn die Ergebnissicherung an der Tafel zeitmäßig nicht mehr hingehauen hat, einfach abfotografieren und in den Blog gestellt. Für mich insgesamt eine Entlastung, die Schüler lassen sich daran gewöhnen! Und bei WordPress.com ist ein Blog schnell eingerichtet! Konkretes Beispiel  (m)eines primär auf Ressourcen bereitstellen ausgerichteten Blogs: forumlaszlorum. Funktioniert vorzüglich auch als Materialtheke für Kollegen, wenn Daten fürs Verschicken zu groß geraten. Bei aller Digitalisiererei von Arbeitsmaterial ist eine Seelenfriedenskomponte das Sichern dieser Daten. Ein bequemes Tool für diesen Zweck ist der Service von Mozy: Man muss zwar einmal die Konfiguration einrichten und der erste Upload-Prozess dauert je nach Datenvolumen auch ein-  oder zwei Weilchen, aber dann geht es per Click oder automatisiert. Und wenn man dann mal wieder von Kollegen hört, dass es den Rechner und/oder die externe Festplatte zerrissen hat (und über Jahre angesammelte, wertvolle Daten weg sind), kann man einen guten Tipp loswerden. Und bis dahin ruhig schlafen.

Kategorie No3: Das Unterrichtsgeschehen

Zunächst die Metaebene – Stichwort realistischer Anspruch! Gleich zu Beginn erstmal ein wohlmeinendes Korrektiv verpasst zu bekommen, fand ich nicht nur freundlich, sondern auch hilfreich. Ein erfahrener Kollege gab mir weiter, was er einst beim Stellenantritt von einem erfahrenen Kollegen zu hören bekam: Bis jede Unterrichtsstunde eine gleichbleibend hohe Qualität haben würde, sollten 7-8Jahre vergehen! Der Wert wird variieren, doch die Botschaft ist nachvollziehbar. Im Gegensatz zum im schlechtesten (aber leider häufigen) Fall  auf Showstunden ausgerichteten Referendariat heißt das für mich: erstmal die Basics, dann die Innovationen! Gerade in einem Fach wie Geschichte muss eine überwältigende Stoffmenge bewältigt werden, da kommt man mit den oben veranschlagten Jahren schon hin. Und auch der viel geschmähte, jüngst aber eine Art Renaissance erlebende Frontalunterricht ist eine Kunst, die erstmal gelernt werden muss.

Im Klassenraum. Hier hat jeder seinen/ihren eigenen Stil und eigene Zugänge. Was ich als hilfreich empfand, war folgendes: Jede Klasse hat ihre eigene Dynamik und ich suchte mir in jeder Klasse Anknüpfungspunkte, warum der Unterricht ausgerechnet in DIESER Klasse angenehm sein konnte. Das war zum Beispiel das hohe fachliche Niveau, auf dem unterrichtet bzw.  gemeinsam gearbeitet werden konnte. Keine Selbstverständlichkeit, daher absolut genussfähig! In andereren Klassen war es der humorvolle Umgang mit den Schülern, oder die positive Klassenatmosphäre. In wieder anderen Kursen waren es die herausfordernden fachlichen Baustellen und meine Lösungsansätze, die entweder auf gar keine oder doch gewisse Resonanz stießen. Und natürlich gab es auch die klassische Krawallklasse, die sich aufgegeben hatte, aber in verschworener Klassengemeinschaft jeden Lehrer als Agenten des Bösen und des infamen Unrechts ansah und dies mit fachlicher Minderbegabung, ausgeprägter Faulheit, argumentativer Unverschämtheit und individueller Dreistigkeit paarte.

Die Begegnungen mit dieser Klasse waren zuweilen nervliche Drahtseilakte, die mich zum nächsten wichtigen Punkt führen: Der Trennung von Person und Rolle.  Denn als Lehrer und Lehrerin macht man jeden Tag Lernangebote. Diese werden angenommen und genutzt, oder eben nicht. Den Erfolg oder Misserfolg fachlich, aber nicht persönlich zu nehmen, scheint mir ein hilfreicher Ansatz zu sein. Auch wenn das natürlich nicht immer gelingt. Aber: Ich kann als Lehrperson einen schlechten Tag haben und scheitern, doch als rollendistanziertes Individuum kann ich dieses Scheitern analysieren und reflektieren, Schlüsse ziehen und Alternativen überlegen, ohne meine gesamte Existenz in den Orbit des Grauens, des Wurmseins zu verbannen.

Ansonsten gilt auch hier das Kommunikationsgebot von oben: Mit Schwächen offen umgehen und mit anderen darüber sprechen, ist einerseits ein gutes Ventil, andererseits kann man auch eine offene Kommunikationskultur vorleben, die das klassische Einzelkämpferdasein von Lehrerinnen und Lehrern ein Stück weit durchbricht.

Kategorie No4: Der Ausgleich

Das Doofe gerade am Anfang: So viel Zeit bleibt für einen ausgedehnten Ausgleich gar nicht! Wenn man nach 6-10h Schule und einer Mittagspause bis abends am Schreibtisch sitzt, den Rücken krumm macht und die Augen quält, ist das Bett eigentlich der zentrale Ausgleichsort. Empfehlenswert ist daher das Ausruhen in den Zwischenzeiten, wann immer es sich ergeben sollte: Als großer Fan des sog. „power nap“ musste ich gelegentlich Hindernisse überwinden und in Stillarbeitsräumen mit vier Stühlen eine Liegefläche basteln, Körperspannung anlegen, um dann mental abzuschalten. Sich im Lehrerzimmer leichenmäßig in der Sofaecke lang machen ist hingegen weniger ratsam, wenn man nach dem Aufwachen keine Lust hat, auf die spöttischen Kommentare ruhestörender Kolleginnen zu antworten.

Ansonsten ist Sport natürlich das Mittel der Wahl zum Ausgleich, da kann ich mich einhelligen Meinungen nur anschließen. Wie man sehr arbeitsintensive Phasen konstruktiv gestalten kann, habe ich im Prüfungskontext mal beschrieben, daher hier nur der Link zum Artikel: Von der Kunst selbstorganisierten Arbeitens.

Eine Sache noch finde ich erwähnenswert, sie hat etwas mit den materiellen Früchten des Lehrerberufs zu tun. Im Vergleich zum Ref. potenziert sich das Gehalt einigermaßen und man muss ja nicht alles versaufen. Man muss auch nicht alles in technischen Investitionen unterbringen. Unbestritten haben materielle Belohnungssysteme ihren Reiz und ihre psychologische Berechtigung. Und hier ist man als Lehrer/Lehrerin in einer privilegierten Situation. Doch wenn man nicht gleich zum Dienstantritt den neuen A3 oder 1er BMW geordert oder den Hauskauf forciert hat, bleibt genug übrig, um Privilegien zu teilen. Die Möglichkeiten zum Spenden sind so episch wie individuell, eine Mischung aus globaler [z.B. Brot für die Welt ] und lokaler Aktivität [z.B. die FR-Altenhilfe ] vielleicht ein interessanter Ansatz.

So weit mal diese Retrospektive zum vergangenen Jahr. Sie erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die Subjektivität ist hoffentlich evident. Wer Lust hat, kann seine/ihre Tipps gerne ergänzen.

Cheers und schöne Ferien!

Strafe muss sein!

Irgendwie ist es ja gar nicht mal viel, was ich da erwarte. Etwas common sense im Straßenverkehr. Mehr nicht.

Doch für manche Zeitgenossen und -genossinnen scheint dies ein schwieriges Unterfangen zu sein: Wer kennt nicht die Situation, wenn spärlich vorhandene Parkplätze durch angewandtes Deppentum so unbeparkbar gemacht werden, dass man vor Ingrimm schreien könnte? Wenn statt drei Wagen nur 2,5 hinpassen, eine halbe Autolänge also gereicht hätte, um die Mitmenschen nicht wie arme Idioten dastehen zu lassen, die in regelmäßigen Abständen 10min lang um den Block fahren müssen, bis sich irgendwo ein Stellplätzchen auftut? Und das mit einem Kleinwagen? Uuuuaaaaaarrrrrgggghhhhh!!

Wie es der Zufall nun so will, schlenderten wir heute über das hiesige Kunstprojekt „Fluss mit Flair“ und an einem Stand in eine charmante Lösung, um den Ärger zu kanalisieren. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, mit welchen harten Bandagen hier zuweilen gekämpft wird und können daher nachempfinden, dass ich eine solche Perle natürlich nicht ungeteilt lassen kann:

Bewundernswert finde ich persönlich die Größe, bei der akkuraten Feststellung auf die eigentlich zwingende Verbalinjurie verzichtet zu haben :-).  Das Produkt umfasst 10 bedruckte Karteikarten für gerade mal einen Dui. Also los.  Kommt von hier: www.be-zeichnend.blogspot.com.

Panoptikum des Monats

Merkwürdige Geschehnisse im Mai.

1. Die wahrscheinlich schönste kleine Gießkanne von Welt entdeckt.

Ein Traum aus pulverbeschichtetem Stahl in britischem Racing Green. Abschraubbare Rosette für fröhlichen Bewässerungsregen, tropft einigermaßen nach, daher besser für Draußen geeignet. Dazu ein Firmenselbstverständnis, wie es nur von der Insel kommen kann: „Sheer excellence since 1730“. Für alle, deren Sinn für Ästhetik nicht an der Kasse bei Obi enden will.  Gutes Angebot und sehr guter Service bei The Greenery.

2. Endlich einen Weg gefunden, digitalisierte Videoschnipsel die den Beamer-Aufbau nicht lohnen, deppenfest auf allseits abspielbare DVD zu brennen!

Ein Kollege gab mir den Tipp: DVD Flick. Klein und kompakt, schnell und solide (bisher). Ein kurzes und hilfreiches Tutorial gibts auch: DVD Flick Guide.

3.  Einen 2fachen Geschenkefail glücklich überstanden.

Missetat No 1: Azure Ray-CD im Sommer verschenkt. Missetat No2: Eine Orchidee verschenkt und dabei vergessen, dass die zuletzt schmachvoll verendete Orchidee (die neue sollte als Ersatz dienen) bei der Adressatin eine gehörige Unlust in der Orchideenpflege evoziert hatte.

4. Darüber nachgedacht, meinen designtechnisch eher gruseligen, aber extrem funktionalen und brillant bequemen Laufschuhen einen Review zu widmen.

Mich dann aber dagegen entschieden, weil mir kein Aufhänger eingefallen ist.

5. Schallend laut gelacht (ok, NACH der Bestürzung) als ich vom vermeintlichen Hipster-Label Kronstadt ein Polo erhielt (das ich aufgrund eines Wortspiels verschenken wollte)…

und es nicht nur Löcher und verschieden lange Ärmellängen aufwies, sondern insgesamt so lausig verarbeitet war, dass ich den Stümpern empfehle vielleicht erstmal mit Handtüchern zu üben, bevor man so einen Schrott auf den Markt wirft, nur weil die Saison schon begonnen hat.

6. Die Ironie des Schicksals beweint, dass mein Tutorium es nach fast einem Jahr geschafft hat, die anvisierte Klassenfete endlich auf die Reihe zu bringen…

und ich einen Tag vorher KRANK werde!

Ehre wem Ehre gebührt – Zuckertipp für den Möbelkauf

Ein einstmals legendärer hiesiger Gebrauchtmöbelhändler, für den ich vor vielen Monden einige Sommer lang jobbte, nannte sie verächtlich „Studentenantiks“: Weichholzmöbelstücke aus der Gründerzeit und dem Jugendstil.

Doch seine Vorliebe für verschnörkelten und/oder protzigen Barockkram und die berühmten – mir aber zu voluminösen – „Frankfurter Schränke“ mochte ich auch nicht teilen.  So blieb ich also ewiger Student.

Und hier setzt die Empfehlung ein: Vor zwei Jahren bei einem Besuch in Münster zufällig entdeckt und von der Auswahl, der Qualität, der Preisgestaltung und dem Service mehr als angetan, kontaktierten wir das zu lobende Haus neulich mal wieder und durften die positive Erfahrung gleich noch mal machen, diesmal sogar etwas potenziert.  Daher muss ich das jetzt wirklich  mal loswerden.

Die Rede ist vom Antik Handel Lux in Münster, die hier ihre Homepage haben.  Geboten wird eine sehr hochwertige Restauration zu (dafür) angemessenen Preisen. Das Angebot ist sehr vielseitig, gerade im Schrankbereich (Brot-, Kleider,- Bücher – etc. – Schränke) gibt es eine tolle Auswahl.  Als „Trademark“ kann vielleicht die Gestaltung der Weichholzmöbel in schönen warmen Honigtönen gelten: sehr wohnlich, sehr augenschmeichelnd und sehr sonnenfreundlich!

Sie lassen mit sich handeln, was den Gesamtpreis (Artikel und Lieferung) anbetrifft, Rabatte werden gewährt, wenn man mehrere Stücke kauft. Änderungswünsche (z.B. zusätzliche Böden) lassen sich unproblematisch am Telefon arrangieren.  Super nett: Die Sachen werden geliefert und auch in die Wohnung befördert (selbst wenn man wie wir im 3. OG wohnt), auch beim Aufbau wird, wenn nötig, geholfen. Gezahlt wird vor Ort, bei Übergabe und Abnahme.

Kurzum: Wer alte Möbel mag, kann hier glücklich werden!


Es hat auch gar nicht weh getan!

Seit unserem letzten Umzug vor knapp drei Jahren bewegten wir das Thema Stromanbieter wechseln in unseren Herzen. Im Hinblick auf Ökostrom bot der lokale Versorger nur einen uneindeutigen Ökotarif an, bei dem unklar blieb, wo der alternativ produzierte Strom eigentlich herkam, zudem war nur ein Strommixangebot (erneuerbar plus konventionell) zu haben.

Ergo ging die Entscheidungsfindung im Alltagstrubel unter, periodisch meldete sich das schlechte Gewissen, manchmal unterstützt von der Erinnerung an ein Interview mit der Utopia.de-Gründerin Ulrike Langer im Fluter Nr.35 (S.11 ), in dem sie davon erzählt, Freunde von ihr hätten seit längerem  das „Projekt“ vor Augen, „endlich“ den Stromanbieter zu wechseln. Wie erbärmlich lange sich das hinziehen kann, hatte ich nun gemerkt.

Dann kam Fukushima. Und mit der Atomkatastrophe kam die im Ausland als „hysterisch“ gelabelte deutsche Atomdebatte.  Mit ihr kam der Info-Overkill. Schüler der 9. Klasse wussten auf einmal ebenso gut über die Funktionsweise eines Atomreaktors Bescheid, wie mein pensionierter Nachbar.

Und dann ging alles ganz schnell: Eines Tages berichtete die Tageszeitung unseres Vertrauens vom „Ansturm auf Ökostrom“, unter anderem wurden auch die vier unabhängigen Ökoanbieter in Deutschland erwähnt.  Dazu gab es alle relevanten Informationen zum Wechsel des Stromanbieters. Die Passivität der letzten Jahre wich ebenso schnell wie das atompolitische Rückgrat des Stefan Mappus. Vier Seiten wurden angesurft, vier Preisvergleiche durchgeführt. Den Zuschlag erhielt mit Naturstrom der Anbieter, der nicht nur am längsten im Geschäft ist, sondern auch die konkurrenzfähigsten Preise offeriert. Erwartbare Mehrkosten von 60-80,- im Jahr sind für uns durchaus tragbar.

Und siehe da, wir haben gewechselt.

PS:

Natürlich wird man im neuen Club angemessen willkommen geheißen. Neben einem Kundenmagazin gehörte auch ein Set Bekennersticker dazu, die den Missionseifer des frisch Bekehrten gebührend unterstützen sollen.  Allerdings hält sich die überambitionierte Labelfreude bei mir in Grenzen, lieber schreibe ich einen Bekennerpost :-).  Na gut, einen angemessenen Ort habe ich für einen der Sticker dann doch noch gefunden: